Livona-Bloggerin: „90 Prozent aller Anzeigeanfragen lehnen wir ab“

Wir haben es hier im Flurfunk-Blog schon angekündigt, tun es aber gerne immer wieder: Am 29.4.2016 steigt in Leipzig die erste sächsische Bloggerkonferenz #bsen, die wir gemeinsam mit der Leipzig School of Media (LSoM) und der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und Medien (SLM) organisieren.

Um die Wartezeit auf die #bsen 2016 ein wenig zu verkürzen und um zu zeigen, was in Sachsen Blogger- und Onlinerszene eigentlich so los ist, wollen wir hier in einer kleinen Serie spannende und interessante Blog- und Online-Projekte aus Sachsen in kurzen Interviews näher vorvorstellen.

Wer steckt dahinter? Warum ein Blog bzw. Online-Magazin? Und - für diese Serie die wichtigste Frage: Wie finanziert man das? Anzeigen, Sponsoring, Spenden oder Bezahlschranken – welcher Weg ist der richtige?

#bsen-Serie: Blogs und Geld, Teil 1:
Birgit Ittershagen-Hammer, Livona

 

Im ersten Teil der Serie starten wir mit Birgit Ittershagen-Hammer aus Dresden. Sie ist die Betreiberin von Livona – Der Blog für grünen Lebensstil mit circa 40.000 Zugriffen im Monat. Nach anfänglichen Versuchen mit bezahlten Beiträgen setzt sie heute auf dezente und passende Werbung.

Livona

Flurfunk: Frau Ittershagen-Hammer, wie hat es mit Livona angefangen?
Birgit Ittershagen-Hammer: Die Idee für Livona hat sich aus einem Online-Shop entwickelt, über den ich Bioprodukte und Naturwaren verkauft habe. Mir fiel auf, wie unsicher die Kunden waren und wie viele Fragen sie hatten. Ich fand es sinnvoll die Fragen zu beantworten, über meine Erfahrungen mit Bioprodukten zu berichten und Alternativen vorzustellen. Mein Anspruch ist es, einfach Tipps zu geben und Ratgeber zu sein, ohne erhobenen Zeigefinger.
Seit Februar 2012 bin ich aktive Bloggerin. Gemeinsam mit meiner Mitstreiterin Adina Schütze arbeite ich heute etwa 10 Stunden pro Woche an den Beiträgen für Livona.

Flurfunk: Welche Gedanken haben Sie sich über die Finanzierung des Blogs gemacht?
Ittershagen-Hammer: In erster Linie war der Blog ein Hobby und die Frage nach der Finanzierung der zweite Schritt. Der Gedanke vom Blog zu leben ist schön, war aber nie unser Ziel. Adina und ich arbeiten beide weiterhin gern in unseren Berufen - Livona ist ein schöner Nebenerwerb. Wir haben einen hohen Anspruch an unsere Inhalte, probieren die Produkte selbst aus, recherchieren und schreiben dann darüber – das ist sehr zeitintensiv. An den drei Berichten pro Woche arbeiten wir insgesamt sechs bis neun Stunden. Sicher würden wir uns freuen, wenn sich die Zeit, die wir investieren auch auszahlen würde aber das ist ein Wunschtraum. Die Entlohnung erhalten wir dafür durch unsere Leser und das Vertrauen, das sie in uns haben. Mittlerweile hat Livona 40.000 Zugriffe im Monat - damit sind wir sehr zufrieden.

Flurfunk: Welche Finanzierungsmodelle haben sie seit dem Start von Livona ausprobiert? Was hat sich für Sie bewährt?
Ittershagen-Hammer: Von Beginn an hatten wir Anfragen nach bezahlten Artikeln. Wir haben das ausprobiert und schnell festgestellt, dass es nicht zu uns passt. Die redaktionelle Hoheit soll allein bei uns liegen und wenn mich ein Produkt nicht überzeugt, dann schreibe ich das auch.
Was sich für uns als Modell bewährt hat, sind die Anzeigen. Wir bekommen sehr viele Anfragen, aber nicht alle Hersteller und Anbieter passen zu unserem Blog. Etwa 90 Prozent aller Anzeigeanfragen lehnen wir deshalb ab und wählen nur die aus, die wirklich zu unseren Inhalten passen. Wir wollen unabhängig sein. Wenn wir Bioprodukte testen, kaufen wir sie selbst ein, bieten den Firmen aber direkt eine Anzeige an.
Unser zweites Standbein sind die Dienstleistungen. Ich bin Fotografin und Adina Texterin. Wir gehen also gezielt auf Firmen zu und bieten ihnen Produktfotos oder -texte an. Der Blog dient uns dafür als Türöffner.

Flurfunk: Wie sehen Sie die finanzielle Zukunft von Livona?
Ittershagen-Hammer: Das Thema Finanzierung interessiert uns schon. Wir halten Augen und Ohren nach neuen Modellen offen, nehmen an Bloggerstammtischen oder Barcamps teil. Bisher war allerdings noch nichts dabei, was wirklich zu uns gepasst hat.
Wir wollen für jeden zugänglich sein, weshalb eine Bezahlschranke für bestimmte Beiträge nicht infrage kommt. Vielleicht sind Spenden eine Lösung – wer weiß.

Flurfunk: Vielen Dank für das Interview.

Hinweis: Bei #bsen geht es nur am Rande um die Finanzierung von Blogs- und Online-Magazinen - viel mehr darum, wie man so ein Angebot professionell betreut und was Blogger- und Onliner voneinander lernen und vielleicht auch gemeinsam auf die Beine stellen können.

Hier finden Sie alle Infos zur Veranstaltung und Tickets für #bsen.

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