Stellenabbau bei der „Leipziger Volkszeitung“

Von 4 ,

Tweet von @epdmedien vom 25.11.2011

Die "Leipziger Volkszeitung" baut Stellen ab: Nach Meldungen aus Betriebsrat und von Gewerkschaften plant die Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft (Muttergesellschaft von "LVZ" und "DNN") bis 2013 knapp über 50 Stellen abzubauen - davon bis zu 25 in der Redaktion.

Dabei sind die Zahlen, die in der Medienberichterstattung kursieren, stark variierend: Ein erster Bericht sprach von 30 von 100 Stellen (newsroom.de), uns gegenüber sprach eine Madsack-Verlagssprecherin gestern (28.11.2011) von 25 der 120 Stellen, Norbert Schmid, Geschäftsführer der "LVZ", nennt gegenüber der "taz" von 140 redaktionellen Stellen ("taz": "Madsack streicht").

Gewerkschaftler fürchten nun, die "LVZ" verliere den Status einer Vollredaktion. Der Abbau in der Redaktion trifft wohl in erster Linie die Mantelredaktion, also der Teil, der die überregionalen Seiten der Zeitung erstellt. Im Gegenzug werde das Madsack-Korrespondentenbüro in Berlin aber entsprechend aufgestockt, heißt es aus dem Verlag - um mehr als 20 Stellen, von denen aber wohl die wenigsten mit Redakteuren aus Leipzig besetzt werden.

Die Verlagerung der Mantelberichterstattung nach Berlin sei Teil der lang angelegten Strategie, heißt es gegenüber Flurfunk Dresden aus der Madsack-Zentrale in Hannover, um die Synergien zwischen den einzelnen Madsack-Regionalzeitungen zu stärken (vgl. auch Flurfunk Dresden vom 1.2.2011: "Madsack bündelt überregionale Berichterstattung der Lokalzeitungen"). Künftig könnten die einzelnen Chefredakteure überregionale Stücke in Berlin bestellen, die Mantelhoheit verbleibe in Leipzig - die Berliner Redaktion werde zu einer Art Inhouse-Agentur, die in Zukunft nicht nur Politik-, sondern auch überregionale Wirtschaft- und Feuilleton-Themen bearbeiten solle. Die regionale Konzentration und Stärke der Zeitungen vor Ort sei von diesem Umbau nicht betroffen.

Der Stellenabbau in Leipzig soll "über Altersteilzeit, Abfindungen und Versetzungen im Konzern realisiert werden", heißt es auf djv-sachsen.de. Die Geschäftsführung schließe aber betriebsbedingte Kündigungen nicht aus, sollten sich nicht genügend Freiwillige finden (vgl. djv-sachsen.de: "Stellenabbau bei der Leipziger Volkszeitung"). Eine Aussage, die "LVZ"-GF Norbert Schmid auch gegenüber der "taz" bestätigt.

Aus Gewerkschaftskreisen ist ferner zu hören, mit der Maßnahme wolle die Geschäftsführung die Umsatzrückgänge der vergangenen zwei Jahre in Höhe von 2 Mio. Euro ausgleichen. In der "Süddeutschen Zeitung" heißt es:

"Angesichts solcher Zahlen gab es mehr und mehr Druck, die personelle Ausstattung den Realitäten anzupassen; auch die Anzeigen brachen ein."

Das wirtschaftliche Argument leuchtet zumindest angesichts der Auflagenentwicklung ein: Die "LVZ"-Auflage hat sich seit 1989 mehr als halbiert (von 484.000 auf 220.820 verbreitete Exemplare - vgl. Medien in Sachsen, S. 63).

Ob die "DNN" als 100%-Tochter der "LVZ" vom Stellenabbau betroffen ist, scheint dagegen derzeit noch völlig offen zu sein. In Verlagskreisen wird das aber als eher unwahrscheinlich eingeschätzt - die Mannschaft in Dresden ist so schon sehr klein.

Hier die Links zur bisherigen Berichterstattung zum Thema:

djv-sachsen.de: "Stellenabbau bei der Leipziger Volkszeitung"
newsroom.de: "Madsack: Leipziger Volkszeitung droht personeller Kahlschlag"
taz.de: "Madsack streicht"
sueddeutsche.de: "Gemeinsam in Berlin"

