Datenjournalismus: Investigativ-Redaktion erstellt Bildungsstudie, MDR bringt Themenwoche

Jeder zweite Absolvent verlässt das Sendegebiet - das ergeben Untersuchungen der MDR-Investigativ-Redaktion, die ab kommenden Montag (8.7.2013) bei MDR-Fernsehen, -Radio und -Internet thematisiert werden. Titel des Datenjournalismus-Projektes: „Bildung macht Innovation“.

In der offiziellen Pressemitteilung (Titel: "Akademikerschmiede Mitteldeutschland?") heißt es zu dem Projekt:

"Wer innovative Wirtschaftszweige ansiedeln möchte, braucht qualifizierte Kader. Wie es darum in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen steht, zeigt der MDR in seiner umfangreichen Studie zur Bildung in den Jahren 2000 - 2011 auf, die für Mitteldeutschland erstmals in dieser Komplexität verschiedenste Aspekte analysiert."

Das Projekt ist gleichzeitig auch ein Experiment, um für den Sender neue Wege in der Recherche zu erschliessen, ist aus dem Sender zu hören. Gesteuert wurde das Projekt von Investigativ-Redaktion des Mitteldeutschen Rundfunks, als externer Partner war die Berliner Firma Open Data City dabei.

"Wir haben uns in der Redaktion im August 2012 die Frage gestellt, wie man Innovationsfähigkeit einer Region, in unserem Fall des Sendegebiets des MDR, messen könnte", verrät der Leiter der MDR-Investigativ-Redaktion Georg Schmolz auf Nachfrage von Flurfunk Dresden. "Wir sprachen mit vielen Experten und Professoren, die uns alle sagten, dass 'Innovationsfähigkeit' an sich nicht zufriedenstellend messbar sei. Darum suchten wir uns einen anderen Ansatz." Das Thema "Bildung" war dabei schnell als zentraler Ansatzpunkt gefunden.

Screenshot der interaktiven Grafik des MDR.de

Screenshot der interaktiven Grafik des MDR.de

Schmolz meint, dass "Bildung bzw. der Verbleib kluger Köpfe im Sendegebiet ein wichtiger Bestandteil für dessen Innovationsfähigkeit" sei. Also hat man die unterschiedlichsten Bildungs-Aspekte von 2000 bis 2011 miteinander verglichen und evaluiert. Dabei kommen wohl auch Ergebnisse heraus, die über das MDR-Sendegebiet weit hinausgehen, u.a. weil Vergleiche zur bundesweiten Entwicklung gezogen werden. Einzelne Aspekte zeigen dabei wohl auch Widersprüche in der aktuellen Bildungs- bzw Finanzpolitik auf.

Als Datenbasis haben sich während der Recherchearbeiten Abitur-, Studienanfänger- und Absolventenstatistiken als verlässlichste Aspekte herauskristallisiert. Aber auch innovationsspezifische Untersuchungen, wie die Erfassung der Teilnehmer- und Erfolgszahlen an Schülerwettbewerben wie "Jugend forscht", wurden untersucht (s. Grafik rechts!).

Mit besonderer Akribie erfasste die Redaktion die Situation der Studenten im Sendegebiet. "Neben den reinen Studenten- und Absolventenzahlen wurden auch die finanziellen Erst- und Drittmittel analysiert", erzählt Schmolz weiter. Als weiteren wichtigen Aspekt hat man die Kompetenzabwanderung aus dem Sendegebiet des MDR untersucht. Laut Schmolz gebe es keine offiziellen verlässlichen Studien, die darlegen, wie viele Absolventen wirklich in andere Bundesländer abwandern. "Wir haben uns deshalb entschieden, die öffentlichen Angaben in sozialen Businessnetzwerken zu analysieren." Das Fazit der MDR-Redakteure: jeder zweite Hochschulabsolvent in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verlässt Mitteldeutschland.

"Dieses Projekt ist das erste, das wir in diesem Umfang – über einen Zeitraum von zwölf Jahren – untersucht haben", verrät Schmolz stolz gegenüber Flurfunk Dresden. Für ihn ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk die einzige Institution, die in der Lage sei, solche Studien durchzuführen. Kein privates Unternehmen würde freiwillig das dafür nötige Geld in die Hand nehmen. Ebenso sei es Aufgabe von Rundfunkanstalten wie dem MDR, solche Themen objektiv und wissenschaftlich fundiert zu untersuchen.

