Megasilvester in Dresden: Wie steht es eigentlich um die Party-Presse in Dresden?

Von 10 , , , ,

In den vergangenen Tagen gab es bei Facebook und in einzelnen Blogs wilde Diskussion um die Megasilvesterparty in Dresden: Heute, drei Tage nach den ersten Hinweisen im Netz, steht in der "Sächsischen Zeitung", dass bei dem vom Veranstalter benannten Anwalt über 400 Beschwerden eingegangen sind. Ein deutliches Zeichen, dass die Partyorganisation wohl, mhm, sagen wir: Schwächen hatte.

In den einzelnen Kommentaren bei Facebook & Co. gibt es Schätzungen von um die 4.000 bis 5.000 Besuchern an dem Abend - man könnte also schon durchaus zu dem Schluss kommen, dass es sich um einen Skandal handelt (ich enthalte mich bewusst der Wertung, ich war nicht dabei).

Aber wie geht eigentlich die Dresdner Lokalpresse mit dem Event und den Mobilisierungsversuchen einiger Partyenttäuschter im Internet um?

Die Berichterstattung in der "SZ" zeigt schon, dass man sich in der Redaktion offenbar im Segment Party in Dresden nur begrenzt auskennt. Heute ("400 Beschwerden nach Party-Ärger in der Zeitenströmung") entschuldigt man sich etwa, gestern die Location nicht richtig eingeordnet zu haben:

"Die SZ hat gestern irrtümlich die Zeitenströmung mit der „Straße E“ in Verbindung gebracht. Den Fehler bitten wir zu entschuldigen."

Auch wenn die "SZ" schon am Vortag ("Mega-Ärger nach Mega-Silvesterparty") sowie am Montag ("Gerangel bei der Rückgabe der Silvestergarderobe") berichtet hat, enttäuscht die Recherche (bzw. die Präsentation der Rechercheergebnisse) insgesamt: Es sind wenige Klicks im Netz, um festzustellen, dass es mehr als einen Veranstalter gab, die durchaus einen Namen und (keinen schlechten) Ruf in der Stadt haben. Die hätte man ebenfalls problemlos abtelefonieren und um Stellungnahmen und (zur Not: hintergründige) Einschätzungen bitten können. Denn der eine (vor dem Gesetz) Verantwortliche will sich gegenüber der Zeitung nicht äußern (offensichtlich haben die Veranstalter keine Erfahrung mit Krisenkommunikation).

Und: Warum fragen die "SZ"-Kollegen eigentlich nicht mal den eigenen Partyfotografen, der für "PluSZ" auf der Party unterwegs war, wie die Party wirklich war (und vor allem: Wer alles zu den Veranstaltern gehörte)?

Die Geschichte wäre eine gute Gelegenheit, mal die Qualität der lokalen Party-Presse unter die Lupe zu nehmen (wenn man das Wort "Presse" in dem Bereich überhaupt verwenden will). Ist eigentlich bekannt, welches Partymagazin welchem Veranstalter zuzuordnen ist? Wenn ich es richtig weiß, ist der eine oder andere Dresdner Veranstalter auch finanziell an bestimmten Magazinen beteiligt.

Spannende Frage auch: Wie gehen eigentlich die partylastigeren Stadtmagazine wie "PRINZ" (im Blog steht bisher nichts), "FRIZZ", "BLITZ" oder "Port01" mit so einem "Skandal" um? Immerhin verkaufen einige davon auch ihre Titelseiten als Werbeflächen (u.a. auch an Partyveranstalter) und haben die Werbetrommel für die Veranstaltung ordentlich mitgerührt. Wird man es wagen, das Wort gegenüber dem eigenen Anzeigenkunden zu erheben? Oder gibt es nur die klassische Bildergalerie, die zeigen soll, wie toll das Event war?