4 Kommentare
  • Word
    November 29, 2011

    Und wieder geht ein Konzern einen seltsamen Weg: Was schon bei WAZ und DuMont nicht funktioniert hat, wird auch bei Madsack und der LVZ alles eher schlimmer machen. Eigene Mantelredaktion weg, Produkt wird zwangsläufig anders (bisher überall auch geichzeitig eher schlechter) und neue Leser kommen keine. Statt ins Produkt zu investieren, wird deinvestiert. Das finden die Leser doof und werden immer weniger bereit sein, 200/300 Euro im Jahr für die Zeitung auszugeben. Und mit der Reichweite sinkt die Relevanz für Werbekunden. Dann hat man den schönen Zirkel in Gang, der gerade vielen Pressehäusern schwer zu schaffen macht. Merkwürdig, dass man sich nicht an den funktionierenden Modellen bei Springer (Invest in Markenstärke der Printmarken und konsequenten Internetabverkauf auch pressefremder Dinge), Ippen (Mantelredaktion auch hier zumeist titelübergreifend aber gleichzeitig Invest und Ausbau Lokalberichterstattung) oder SPIEGEL und ZEIT (hoher, nahezu ausschließlicher Invest in Marke und Content) orientiert und versucht, auf Teufel komm raus r e l e v a n t zu bleiben.
    Die Hausaufgaben müssten in den genannten Unternehmen vielleicht eher bei der kompletten Überarbeitung und Neuausrichtung der Verlagsbereiche erledigt werden: Neue Verkäufer in den regionalen Beritten (zeigt ja das Stück über die Anzeigenbuchung bei der LVZ hier im blog exemplarisch), neue Vermarktungskombinationen auf nationaler Ebene, vielleicht auch den einen oder anderen Bereichsleiter und Zwischengeschäftsführer mit zweihunderttausend Euro Fixgehalt und A6 weniger; und ganz sicher wird auch die eine oder andere Marketingaktion verzichtbar sein. Dort ist bei den Zeitungen alles von gestern, weniger in den Redaktionen. Aber statt die Marke zu polieren und den Verkauf aufzumöbeln, wird für kurzfristige und einmalige Ergebniseffekte das Produkt um Mitarbeiter und Know-how reduziert und so schleichend seine Attraktivität für die Käufer aka Leser gemindert.
    Versteh ich nicht, warum man das nach den offensichtlichen Fehlschlägen der Nur-Spar-Strategie bei WAZ und DuMont, wo jeweils eine dramatische Auflagenerosion die Folge war und ist, bei Madsack jetzt auch so macht.

  • Press
    November 29, 2011

    Ein Beispiel dafür, dass es bei der großen Zeitung in Leipzig viel Optimierungs- und damit eine Menge Einsparpotential gibt, liefert ihr auf dieser Seite gleich selbst. Unter "Ähnliche Beiträge" ist bei 1. das hier aufgeführt: http://www.flurfunk-dresden.de/2011/11/08/das-seltsame-anzeigen-einmaleins-bei-der-leipziger-volkszeitung-ein-erfahrungsbericht/

    Nun sei (auch aufgrund des genannten Artikels) mal dahin gestellt ob man wirklich im redaktionellen Bereich sparen muss, oder ob man nicht durch Kürzungen in anderen Bereichen, z.B. durch Vergaben an externe Dienstleister genauso Einspareffekte in der gewünschten Größe erzielt. Einsparungen im redaktionellen Bereich, sicherlich dann hauptsächlich durch die Zusammenlegung von Lokalredaktionen, halte ich für den falschen Weg. Das geht zulasten der Qualität und lässt die Auflage noch mehr einbrechen.

  • Wort
    Dezember 5, 2011

    Und wieder soll kein Stein auf dem anderen bei Madsack bleiben, schreibt Newsroom.de: http://rdir.de/r.html?uid=A.B.abV.OI3.8wt8.UTvrxXM1rtKdqMoJQS-YPA. Bin gespannt, wie sich das alles noch bei der LVZ und den anderen Blättern entwickelt.

  • owy
    Dezember 5, 2011

    Danke für den Link - den Beleg dafür, dass "kein Stein auf dem anderen" bleiben soll, bleibt der Text aber irgendwie schuldig, oder?

    Die Geschichte wirkt auf mich ganz schön tendenziös (und sehr) negativ. Die Konzentration auf das Lokale und die Bündelung des Überregionalen durch Madsack halte ich persönlich für eine sehr vernünftige Vorgehensweise. Es müssen nicht X-Mantelredaktionen das gleiche Thema mehrfach bearbeiten, wenn am Ende sowieso in allen Blättern das Gleiche steht. Zumal heutzutage die meisten überregionalen Themen einen Tag alt sind, wenn sie in der Zeitung stehen.

    Ohne, dass ich für die dahinterliegende These Belege haben, die Frage: Vielleicht vollzieht Madsack hier einfach die längst überfällige Reform und verabschiedet sich endlich von den trägen traditionellen Strukturen?

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