Vier Imane zu Besuch? Fakenews über Dresdner Grundschule

Von 14 , , ,

Mit welchen perfiden Mitteln die Gegner der Demokratie versuchen, die öffentliche Meinung und Stimmung zu beeinflussen, zeigt sich schön an einem Brief, der bei Facebook aufgetaucht ist.

Imane an einer Grundschule in Dresden?

Der Brief erweckt auf den ersten Blick den Eindruck, ein "Elternbrief" einer Grundschule zu sein - allerdings fällt schnell auf, dass ein offizieller Briefkopf fehlt.

Auch andere Aspekte lassen erkennen, dass es sich um eine Fälschung handelt.

Im Brief selbst ist u.a. zu lesen (Fehler aus dem Original übernommen):

"Wie Ihnen bereits Ihr Kind berichtet hat, sind die kommende Woche 4 Imane bei uns in der Schule zu Besuch um Ihr Kind den Koran und den Islam näher zu bringen. Bitte geben Sie Ihrem Kind an diesem Tag kein Schweinefleisch als Frühstück mit."

Im weiteren Text wird angekündigt, dass die "darauffolgende Woche im Sinne des Koran, eine Themenwoche" veranstaltet werde. Außerdem sei ein - für alle Schüler verpflichtender - Moscheebesuch für Mitte Februar geplant.

Weiter heißt es, dass der Koran als gedrucktes Exemplar für 25 Euro an der Schule käuflich erstanden werden könne - dies sei "empfehlenswert für die Themenwoche".

Das Schreiben trägt das Datum vom 23.01.2019 – Absenderadresse und Unterschrift sind geschwärzt.

Wo das Schreiben zuerst aufgetaucht ist

Wir haben den "Brief" aus einer Facebook-Diskussion, in die der FB-Nutzer das Foto geteilt hat (s.Screenshot am Ende des Beitrags).

Die Frage nach der Quelle beantwortete er mit: "Nee, hab ich von nemm bekannten bekommen, irgendeine Schule in Dresden".

Es lässt sich für uns nicht feststellen, ob das Schreiben von ihm selbst stammt oder etwa über eine geschlossene WhatsApp- und/oder Facebook-Gruppen zu ihm gekommen ist.

Warum das Schreiben sicher Fake ist

Folgende Punkte sprechen klar dafür, dass es sich um einen Fake - eine bewusst produzierte Falschinformation - handelt:

  • Der Brief hat keinen Briefkopf. Wer schon mal einen Elternbrief einer Schule bekommen hat, weiß, dass Schulen offizielle Briefköpfe für solche Schreiben verwenden.
  • Was ist eigentlich der Grund, dass die angebliche Absender-Adresse geschwärzt ist? Wäre das Schreiben echt, gäbe es dafür tatsächlich keinen Grund.
  • Gleiches gilt für die Frage, warum - wie sonst üblich - nicht der volle Name der Schulleiterin unter der Unterschrift geschrieben steht?
  • Schließlich: Glaubt wirklich jemand, eine Schulleiterin würde einen solchen Brief voller Fehler (falsche Komma-Setzung, "Ihr" statt "Ihrem", Imane statt Imame usw.) in Umlauf bringen?

Was ist das Ziel des Verfassers?

Stellt sich die Frage, warum jemand solch ein Schreiben aufsetzt. Und nein, es handelt sich nicht um Satire - dafür fehlt das reale Vorbild, das verspottet oder überspitzt angeprangert werden soll.

Bei dem vorliegenden Dokument handelt es sich um eine bewusste Fake-News - also Informationen, die die öffentliche Meinung und Stimmung beeinflussen sollen.

Die grundsätzlichen Probleme mit Fake-News sind, dass

  1. nicht jeder Imformationsempfänger in der Lage sein dürfte, die Information als Falschnachricht zu erkennen und
  2. immer etwas von der Original-Meldung im kollektivem Gedächtnis haften bleibt.

Unsere These für die Motivation des Verfassers: Er/sie geht auf "Dummenfang" mit dem Ziel, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern (vgl. zum Thema Fake-News auch FUNKTURM Nr. 8).

Warum berichten wir darüber?