Und was schreibt eigentlich die "BILD", die von den Tageszeitungen mit ihrer Partyseite wohl am besten über die Szene Bescheid weiß? Wie geht man dort mit der (unterstellten) "Abzocke" von 5.000 Leuten um (die Frage ist ernst gemeint, ich weiß es gerade wirklich nicht) - der Partyredakteur ist immerhin selbst Clubbetreiber und Partyveranstalter.

Leider fehlt mir gerade die Zeit für eine vernünftige Recherche. Fair und sauber wäre schon, bei den einzelnen Redaktionen anzufragen, um die Eigentümerverhältnisse zu klären bzw. die Planungen (gerade bei den Monatsmagazinen) abzufragen. Ich enthalte mich auch bewusst einer Einschätzung des eigentlichen Events - ich war nicht dabei und kann nicht bewerten, ob es nur einige Engpasse an der Theke und ein schlecht aufgestelltes Garderoben-Team (das sind übrigens meist externe Dienstleister, die vom Veranstalter beauftragt werden) gab.

Mich interessiert tatsächlich die "Qualität" der Party-Presse: Gibt es eine kritische Auseinandersetzung mit dem kritisierten Event? Oder haben wir nur "Hurra"-Medien, die das Wort "Presse" eigentlich nicht verdienen?

Einiges Wissen ist hier in der Flurfunk-Redaktion vorhanden. Die Frage ist ernst gemeint: Hat jemand Lust und Zeit, die Geschichte für Flurfunk Dresden aufzuschreiben?

10 Kommentare
  • stefan
    Januar 5, 2011

    wie man so schön sagt: beiße nicht die hand die dich füttert.
    und noch einer: der krug geht so lange zum brunnen bis er bricht.

  • Nicole
    Januar 5, 2011

    Also ich würde mich an das Thema wagen, hätte aber gerne noch Unterstützung - würde das sonst zeitlich nicht schaffen. Vor allem ist interessant, wie gut bzw. wie schlecht redaktionelle Qualität und Wirtschaftlichkeit miteinander funktionieren

  • Martin
    Januar 5, 2011

    Auch die SAX verkauft meines Wissens Titelblätter, auch an Partyveranstalter - und wird zumindest von rechtselbischen Partyhasen gern gelesen.

  • Muyserin
    Januar 5, 2011

    Spannender Anstoß, gute Frage(n)stellung. Bin gespannt, was daraus wird.

  • k.k.
    Januar 5, 2011

    Krisenkommunikation kennt da niemand und auch die Macht von Social Media in solch einem Falle wurde und wird oftmals falsch eingeschätzt. Eine sofortige Reaktion inkl. Stellungnahme ist zwar bitter, aber eben auch üblich. Eine Partypresse in diesem Sinne gibt es in Dresden nicht, es soll ja Geld verdient werden, siehe der post von Stefan!

  • owy
    Januar 7, 2011

    Nur mal so am Rande: Während die "SZ" nach wie vor keinen O-Ton vom Veranstalter hat, sondern nur mit dem Anwalt kommuniziert, hat die "BILD" gestern schon ein längeres Interview mit jemanden vom verantwortlichen Veranstalter geführt. Sauber!
    Hier das Interview:
    http://www.bild.de/BILD/regional/dresden/aktuell/2011/01/06/nach-chaos-bei-silvesterparty-in-zeitenstroemung/veranstalter-entschuldigt-sich.html

  • Tanja
    Januar 8, 2011

    Ganz nebenbei, einen Mitspieler habt ihr in eurer Aufzählung vernachlässigt...
    DNN-Online hatte von Sonntag bis Dienstag recht umfangreich berichtet. Veranstalter, Partygast, Anwalt, Polizei... http://bit.ly/gSxOGA

    Dass es Bild aber geschafft hat, am Donnerstag einen der Veranstalter zum Interview zu bekommen, nötigt Respekt ab. Normalerweise äußern die sich ja nicht mehr, sobald sie den Anwalt eingeschaltet haben!

