MDR: Ines Hoge-Lorenz, Landesfunkhausdirektorin Sachsen-Anhalt, legt Amt nieder

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Personelle Veränderungen an der Spitze des MDR-Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt: Ines Hoge-Lorenz tritt von ihrem Amt als Direktorin zurück.

Als Grund nennt sie einen Fehler: Sie habe zu ihrem Amtsantritt versäumt, klar darüber zu informieren, dass ihr Ehemann vor über zehn Jahren in der Causa Foht eine Rolle gespielt hat.

Ab 1.9.2022 wird sie in der Hauptredaktion Information und Innovation der Programmdirektion Leipzig tätig.

Hoge-Lorenz hatte die Aufgabe als Landesfunkhaus-Direktorin erst zum 1.1.2021 übernommen (vgl. FLURFUNK vom 6.7.2020: "MDR-Rundfunkrat: Ines Hoge-Lorenz neue Direktorin Sachsen-Anhalt; Ludwig und Lochthofen bestätigt").

In einer Pressemitteilung erklärt sie ihren Rückzug vom Direktoren-Amt wie folgt:

"Ich habe es vor meinem Amtsantritt als Landesfunkhausdirektorin Sachsen-Anhalt versäumt, klar darüber zu informieren, dass mein Ehemann vor über zehn Jahren in der Causa Foht eine Rolle gespielt hat. Dazu gab es vor vielen Jahren bereits eine Entscheidung des Gerichtes. Obwohl ich davon ausgegangen bin, dass mit der Entscheidung des Gerichtes die Sache für meinen Mann erledigt ist, hätte ich dies dennoch selbst gegenüber der Intendantin und den Gremien transparent machen müssen. Ich möchte nicht, dass dadurch meine Integrität in Frage gestellt wird und dem MDR Schaden entstehen könnte. Deshalb habe ich mich entschieden, die Intendantin zu bitten, mich von meiner Direktorenfunktion zu entbinden."

Hoge-Lorenz betont, dass sie seit 30 Jahren für den MDR arbeitet und diese Leistung nicht in Zweifel ziehen lassen möchte.

Der Fall des MDR-Unterhaltungschefs Udo Foht hatte den MDR 2011 massiv erschüttert (vgl. FLURFUNK vom 27.7.2011: "MDR Unterhaltungschef Udo Foht suspendiert" und vom 20.1.2012: "MDR: Vergleich besiegelt Trennung von Ex-Unterhaltungschef Udo Foht").

In der Sache stehen aktuell neue Prozesse an, wie BILD kürzlich berichtet hatte: Foht muss sich ab 1.9.2022 wegen der Geschichte verantworten (vgl. BILD.de vom 26.8.2022: "Heinos SCHEICHteure Freundschaft").

Wille schreibt zu dem Vorgang:

"Ich selbst schätze Ines Hoge-Lorenz seit vielen Jahren als engagierte journalistische Führungspersönlichkeit. Mit großem Respekt und Bedauern nehme ich ihre Entscheidung zur Kenntnis. Sie hat die digitale Entwicklung im MDR maßgeblich mit vorangebracht und großen Anteil an der Neu- und Weiterentwicklung verschiedener Formate."

Bis auf Weiteres wird Sandro Viroli, Landesfunkhausdirektor in Sachsen, die Aufgaben von Hoge-Lorenz kommissarisch übernehmen. Die Leitungsposition im Landesfunkhaus soll umgehend ausgeschrieben werden.

Update 27.8.2022, 10:13 Uhr:

BILD berichtet mehr über die Hintergründe: Demnach gab es 2011 im Rahmen der Causa Foht auch Ermittlungen gegen den Ehemann von Hoge-Lorenz - und auch eine Hausdurchsuchung, bei der Ines Hoge-Lorenz anwesend war.

Konkret ging es um den Verdacht der Bestechung: Der TV-Produzent habe, so der Verdacht, nach Aufforderung durch Foht eine Zahlung an eine Eventagentur geleistet und im Gegenzug einen lukrativen Produktionsauftrag erhalten.

Und BILD berichtet weiter:

"In einer handschriftlichen Notiz widersprachen Ines Hoge-Lorenz und ihr Ehemann der Durchsuchung. Bei den durchsuchten Daten und Unterlagen beträfen den 'Kernbereich journalistischer Tätigkeit', insbesondere 'Recherchen zu Fehlverhalten von Polizisten auch in Sachsen.'"

Hoge-Lorenz war zu diesem Zeitpunkt laut BILD-Bericht: "MDR-Planungsedakteurin".

Hier ist der ausführliche Bericht der BILD vom 26.8.2022 zu lesen: "Darum trat Sachsen-Anhalts MDR-Chefin zurück".

Bildrechte: MDR/Steffen Junghans

2 Kommentare
  • Chris
    August 26, 2022

    Na klar. Sie hat es vergessen. Uppss, sorry. Ernsthaft? In einer Zeit, als Foth DAS Thema auf den Fluren und in der Boulevardpresse war, soll sie es vergessen haben? Das Lügen wird nie Enden. Und auch jetzt wird ihr intern sofort ein gut dotierter Posten in der MDR Zentrale „angeboten“. Wahrscheinlich wurde diese Stelle für sie sogar kreiert. Ja die Kaste der Oberen hält zusammen. Immer. Man versorgt sich gegenseitig mit gut bezahlten Jobs und redet den arbeitenden Redakteuren ein, dass 200 Eueo Brutto am Tag fürstliche Honorare wären. Der ÖR schafft sich selbst ab. Mittlerweile denke ich: zu Recht!

  • Klaus Müller
    August 27, 2022

    Eine Komödie. Wille sollte zurücktreten. Sie kennt alle Beteiligten und hat den Fall Foht selbst losgetreten. Das Hoge-Lorenz Mann vermutlich beteiligt war stand damals auch in der LVZ. Wille wird die Unterlagen alle kennen und hat dann doch Hoge-Lorenz zur Direktorin vorgeschlagen. Und nun eine Ehepartnerhaftung?

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