Wenn der Fake so offenkundig ist - warum berichten wir dann überhaupt darüber?

Das große Problem bei Fake-News ist, dass die Original-Falschinformation durch die Richtigstellung noch größere Aufmerksamkeit bekommt. Trotzdem haben wir uns dafür entschieden, hier im Blog über dieses Beispiel zu berichten.

Es geht uns schlicht darum, zur öffentlichen Sensibilisierung beizutragen.

Es gilt die alte Grundregel: Man soll nicht alles glauben, was geschrieben steht. Falls also doch mal jemand Google anschmeißt, findet er vielleicht den Link zu uns.

Zur Identifikation von Fake-News gilt: Immer den Absender der Information prüfen – ist er/sie vertrauenswürdig? Besondere Vorsicht gilt bei Informationen, die einen sehr aufregen: Dann lieber noch mal liegen lassen, bevor man es teilt, und darüber nachdenken, ob die enthaltene Information tatsächlich real sein kann.

Ein vergleichbares Beispiel haben wir im Sommer dokumentiert, als ein vermeintlicher Zeitungsausschnitt auftauchte, aus dem aber noch nicht einmal der Name des Mediums hervorging (vgl. FLURFUNK vom 28.8.2018: "Fakenews: 'Auslandspresse warnt vor deutschen Medien'").

Was da noch kommen könnte...

2019 ist Wahljahr in Sachsen (Mai: Kommunal- und Europa-Wahl, September: Landtagswahl). Wir stellen hier mal die These auf: Das Thema "Fake-News" wird in den Wahlkämpfen dieses Jahr eine große Rolle spielen.

Das Mittel wird insbesondere von populistisch orientierten Gruppierungen, die einen Macht- oder sogar Systemwechsel anstreben, eingesetzt werden.

Pressestellen der Verwaltung können sich schon mal darauf einstellen, dass es vermehrt Anfragen von Medienvertretern geben wird, ob eine Information stimmt oder nicht. Die wahlkämpfenden Parteien sollten sich überlegen, wie sie mit dem Phänomen umgehen.

Passend zum Thema hat der MDR Sachsenspiegel neulich schon mal über Beispiele berichtet, die staatliche Institutionen wie Polizei und Innenministerium beschäftigen, weil sie sich um die Richtigstellung kümmern müssen (vgl. FLURFUNK vom 14.1.2019: "Nach AfD-Fake-News-Vorwurf: MDR Sachsen bleibt bei Darstellung").

Hier die Quelle, wo uns der Brief zuerst begegnete:

Nachtrag 18.38 Uhr: Wir hatten am Vormittag beim Sächsischen Staatsministerium für Kultus (SMK) nachgefragt, ob das Schreiben echt sein könne – woraufhin bei den Schulen in Dresden abgefragt wurde, ob eine der Schulen ein vergleichbares Projekt geplant habe. Den Freitag über meldete sich keine der Dresdner Grundschulen zurück.

Nachtrag 26.1.2019: Die Geschichte zieht inzwischen größere Kreise. Mimikama hat ebenfalls gestern darüber berichtet: "Analyse: 'kein Schweinefleisch mitbringen' – Der Elternbrief einer Grundschule".

Auf Twitter und Facebook kursiert außerdem ein Bild-Ausriss, dass die angeblich geschwärzte Adresszeile als wirre Buchstabenfolge entlarvt (s.u.).

Das Sächsische Kultusministerium hat auf Twitter bestätigt, dass das Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) mit allen in Frage kommenden Schulen Kontakt hatte - und das Schreiben tatsächlich Fake ist.

14 Kommentare
  • Eike Burg
    Januar 25, 2019

    Es ist sehr schade, dass solche Mittel eingesetzt werden. Fake sollte nicht verbreitet werden. Ich habe deshalb schon einmal einen Fake, es ging um Volksverhetzung, bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Führt zur Anzeige gebracht. Darauf hin wurde ich von der Kripo Nürnberg als Zeuge geladen um eine Aussage zu machen. Dem bin ich natürlich nachgekommen. Es kostete mich viel Zeit und Aufwendung, aber man muss auch mal Zeichen setzen. Selbstverständlich werde ich Ihre Nachricht auf Facebook Teilen, mit der Hoffnung, es wird das Verhalten einiger Mitbürger verändert. MfG E.B.