"Wenn die Veröffentlichung dieser Studie dazu führt, dass sich die Bevölkerung, aber im speziellen auch andere Journalisten mit den Themen Bildung und Innovation auseinandersetzen, dann ist dies für uns ein voller Erfolg", antwortet Schmolz auf die Frage nach den Wirkungsabsichten der Studie. Mit den Daten könne man z.B. Aussagen von Politikern bezüglich der Bildungspolitik im gesamten Sendegebiet sehr genau überprüfen – vielleicht auch mit dem einen oder anderen überraschenden Ergebnis. Martin Kisza

In der offiziellen Mitteilung zum Projekt finden sich zentrale Programmhinweise, die wir hier 1:1 widergeben:

MDR.DE

Kernstück ist eine interaktive Grafik mit allen Ergebnissen auf MDR.DE. Erstmals liegen fundierte Daten zur Abwanderung gut ausgebildeter Akademiker aus Mitteldeutschland vor. Ersichtlich wird zum Beispiel auch, was Bildung den drei Ländern jeweils wert ist, wie viele Studenten es in Mitteldeutschland in den vergangenen Jahren gab, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt hat oder wie viele Schüler Jahr für Jahr in einem Landkreis das Abitur ablegen.

Außerdem sind im Internet alle Fernseh- und Radiobeiträge sowie Schwerpunktthemen verfügbar. Für ein datenjournalistisches Porträt der Bildungs- und Arbeitsverhältnisse in und um Mitteldeutschland, soll die umfangreiche Faktensammlung in Zukunft erweitert werden.

MDR HÖRFUNK

Am 08. Juli verfolgen MDR THÜRINGEN – Das Radio und das Nachrichtenradio MDR INFO die Frage, ob Thüringen die Bildungsausgaben richtig berechnet hat und inwieweit damit die Sparpläne auf sicheren Füßen stehen.

MDR INFO und die Popwelle MDR JUMP beleuchten am 09. Juli die Abwanderung mitteldeutscher Absolventen. Zudem heißt es bei MDR 1 RADIO SACHSEN in der Sendung „Dienstags direkt“ am 09. Juli, 20.04 bis 23.00 Uhr, „Null Bock auf Schule! - Ist es an der Zeit für eine Bildungsrevolution?“. Die Hörer können hier auch chatten, mailen, sich am Internetforum beteiligen oder anrufen.

Am 10. Juli stellen MDR INFO, MDR JUMP, MDR SACHSEN-ANHALT und MDR THÜRINGEN – Das Radio Fragen zur Abiturientenquote im Sendegebiet.

Und am 11. Juli geht es bei MDR INFO, MDR JUMP, MDR THÜRINGEN – Das Radio und MDR 1 RADIO SACHSEN u.a. um das Abschneiden mitteldeutscher Schüler bei Mathematik-Olympiaden und Jugend-Forscht-Wettbewerben.

MDR FERNSEHEN

Thema bei „Fakt ist“ am 08. Juli, 22.05 Uhr, ist das Thema „Behinderung inklusive – Die Illusion von einer Schule für alle“. Zudem wird das MDR THÜRINGEN JOURNAL am Montag einen Beitrag über Inklusion senden.

MDR aktuell stellt insbesondere am 09. Juli um 21.45 Uhr die Bildungs-Studie in den Fokus der Berichterstattung. So zeigt die Nachrichtensendung am Beispiel der Germanistin und PR-Beraterin Antje Friedrich, die nach ihrem Studium in Leipzig wegen besserer Chancen nach Berlin wechselte, dass viele kluge Köpfe jährlich Mitteldeutschland für eine Karriere in anderen Bundesländern verlassen. Auch „Hier ab Vier“ und die Regionalmagazine SACHSENSPIEGEL und SACHSEN-ANHALT HEUTE beschäftigen sich am 09.07. mit dem Thema Abwanderung. Die „Umschau“ (20.15 Uhr) hat drei junge Hochschulabsolventen begleitet, die es trotz guter Jobs im Westen wieder in die Heimat gezogen hat. Für die Nähe zur Familie und zu Freunden, so der Zwickauer Wirtschaftsingenieur Rico Thieme, nehmen sie sogar enorme Verdienstverluste in Kauf.

 

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