Medien-Nennung: Merkwürdigkeiten der Lokalberichterstattung

Von 6 , ,

Heute ist bei SZ-Online (und demnach wohl auch in der gedruckten "Sächsischen Zeitung") ein Bericht erschienen, der mich stutzen lässt. Da heißt es:

Ausriss aus SZ-Online vom 12.5.2011

Und weiter unten im Text:

Ausriss aus SZ-Online vom 12.5.2011

Ich gehöre ja nun (bekanntlich?) nicht zu täglichen Lesern der lokalen Boulevard-Presse. Trotzdem kann ich mir an zwei Fingern abzählen, wen die Kollegen von der "SZ" meinen, wenn sie von einer "Dresdner Zeitung" schreiben, die "wiederholt" und "scharf" berichtet hatte. Oder täusche ich mich da?

Was ist aber dann der Grund dafür, dass zwar das eine Medium, dass die Geschichte ausgegraben hat (Radio Dresden), namentlich erwähnt wird - das andere, dem eine gewisse Mitschuld zugeschoben wird, aber nicht? Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus? Keine Werbung für den gedruckten Wettbewerber?

Ganz unabhängig davon stelle ich mir auch die (rhetorische) Frage, wie sich wohl die Kollegen von der besagten Zeitung heute fühlen: als Helden? Als gute Journalisten? Als Richter?

Der Bericht in der "Sächsischen Zeitung" trägt den Titel: "Kinderschänder wollte sich das Leben nehmen".

6 Kommentare
  • Alex
    Mai 12, 2011

    Dass man direkte Konkurrenzmedien nicht namentlich nennt kenne ich als Routine aus deutschen Newsrooms. Hier also: Andere Tageszeitungen. Solange die Medien aber eben keine direkten Konkurrenten sind (Radio), ist eine Nennung okay.

    Bei meinem ehemaligen Medienjournalismus-Arbeitgeber wurden/werden zum Beispiel andere regelmäßig erscheinende Medienjournalismus-Zeitschriften immer nur als "nach Medienberichten" verklausuliert, ein nennen von Tageszeitungen, Radiosendern und Co war aber immer in Ordnung.

  • Christian Fischer
    Mai 12, 2011

    Die Kollegen der besagten Zeitung fühlen sich heute wie gestern und wie sie sich auch morgen sicher fühlen werden: Als kritische Berichterstatter.

    Denn es ging bei dem Fall um die Frage, ob ein sogenannter schwerer Fall von Kindesmissbrauch (der somit mind. 2 Jahre und damit Haftstrafe bedeutet) durch einen Deal zwischen Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern zum minderschweren Fall reduziert darf und so der Täter auf 22 Monate Bewährung frei kommt. Alles, um angeblich das Opfer zu schützen. Dabei war jedem Prozessbeobachter klar, dass der Täter danach wieder in desen Nachbarwohnung ziehen wird... Aber nur die "besagte Zeitung" hat die Frage gestellt: Frau Staatsanwältin, schämen Sie sich nicht? Auch sich bewusst, dass dieser kritische Umgang mit der Justiz die Arbeit der eigenen Gerichtsreporter nicht vereinfacht.

    Warum die SZ die "besagte Zeitung" nicht in ihrem Beitrag nennt? Frag sie doch einmal, lieber Peter!

  • Christian Fischer
    Mai 12, 2011

    PS: Du kannst ja in Deinen eigenen Tags die "besagte Zeitung" nennen

    PPS: @Alex: Die Praxis ist dumm! Wir zitieren gerne, denn es zeigt unseren Lesern, dass wir für sie überall die Augen auf haben. Nach dem Motto: Wenn einmal woanders was interessantes drin steht, sagen wir es Dir und Du liest es dann auch bei uns ;)

  • owy
    Mai 12, 2011

    @Christian: Ich habe es mir leicht gemacht und die Frage öffentlich gestellt - wenn man im Hause SZ geneigt ist zu antworten, kann man das ja hier in den Kommentaren tun.

    De facto halte ich die Regelung, wie Alex sie schildert und wie sie wohl auch bei der SZ zutreffend sein wird, auch für Quatsch und nicht mehr zeitgemäß.

  • Karen Dembowski
    Mai 12, 2011

    Ich frage mich was dieser Artikel überhaupt aussagt. Warum der Mann sich das Leben nehmen wollte ist dem Redakteur offensichtlich nicht bekannt. Wenn man sich schon in der Überschrift die Frage stellt ob es die Reaktion auf Presseberichte war, dann liefert zumindest der Artikel keine Anhaltspunkte. Er könnte es ebenso gut wegen der Kündigung des Mietverhältnisses getan haben. Oder haben die doch erst hinterher gekündigt ?! Aus dem Gerichtssaal - wie oben angekündigt - ist das wohl auch keine Meldung. Über welchen Vorfall ist eigentlich der Anwalt betroffen? Über die Berichte der besagten Zeitung? Oder doch den Selbstmordversuch?
    Die Besagte Zeitung wird hier nicht zitiert sondern durch die Überschrift zum „möglichen Schuldigen“. Da wird man wohl dem eigenen Leitbild folgen, Verdächtige nicht beim Namen zu nennen.
    Was die Gefühle der Kollegen angeht frag sie doch mal... die beißen nicht ;-)

  • Anton Launer
    Mai 13, 2011

    Das Neustadt-Geflüster ist neulich auch mit "nach Medienberichten" zitiert worden ... kann ich mir da jetzt was drauf einbilden?

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