  • Heiko R.
    Januar 25, 2019

    Wir haben bereits Elternbriefe ohne offiziellen Briefkopf und mit jeder Menge Rechtschreibfehlern erhalten. Und auch von der Schulleiterin unterschrieben. Das ist also kein Indiz für ein Fake.

  • owy
    Januar 25, 2019

    Danke für den Kommentar - bitte berücksichtigen Sie unseren Nachtrag am Ende der Meldung.

  • Marcel
    Januar 26, 2019

    Ja, es handelt sich um einen billigen Fake. Das reale Vorbild fehlt allerdings nicht wirklich. Konfessionslose Eltern müssen 50 Euro Bußgeld zahlen, weil ihr Sohn sich weigerte mit der Schule eine Moschee zu besuchen. Verpflichtender Besuch von Gotteshäusern? Gehts noch? http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/moschee-besuch-verweigert-eltern-muessen-50-euro-bussgeld-zahlen-a-1216757.html

  • Klaus Trebin
    Januar 26, 2019

    Ich bin überzeugter AfD-Wähler und Gegner der Islamisierung unseres Landes. Derartig dümmliche Fakes regen aber auch mich auf.

    Seht euch den Text an - der wimmelt vor Fehlern. Kein Schulleiter würde einen derartigen Brief rausschicken. Beispiele:
    - "4 Imane"? Imame heißt das. Außerdem werden Zahlwörter bis zehn ausgeschrieben.
    - "Um Ihr Kind den Koran ... näher zu bringen", Grammatik
    - "Der Besuch in die Moschee ...", Grammatik
    - "Ich freue mich sehr, dass wir ... die Religion des Islams näherbringen können da dies in Deutschland ein wichtiges Thema" ist - Komma fehlt
    - "Und wir werden die darauffolgende Woche im Sinne des Koran, eine Themenwoche veranstalten", hier dafür ein Komma zuviel.

    Außerdem liest sich der Text an mehreren Stellen extrem holprig:
    Ein echter Schulleiter würde die Imame zumindest kurz vorstellen und sagen, von welcher Moscheegemeinde sie kommen, wann sie genau kommen und warum der Islam in Deutschland ein wichtiges Thema sein soll. Und auch wo genau in der Schule "der Koran" erworben werden kann und welche Ausgabe, welche Moschee besucht werden soll etc.Was soll eine "Themenwoche im Sinne des Koran" sein? Wenn schon dann wohl eine Themenwoche zum (Thema) Koran, wahrscheinlicher aber zum Islam.

    Auch würde der Schulleiter auf einen Elternbrief nicht "Elternbrief" draufschreiben, schon gar nicht in Mega-Schrift. Weil er davon ausgehen darf, dass die angeschriebenen Eltern auch so kapieren, dass sich der Brief an sie richtet. Auch der "Briefkopf" ist lächerlich - warum sollte man das Wort "Grundschule" doppelt bis drei Mal so groß drucken wie deren Namen? ... und und und ...

    Die linksgrünen Gutmenschen veranstalten genug realen Unfug, über den wir uns aufregen. Da brauchen wir nicht noch zusätzlich welchen zu erfinden.

  • Gerald Gründler
    Februar 12, 2019

    Die Sache ist schon peinlich - und zwar für Euch, liebe Flurfunker. So etwas nennt man Satire. Aber wer blind ist und deren "reale Vorbilder" (z.B. schweinefleischfreie Kantinen, "Jahresendmärkte" oder erzwungenen Moscheenbesuche bei Schulklassen), die Satire deshalb nicht erkennen mag und wer außerdem wegen seiner moralistischen, selbstgefälligen Aufgeblasenheit des Humors völlig verlustig gegangen ist, tja, der macht sich eben mit Volkspädagogik aus der untersten Schublade lächerlich.

  • owy
    Februar 12, 2019

    Nochmal, Satire: "Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden."

