Wie privat ist eigentlich Facebook?

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Screenshot aus einem "privaten" Facebook-Fotoalbum (Balken von Flurfunk Dresden eingefügt): zu sehen ist ein Dresdner Journalist in leitender Funktion.

Darf man Informationen, die in Facebook-Profilen veröffentlicht werden, ohne Rücksprache für journalistische Beiträge benutzen? In der jüngeren Vergangenheit sind uns mehrfach Postings von Medienprofis aufgefallen, die - mhm, sagen wir es vorsichtig - durchaus für Wirbel gesorgt hätten, hätten wir sie hier im Blog aufgegriffen.

Beispiele gefällig?

  • Ein leitender Medienangestellter regt sich in seinem Facebook-Profil darüber auf, dass ein anderes Medium seine Geschichte von vor fünf Monaten groß als neu verkaufe. Auf unsere Frage, ob wir das zitieren dürfen, kommt zurück: Nein, das war ein privates Posting. Und das von einem Boulevard-Journalisten!
  • Da schreibt ein Medienchef, nachdem es einige Zeit nach seinem Weggang erneut im Unternehmen ordentlich rumpelt, eine eher - mh, sagen wir - distanzierte Meinungsäußerung über die Kompetenzen seines alten Chefs. Um es in Mediensprech zu formulieren: Von der Fallhöhe her hätte es durchaus für eine kleine Welle gesorgt, hätten wir es zitiert. Ob das einkalkuliert war?
  • Einen Tag sieht man einen leitenden Redakteur eines wichtigen Mediums bei einer gemeinsamen Freizeitaktivität im Facebook-Profil eines Fraktionspressesprechers. Eine Woche später erscheint in besagtem Medium ein Bericht zu der Partei, der eine deutliche Gegenposition zur allgemeinen Berichterstattung in diesen Tagen bezieht. Autor: der Mann auf dem Facebook-Foto. Wäre natürlich total daneben, dort einen direkten Zusammenhang herzustellen...
  • Und dann sind da ja noch die Fotos, die manche von sich veröffentlichen. Das Bild oben ist übrigens so, ohne Balken, bei Facebook zu finden - und vergleichsweise harmlos. Wir haben vorher höfflich gefragt, ob wir es (auch in der Form, also mit Balken) hier verwenden dürfen.

Alle drei Beispiele sind so oder ähnlich passiert - sie sind leicht bis mittelschwer variiert, um die betroffenen Personen zu schützen. Wir verfahren gewöhnlich so, dass wir vorher fragen, ob wir etwas aus Facebook verwenden dürfen. Wobei man einschränkend anmerken muss: Mit allen Betroffenen besteht bei Facebook eine persönliche "Freundschaft" - als noch. Die Sachen waren nur teilöffentlich (je nach Person variiert die Freundeszahl) einzusehen, die Freundschaft wäre nach Veröffentlichung jeweils sicher beendet.

Und doch neigen wir bei der Beantwortung oben gestellter Frage zu dem Hinweis: Nein, bei Facebook gibt es keine Privatheit. Alles ist öffentlich. Immer und überall.

2 Kommentare
  • Johannes Mackenfels
    Juni 10, 2011

    Selbstverständlich darf und sollte man Facebook - Inhalte dann verlinken oder zitieren, wenn sie grundsätzlich für alle und jeden einsehbar sind. Der Urheber veröffentlicht ja dann seine Meinung ähnlich einer Webseite, und sollte sich darüber klar sein. Wenn ich allerdings nur meinen Freunden gewisse Kommentare zukommen lasse, dann möchte ich auch, dass es von Ihnen freundschaftlich behandelt wird.

    Sieht nun ein Journalist in einer Information, die aus solchen "Freundschaftlichen Kreisen" gewonnen wird eine gewisse Brisanz. Dann sollte er nach seinem Gewissen und Anspruch abwägen, wie er diese Info (also Privatfoto mit dem xx beim Ballspielen im Garten) verwendet. Da sehe ich zwischen Facebook und den Gesprächen am Biertisch keinen Unterschied. Ich würde dann halt nicht schreiben, "wie er in seinem privaten facebookprofil bekennt, ist er nicht angeln gewesen sondern im budapester gellert-bad" sondern eher, wie fotos im internet belegen, ist er da gewesen.

    Da stellt sich wieder die Frage zwischen Quellenschutz und präzisem Beleg für die Information.

    Ich meine, durch Facebook ändert sich für mich im Grunde also nichts im Umgang mit Verarbeitung von Informationen in der Bewertung dieser. Und wie ich mit meinen "Freunden" umgehe, sollte ich weiterhin nach eigenen Maßstäben entscheiden.

  • Oliver Riebl
    Juni 10, 2011

    Zum Thema:
    "Pass auf Dich auf - alles was Du tust, hat Folgen!"
    - oder -
    Gott vergibt, das Internet nie
    von Thomas Lindemann

    http://www.mdr.de/kirchentag/hintergrund/8613764.html

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