Zickenkrieg: Die Interessen der Zeitungen bei den „Filmnächten am Elbufer“

Foto von der ersten "Mopo"-Geschichte vom 11.4.2012.

Diese Tage ist in den lokalen Zeitungen einiges zu den "Filmnächten am Elbufer" zu lesen. Man kann wohl ohne Weiteres sagen: Die Berichterstattung der Zeitungen hat dazu geführt, dass das Thema heute (3.5.2012) im Stadtrat behandelt wird.

Dem aufmerksamen Zeitungsleser dürfte nicht entgangen sein, dass die einzelnen Lokalzeitungen sehr unterschiedlich berichtet haben - sowohl was den Umfang als auch die Tonalität betrifft. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, von denen dem unbedarften Leser nicht alle bekannt sein dürften - und die in der Branche wie auch der Lokalpolitik zu einigen Spekulationen führen.

Die ganze Geschichte ist eine gute Gelegenheit, einmal das Thema Medienpartnerschaft anzugehen. Denn im vorliegenden Falle spielt diese weit verbreitete Form der Beziehung zwischen Medien und Veranstaltern eine wohl nicht ganz unbedeutende Rolle. Man könnte sagen, es hat etwas von einer Vorabend-Soap.

Aber, bevor Missverständnisse zu unseren Beobachtungen aufkommen: Wir stellen die redaktionelle Entscheidung der einzelnen Medien damit nicht in Frage. In der Stadt kursieren derzeit diverse Theorien Spekulationen für die Beweggründe einzelner Medien, die wir im folgenden abbilden, uns aber damit keinesfalls zu eigen machen wollen.

Die Ausgangslage 

Das Thema "Filmnächte am Elbufer - wie geht es weiter?" ist seit der Titelgeschichte der "Morgenpost Dresden" vom 11.4.2012 in der Welt. Die "Mopo" machte an diesem Tag mit der Titelschlagzeile auf: "Dresdner Filmnächten droht das Aus!" Im Blatt hieß die Geschichte dann: "Heißer Poker um die 'Filmnächte'".

Hintergrund sind die schon länger laufenden Vertragsverhandlungen des Veranstalters Pan GmbH mit der Stadtverwaltung. Der "Mopo" lag offenbar eine Vorlage für den Finanzausschuss vor, nach der die vorzeitige Vertragsverlängerung mit der Pan GmbH um weitere 10 Jahre beabsichtigt sei - sonst könne die Pan GmbH die Dachkonstruktion auf der Tribüne nicht erneuern. Aus der Vorlage ging wohl die Argumentation hervor: Sollte der Vertrag nicht zustande kommen, drohe den Filmnächten das Aus.

Die erste "Mopo"-Geschichte sorgte beim Leser zunächst für Irritation: Prangte auf der Titelseite noch das drohende Aus für die Veranstaltung, ging aus der Geschichte ziemlich deutlich hervor, dass sich Pan GmbH und Stadtverwaltung bereits geeinigt hatten - der Finanzausschuss musste nur noch zustimmen.

Im Rückblick könnte man allerdings auch sagen: Die "Morgenpost Dresden" ist ihrer Funktion als Lokalzeitung voll und ganz gerecht geworden. Sie hat einen Missstand benannt und diesen öffentlich gemacht, nämlich die einseitige Vergabe der Fläche unten an der Elbe durch die Stadtverwaltung. Schon kreist das Wort "Monopol" für Pan GmbH über der Stadt - der Veranstalter habe allein alle 60 möglichen bespielbaren Tage im Jahr (an anderen Tagen sind keine Veranstaltungen erlaubt) den Veranstaltungsort unter seinen Fittichen. Das sei ja nun nicht besonders gerecht...

Die Interessen der einzelnen Medien - Zickenkrieg der Boulevard-Blätter

I. "BILD Dresden"

Was in keiner Zeitung steht: Die Premium-Medienpartnerschaft mit den Filmnächten hat einen Gegenwert von 300.000 Euro. Zumindest nach der Definition des Filmnächte-Veranstalters Pan GmbH, wie im "Werbemodulkatalog" zur Veranstaltung (hier als PDF) nachzulesen ist. Wobei man wissen muss: Solche Medienpartnerschaften sind fast immer Kompensationsgeschäfte - also Werbefläche gegen Werbefläche. Geld fließt bei solchen Geschichten so gut wie nie.

Aktueller Premium-Medienpartner der Filmnächte ist "BILD Dresden" - und zwar erst seit dem Jahr 2011. Darauf hat die Zeitung auch schon mal in ihrer Berichterstattung hingewiesen, nämlich als das Blatt die erste Geschichte der "Morgenpost Dresden" ("Dresdner Filmnächten droht das Aus!", s. oben) am folgenden Tag mit eigener Berichterstattung konterte. In der Berichterstattung heute (3.5.2012, Titel: "Klaut der Stadtrat ihnen heute die Filmnächte?") fehlt der Hinweis aber.