    Alle von Ihnen genannten Beispiele ("z.B. schweinefleischfreie Kantinen, 'Jahresendmärkte' oder erzwungenen Moscheenbesuche bei Schulklassen!) sind mehr oder weniger frei erfunden. Da gibt es keine realen Vorbilder - deswegen ist der Brief auch keine Satire.

    Das ist wirklich bewusst eingesetzte Propaganda. Fake News.

  • Gerald Gründler
    Februar 13, 2019

    Was schreiben Sie denn da?

    „Alle von Ihnen genannten Beispiele ("z.B. schweinefleischfreie Kantinen, 'Jahresendmärkte' oder erzwungenen Moscheenbesuche bei Schulklassen!) sind mehr oder weniger frei erfunden. Da gibt es keine realen Vorbilder - deswegen ist der Brief auch keine Satire.“

    Aha.

    Nun, wie erklären Sie sich dann zum Beispiel die folgenden Beiträge?
    Aprilscherze? Missratene Stilübungen von Volontären?

    https://amp.welt.de/vermischtes/article152247182/Schulkantinen-verzichten-zunehmend-auf-Schweinefleisch.html

    https://www.stern.de/panorama/rendsburg--schueler-schwaenzt-ausflug---moschee-streit-landet-vor-gericht-7573128.html

    Ich habe an dieser Stelle ganz bewusst Quellen ausgewählt, bei denen auch Sie wohl kaum unterstellen wollen, dass von dorther ungeprüft fake-news verbreitet werden. Es sind aber längst nicht die einzigen Quellen zu den geschilderten Sachverhalten.

    Wie konnte Ihnen das alles entgehen?

    Die dargestellten Vorgänge stehen beispielhaft für einen Prozess, den manche - natürlich völlig zu Unrecht besorgte! – Bürger als die Islamisierung Deutschlands bezeichnen. Und greifen diese nicht nur besorgten, sondern auch leicht legasthenischen Bürger nun zu den Mitteln der Satire, und tun, was zur Satire gehört – zuspitzen und übertreiben nämlich (jedenfalls nach heutigem Stand) – dann nehmen Sie, liebe Freunde der lauteren linken Wahrheit, diesen Versuch, die Unterwerfungskultur der politisch Korrekten lächerlich zu machen, für bare Münze und fallen deshalb in wirklich komischer oberlehrerhafter Selbstgefälligkeit durch alle doppelten Böden des Witzes ins kalte Wasser der Aufklärung.

    Herzlich willkommen in der Wirklichkeit. Sie haben nun die Möglichkeit, die Welt noch einmal ganz neu zu entdecken. Ich beneide Sie!

  • owy
    Februar 13, 2019

    Puh... Ich bezweifle, dass Sie in jüngerer Zeit mal an einer Dresdner Grundschule waren.

    Beispiel 1, Schweinefleisch: Sie haben aber schon die Passage gelesen, dass die Qualität des Fleisches nicht immer sicherzustellen ist? Ihr Wunsch ist also, dass die Kinder minderwertiges Essen vorgesetzt bekommen? Das ist wirklich abartig. Und wenn sich für die Anbieter nun mal damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen - wo ist das Problem? Abgesehen davon: Was hat das Beispiel mit den Dresdner Grundschulen zu tun, was mit den Verhältnissen in Sachsen?
    Beispiel 2, unerlaubtes Fernbleiben vom Unterricht: Der Vater hat den Sohn aus "weltanschaulichen Gründen" nicht am Unterricht teilhaben lassen, der den Besuch eines islamischen Zentrums beinhaltet. Ganz im ernst: Wenn der Vater sich über geltendes Recht hinwegsetzt, und wir haben in Deutschland - zum Glück - Schulpflicht, ist das eben am Ende ein Fall für den Richter. Und kein Beleg für eine angebliche Islamisierung - so ein Unfug. Welcher Schaden soll bitte entstehen, wenn ein Kind sich ein islamisches Zentrum von innen anschaut?

    Sorry, aber Ihre angeblichen Vorlagen für die "Satire" sind in meinen Augen einfach nur konstruiert und grob an den Haaren herbeigezogen. Aber Sie dürfen natürlich Ihre Meinung gern behalten und sich weiterhin in Angstzuständen vor der angeblichen Islamisierung suhlen - und das für die "Wirklichkeit" halten.