  • Marko Beger
    Januar 8, 2011

    Information zu folgender Aussage:

    "... Wie gehen eigentlich die partylastigeren Stadtmagazine wie “PRINZ” (im Blog steht bisher nichts), “FRIZZ”, “BLITZ” oder “Port01″ mit so einem “Skandal” um? Immerhin verkaufen einige davon auch ihre Titelseiten als Werbeflächen (u.a. auch an Partyveranstalter) und haben die Werbetrommel für die Veranstaltung ordentlich mitgerührt. Wird man es wagen, das Wort gegenüber dem eigenen Anzeigenkunden zu erheben? ..."

    Ich äußere mich gern im Namen von PRINZ zu oben stehender Aussage und zur Gesamtsituation rund um das Thema "Mega-Silvesterparty".

    1. PRINZ ist keineswegs Party lastig, 4 Seiten von im Schnitt 120 drehen sich um Nachtleben und dort stattfindende Events. Wir empfehlen unseren Lesern in einer gesunden Mischung die spannendsten Partys eines Monats.

    2. Im Blog widmen wir uns diesem Thema nicht, da keiner unserer Blogger persönlich dabei war und dies für uns Grundlage sein muesste, um wirklich interessantes und nicht schon längst bekanntes zu veröffentlichen.

    3. Möchte ich anmerken, dass PRINZ zu den Magazinen gehört, die ihre Titelseiten nicht verkaufen - und zudem machen Anzeigen aus Partybereichen max. 5% des monatlichen PRINZ Umsatzes aus, mal als spannende Hintergrundinfo an dieser Stelle.

    4. Finde ich es richtig und wichtig, dass solche Themen in der Berichterstattung der Tagespresse aufgegriffen werden - nur tagtäglich über die neueste vermisste Jacke zu berichten, halte ich für übertrieben. Leider wird es wohl auch der tollen Location Zeitenströmung an sich eher nicht gut tun, die damit nichts zu tun hat - was leider nirgends gesagt wird.

    5. PRINZ gehört definitv nicht zur Hurra Party Presse (Dies wurde hier bei flurfunk nicht formuliert, möchte ich aber einfach kurz anmerken!)- schon oft wurde auf unseren Nachtleben Seiten auch Veranstaltungen nur mit einem "Okay" gekennzeichnet, und entsprechend in Kolumnen auf die ein oder anderen Missständen im Eventbereich eingegangen.

    Soweit der Beitrag der PRINZen zu diesem "Top-Thema" der 1. KW 2011 ... :)

    Marko Beger
    stellv. Verlagsleiter PRINZ Dresden+Leipzig

    ps: Gern nehmen wir uns aber der Idee an, solche Themen auch in unserem Blog einmal anders zu betrachten in Zukunft - natürlich immer auf der Grundlage, dass der Schreibende aktiv Teilnehmer eines solchen Events o.ä. war.

  • Robert
    Januar 10, 2011

    "..., hat die “BILD” gestern schon ein längeres Interview mit jemanden vom verantwortlichen Veranstalter geführt. Sauber!..."

    An dieser Stelle der Hinweis, dass BILD-Partychef Sebastian Günther, auch bekannt als Agent Twist, Uwe Michel, ehemals Port01-Chef von DD, interviewt hat. Da Seb. G. selber für Port01 als Kolumnist tätig ist und zu Uwe Michel auch persönlich einen sehr guten Draht hat erklärt sich auch die Einfachheit des Zustandekommens dieses Interviews als auch der insgesamt eher weichgespülte Interviewtext.

    Soviel zu diesem "Lob" an die BILD....

  • owy
    Januar 10, 2011

    @Marko: Danke für die ausführliche Stellungnahme und die Innen-Perspektive!

    @Robert: Danke für den Hinweis. Ich hatte es an anderer Stelle schon mal kommentiert: Die "BILD"-Kollegen haben auch nicht weiter erwähnt, dass sie selbst Medienpartner der Veranstaltung waren.

    Gerade solche persönlichen Verpflechtungen wären es in meinen Augen wirklich wert, mal genauer dokumentiert zu werden!

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