So ist das halt: In einer guten Beziehung hält man zusammen. Im "Morgenpost"-Berichtigungs-Bericht der "BILD" (erschienen am 12.4.2012, Titel: "Die Wahrheit über die Filmnächte") kam Filmnächte-Chef Johannes Vittinghoff zu Wort - wohlgemerkt: Die "Mopo" hatte für die Berichterstattung am Vortag keinen O-Ton vom Veranstalter bekommen. Vittinghoff sagte in "BILD":

"'Von einem Aus kann keine Rede sein. Im Gegenteil. Die Stadt bat nur darum, die Überdachung im Filmgarten 2013 neu zu bauen. Bevor wir allerdings dafür viel Geld investieren, wollten wir gern den Vertrag mit der Stadt verlängern, der 2015 ausgelaufen wäre. Diese Verlängerung wurde nun bis 2025 ausgehandelt', so Vittinghoff."

In der Folge dann hielt sich das Springer-Boulevard-Blatt auffällig zurück - allerdings wird heute nochmal ausführlich und klar im Sinne des bisherigen Veranstalters berichtet.

II. "Morgenpost Dresden"

Dafür drehte die "Morgenpost" das Thema in der Folge immer weiter und legte häufiger nach - fast hatte man das Gefühl, die "BILD"-Geschichte habe die Herrschaften in der Ostra-Allee erst richtig angestachelt. Mancher meint, es sei dann ein wenig viel geworden - es hätte schon Züge einer Kampagne angenommen mit dem Tenor: "Die Filmnächte sind im Grunde pleite" (sinngemäß). Aber auch das ist Interpretationssache.

Schließlich präsentierte die Zeitung einen weiteren Interessenten für das Veranstaltungsareal: Eine Bietergemeinschaft, angeführt von Lokal-Promi Wolle Förster. Mit im Boot - und jetzt wird es spannend: das Dresdner Druck- und Verlagshaus DD+V, das "Mopo" und "Sächsische Zeitung" herausgibt.

Was ebenfalls bislang in keiner Zeitung nachzulesen war: Bis 2009 zählte die "Sächsische Zeitung" (also die Schwesterzeitung der "Mopo") zu den Medienpartnern der Filmnächte. Das Auseinandergehen der langjährigen Partner DD+V und Pan GmbH soll nicht wirklich freundlich gewesen sein, wird in der Stadt erzählt - das facht die Gerüchteküche erst so richtig an.

Bei den Verschwörungstheoretikern (wir nenne sie mal so, um deutlich zu machen: Wir teilen diese Spekulationen nicht) wird dann noch nachgelegt: Das DD+V habe in den vergangenen Jahren kontinuierlich weitere Geschäftsfelder neben den Zeitungen erschlossen, darunter das Messe-Geschäft und mit der hauseigenen Agentur Neuwerk (jüngst erst mit der Übernahme der Agentur Oberüber & Karger weiter ausgebaut) den Veranstaltungsbereich. Das gleichzeitig die Zeitungsauflagen - und entsprechend der Umsatz der Blätter - rückläufig sind, gibt dem Gerücht die letzte Würze.

Und zack, fertig ist die Verschwörungstheorie vom "bösen Zeitungshaus", das die Berichterstattung für die eigenen Interessen instrumentalisiert. Wer es ganz abgedreht mag, bringt noch eine Prise Politik mit rein: Immerhin ist die SPD-Mediengesellschaft dd_vg mit 40% am DD+V beteiligt - und die SPD-Stadtratsfraktion hat sich auch schon klar für eine Ausschreibung ausgesprochen. Die begleitende PR-Agentur der Filmnächte aber heißt Zastrow & Zastrow - genau wie der sächsische FDP-Chef... Das, soweit legen wir uns vom Flurfunk gern fest, ist aus unserer Sicht aber wirklich absoluter Unsinn (zumindest, was das Verhalten des Verlages betrifft).

III. "Sächsische Zeitung"

Gegen die These vom "bösen Verlagshaus mit eigenen Interessen" spricht aus unserer Sicht auch deutlich das Verhalten der "Sächsischen Zeitung". Die geht im Grunde sehr korrekt mit dem Interessenskonflikt um. Die Berichterstattung wirkt neutral und ausgewogen - heute geht der Tageskommentar auch sehr differenziert (und offenkundig unabhängig von den Verlagsinteressen) mit dem Thema um. Titel des Stücks: "Wer kann Kino?", leider nur hinter der Bezahlschranke zu lesen. Zitat:

"Umso spannender bleibt das Warten auf ein wirkliches Konzept der Mitbewerber. Dies allein darf und wird entscheidend sein, vorausgesetzt, es kommt tatsächlich zur Ausschreibung. Fest steht jedoch jetzt schon: Bei den Filmnächten kann man manches anders machen, aber nur weniges besser – und enorm viel falsch."

Und schließlich wird in jedem Artikel von Anfang an darauf hingewiesen, dass das DD+V zu den neuen Interessenten gehört.