  • owy
    Februar 13, 2019

    Da isse, die Islamisierung, wird ja immer schlimmer hier. Nicht:

    http://m.spiegel.de/lebenundlernen/uni/kiel-nikab-verbot-an-christian-albrechts-universitaet-a-1252995.html

    Achtung, Realität!

  • Gerald Gründler
    Februar 14, 2019

    Zunächst meinen ausdrücklichen Dank: Sie schalten meine Beiträge frei, auch wenn Sie das in die Defensive bringt. Dieses Vorgehen ist leider längst nicht mehr Usus, und die Ursache der fehlenden Diskurslust bei Blogbetreibern (aller politischen Couleur) ist ja häufig nicht die unqualifizierte Renitenz von Trollen, sondern die Schwäche der jeweils eigenen argumentativen Position, verbunden mit der Macht zur Abschaltung der Andersmeinenden.

    In der eigentlichen Sache kann ich Ihnen allerdings weder Komplimente noch Konzessionen machen.

    Ich gehe dabei zu Ihren Gunsten nicht davon aus, dass Sie ernsthaft in allen Teilen an Ihren eigenen Vortrag glauben: Es gibt gutes und schlechtes Schweinefleisch, ebenso wie es gutes und schlechtes Rind-, Puten- oder Hühnerfleisch oder auch knackiges und matschiges, verdorbenes Gemüse gibt. Alles das kann prinzipiell auch im Kochtopf einer Kantine landen – und was da jeweils tatsächlich passiert, hat natürlich gar nichts mit der Art des Lebensmittels zu tun, sondern allein mit ordentlicher Qualitätskontrolle und der Einhaltung von Produktions- und Hygienestandards.

    Das Argument der Dresdner Grundschulen, bei denen es – vielleicht tatsächlich (noch) - kein Schweinfleischverbot gibt, erinnert mich an die Vorhaltungen gegenüber den Sachsen, sie sollten sich nicht so haben mit den Ausländern, denn es gäbe im braunen Osteck der bunten Republik so gut wie keine. Abgesehen davon, dass das auch nur durchschnittlich stimmt (gehen Sie mal durch den Chemnitzer Stadthallenpark) und die Sachsen seit Jahrzehnten sehr gut beispielsweise mit Vietnamesen auskommen: Wir leben in einer Medienwelt, und niemand muss darauf warten, dass Zustände, wie sie in NRW, Bremen oder Berlin um sich gegriffen haben, auch in Sachsen Wirklichkeit werden, bevor er sich satirisch dazu äußern darf. Oder? Ich wundere mich lediglich, dass ich das ausgerechnet an dieser Stelle, einem Medienblog, erklären muss.

    Zum zweiten Thema: Es handelte sich nicht um ein „islamisches Zentrum“, sondern um eine Moschee, und zudem noch um eine, die ihre Entstehung der Milli Görus verdankt. „Das Bundesamt für Verfassungsschutz kam zu der Überzeugung, dass Millî Görüş ein antidemokratisches Staatsverständnis zeige sowie westliche Demokratien ablehne“, meint Wikipedia zum Geburtshelfer der betreffenden Einrichtung.

    Die Rendsburger Familie hatte auch nicht leichtfertig, sondern im Vertrauen auf die tatsächliche Möglichkeit der verfassungsmäßig garantierten Religionsfreiheit den wirklichen Grund des Fernbleibens ihres Sohnes von dieser Art „Unterricht“ eingeräumt (es hätte ja auch gereicht mitzuteilen, der Junge sei einen Tag unpässlich gewesen) und sie hatte zudem darum gebeten, den Jungen an Ersatzunterricht in einer anderen Klasse teilnehmen zu lassen. Die Schulleitung aber wollte den Moscheebesuch offenkundig wirklich und tatsächlich erzwingen und ging darauf nicht ein.

    Das Glück der Schulpflicht in Deutschland – ach ja. Entschuldigen Sie, ich muss grinsen, und zwar extrem breit. Würden Sie bitte einmal ausführen, wie Sie die ganz unterschiedliche Behandlung des unentschuldigten Fernbleibens in Fall des Rendsburger Gymnasiasten und der juvenilen, gratismutigen Klimakämpen am FridayForFuture durch die Justiz bewerten? Gilt im Rechtsstaat gleiches Recht für alle – oder sind manche Schweine eben doch gleicher als andere, wenn es der Regierung oder auch nur den medial herrschenden Grünlinken in den Kram passt?

    Nun noch zu Ihrem Abschlusssatz von der „angeblichen Islamisierung“ Deutschlands - mit dem Blick aufs eigentlich doch ganz Offensichtliche: Schon allein die Möglichkeit, eine Moschee in nächster räumlicher Nähe zu besuchen, ist ein Ausdruck des Fortgangs (passt hier besser als Fortschritt ) der Islamisierung Deutschlands. Muss ich das über den Verweis auf Verhältnisse in tatsächlich weitgehend islamfreien Ländern etwa in Osteuropa hinaus nicht näher erläutern? Oder anders gefragt: Wann ist Ihrer Auffassung nach der Punkt erreicht, wo aus der angeblichen eine wirkliche Islamisierung wird? Und bevorzugen Sie dann die türkische, die Iranische oder die saudische Staatsform? Und `wie würden sich die Frauen in Ihrer Familie vorzugsweise entscheiden?

  • owy
    Februar 14, 2019

    Danke für die lange Antwort, wir kommen allerdings nicht zusammen - was ja auch irgendwie klar war. Sie vertreten die Meinung, es gehe eine Islamisierung im Lande vor, weshalb der oben dokumentierte Brief als Satire einzustufen sei. Ich halte das für Quatsch. Totalen Unsinn.

    Stelle ich die dürftigen Belege, die Sie anführen (eine kleine Auswahl von Einzelbeispielen, in Medien dokumentiert, die Sie vermutlich in anderen Fällen für weniger glaubwürdig halten), in Frage, fordern Sie mich zum Gegenbeweis auf - eine typische Troll-Methode. Mit Verlaub, nein, ich bin nicht verpflichtet Ihre unsinnige These zu widerlegen. Sie können Ihre These nicht ausreichen belegen - lassen Sie uns das einfach mal so festhalten.

    Meine Frage, wie ein Besuch einer Moschee oder eines islamischen Zentrums einem Schüler schaden oder dazu beitragen sollte, die Islamisierung hier im Land voranzutreiben, weichen Sie geschickt aus - weil Sie keine Antwort haben, die zu Ihrem Weltbild passt. Auch so eine typische Methode heutzutage: Schnell das Thema wechseln, bevor es eng wird.

    Moscheen gibt es in diesem Land schon immer. Schon immer kann man Freitags einfach mal zum gucken hingehen - glauben Sie mir, Sie werden nach dem Besuch genauso religiös wie vorher sein.

    Ich finde, Sie sollten sich dieser Angst einmal stellen, die Sie offenbar umtreibt, Kommentare wie die hier im Netz zu hinterlassen.

  • Gerald Gründler
    Februar 19, 2019

    Das Fortschreiten der Islamisierung in Deutschland ist zum einen ganz einfach anhand des wachsenden Bevölkerungsanteils von Muslimen im Land nachzuweisen. Da reicht schon allein ein Blick in Wikipedia unter dem Stichwort „Islam in Deutschland“. So gab es vor 100 Jahren in Deutschland eine einzige Moschee – und zwar für muslimische Kriegsgefangene des 1. Weltkrieges, und diese Moschee wurde mangels Bedarf in den zwanziger Jahren des 20 Jahrhunderts wieder abgerissen.

    Zur Islamisierung gehört auch, dass jedes Kind aus einer Familie mit muslimischen Eltern ungefragt selbst zum Muslim wird. Wenn sich die betreffende Person später dann anders entscheiden und die Glaubensgemeinschaft verlassen will, wird sie zum Apostaten und ist damit schon per Koran vom Tode bedroht. Und dort, wo Muslime in Gesellschaften die Mehrheit bilden, ist die ungesühnte Ermordung von Apostaten kein ungewöhnlicher Vorfall. Informieren Sie sich bitte über die Gründe für Hinrichtungen zum Beispiel in Saudi-Arabien (https://www.amnesty.ch/de/themen/todesstrafe/dok/2016/statistik-2015). Dort wie auch im Iran ist die Hinrichtung wegen des Abfalls vom Glauben staatliche Praxis, woanders wird sie mit staatlicher Duldung von einem religiösen Mob erledigt.