An dem unabhängigen Eindruck ändert auch die ziemlich missglückte Online-Abstimmung nichts: Am 25.4.2012 hatte die Online-Redaktion die Leser aufgerufen abzustimmen, wer in Zukunft die Filmnächte organisieren solle. Der Eintrag auf der Facebook-Fanpage der Filmnächte am Elbufer zum Thema sagt eigentlich alles. Da war dann zu lesen:

"Liebe Fans, danke für die große Unterstützung gestern. Nun geht die SZ in die Online-Offensive und lässt darüber abstimmen, ob ein neuer Betreiber UNSERE Filmnächte machen soll. Interessant dabei ist doch, dass die SZ bereits jetzt mit dem neuen Bieter zusammenarbeitet."

So kann man es dann natürlich auch interpretieren. Da sind wir wieder beim Thema Online-Abstimmung - da haben ja schon andere schlechte Erfahrungen gemacht. Geschickt war das nicht; nach drei Tagen hat man bei SZ-Online dann auch den Deckel drauf gemacht.

Ergebnis der SZ-Online-Befragung (hier nachzulesen):

"Unsere am Mittwoch, 25. April 2012, gestartete Umfrage "Sollen die Filmnächte einen neuen Betreiber bekommen?" wurde am Freitag, 27. April 2012, beendet. Nachdem in den ersten Stunden der Umfrage eine recht deutliche Ablehnung zu erkennen war - etwa 80 Prozent der Votenden hatten sich gegen Veränderungen beim Betreiber ausgesprochen - pegelte sich die Abstimmung später nahezu auf Augenhöhe ein. Nachdem 1.221 Nutzer von SZ-online ihre Stimmen abgegeben hatten, waren 49,1 Prozent für einen Betreiberwechsel und 50,9 Prozent dagegen. (szo)"

Am Ende müssen jetzt die Stadträte entscheiden. In jedem Fall bleibt festzuhalten: Medienpartnerschaften sind eine heikle Sache, vor allem, wenn es brenzlig wird.

Und: Es hilft immer, mehrere Zeitungen zu lesen.

5 Kommentare
  • Sebastian
    Mai 3, 2012

    Bleibt nur die Frage: Wieso eigentlich ein Printmedium als Premiumpartner?
    Wäre ein Radiosender nicht wesentlich passender (Live-Shows)? Oder gibt es einen Print- UND einen Radiopartner?

    Zur Sache selbst kann ich nur sagen, dass das Format meinem Gefühl (!) nach - trotz Hochwasserhilfe - weit mehr für Dresden getan hat als umgekehrt! Daher wäre eine Ausschreibung wegen 20.000 EUR mehr im Jahr doch sehr seltsam.

    Der Stadt sollte es doch vor allem darum gehen, dass die Inhalte dazu geeignet sind, ein positives Image auszustrahlen. Je teurer ein Event, desto weniger Nischenangebote kannst Du bringen. Wie war das mit der Jahreskampagne und Kunst und Wissenschaft...? Die Stadt sollte daher lieber überlegen, ob sie nicht sogar ganz auf Gebühren verzichtet bzw. diese Einnahmen direkt über eine jährlich wechselnd besetzte Jury in ausgewählte Programmpunkte zu stecken, die geeignet sind, eine internationale PR Wirkung zu erzielen!!

  • peter
    Mai 3, 2012

    Fehlt eine Betrachtung der so genannten Berichterstattung der DNN bewusst. Die haben ja eigentlich als einziges Blatt keinen Hintergrund.

  • Stefan Zinkler, Pressesprecher CDU-Fraktion Stadtrat
    Mai 3, 2012

    Der Stadtrat hat am 03.03.12 dem "Zickenkrieg" mit seiner Entscheidung für die Verlängerung des Vertrages mit der PAN GmbH mit den Stimmen von CDU, FDP und Teilen der Bürgerfraktion ein schnelles Ende bereitet.

  • owy
    Mai 3, 2012

    @peter Ja, die fehlt bewusst. Zur "DNN" gibt es in dem Kontext im Grunde nichts zu sagen: Die Zeitung war in den ersten Jahren wohl mal als Medienpartner dabei, hat aber in der laufenden Geschichte "keine Aktien", um es mal so auszudrücken.

    Es gibt übrigens auch noch weitere kleinere Medienpartner für die Veranstaltung, die wollte ich auch nicht alle auflisten.

  • stefan
    Juli 11, 2012

    Übrigens ist ja Radio PSR dieses Jahr an Bord - machen die denn da nun was draus oder ist das lediglich ein Hin- und Hergeschiebe von Aufmerksamkeit? (Ohne hier nun selbst investigativ tätig zu werden)

    Aber am Ende ist ja nochmal "alles gutgegangen" - und die Filmnächte-Erfinder und -Monopolisten dürfen bis 2025 ungestört ihr bewährtes Süppchen kochen.

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