    Ich halte so etwas für äußerst befremdlich. Für ebenso befremdlich halte ich Tempel, wo Frauen nur in den Nebengemächern und getrennt von den Männern Gottesdienst halten dürfen, weil sie gegenüber diesen als minderwertig gelten und jede Frau zudem als potentielle Beute und teuflische Versuchung eines jedes Mannes angesehen wird, die man deshalb besser außer Sichtweite hält. Was ist das für ein verqueres Frauen- und Männerbild, was ist das überhaupt für eine irre Fixierung aufs Sexuelle?

    Aber das sind nur zwei der erschreckenden Aspekte des praktizierten Islam. Und ja, Aufklärung darüber wäre in der Tat dringend vonnöten. Es gibt aber wenig Anzeichen dafür, dass diese Art Aufklärung das Ziel des klassenweisen Moscheebesuchs in Rendsburg war. Im Übrigen muss man doch auch nicht die Häuser der Scientology besuchen, um über die Gefährlichkeit dieser Sekte aufzuklären! Oder, anders gefragt: Welche Schule in Deutschland setzt den Besuch beispielsweise eines Antifa-Treffs auf den Stundenplan, um über die Gefahren des Linksextremismus aufzuklären?

    Anstatt hier weiter wahrheitswidrig mit Unterstellungen („Troll-Methoden“, „Ausweichen“) punkten zu wollen: Lesen Sie lieber! Zum Beispiel bei Hamed Abdel-Samad, bei Laila Mirzo, bei Necla Kelek, bei denen also, die aus dem Islam kommen und es - teils unter Gefahr für Gesundheit und Leben (Abdel-Samad zum Beispiel lebt in Deutschland unter ständigem Personenschutz!) – geschafft haben, sich aus dessen Indoktrination zu befreien. Es könnte auch für Sie befreiend werden.

  • owy
    Februar 19, 2019

    Danke für Ihren erneuten Kommentar, den ich ebenfalls für wenig überzeugend halte. Sie argumentieren immer sehr "absolut". Dass jemand, der per Geburt den Glauben "erbt", die Religion angeblich nicht verlassen kann - mit Verlaub, das hat mit der Realität in Deutschland nichts zu tun. Selbstverständlich gibt es auch im Islam Familien, die den Glauben nicht im Ansatz so streng ausleben, wie sie es pauschal allen Muslimen unterstellen.

    Dass sie die angebliche fortschreitende Islamisierung Deutschlands damit beschreiben, dass es heute deutlich mehr Moscheen gibt als vor 100 Jahren... und dann Saudi Arabien als Beispiel anführen... alter Schwede, dass sind mal Vergleiche, die hinken! Früher war alles besser... ist klar! Damals gab es auch noch Kutschen! Und einen Kaiser!

    Wenn es eine fortschreitende Islamisierung in Deutschland gäbe, dann wäre sie daran zu merken, dass sich grundsätzliche Dinge in unserer Gesellschaft verändern. Die sich dann in Form von Gesetzen und/oder gesellschaftlichen Normen niederschlagen würden. Dass mal eine oder zwei oder drei Schulen kein Schweinefleisch mehr anbietet - so what, wo ist Ihr Problem?

    Schön finde ich auch, dass Sie erst mit Einzelbeispielen argumentiert haben, inzwischen aber beim praktizierten Islam in Saudi-Arabien angekommen sind - schlicht, weil Ihnen offenkundig die Beispiele und Argumente fehlen.

    Mein Rat: Hören Sie mal auf, dieses ganze angstmachende Zeug zu lesen und beschäftigen sich mal mit der Realität da draußen. Gehen Sie an eine Dresdner Grundschule und informieren sich über die fortschreitende Islamisierung, die Ihrer Meinung nach persifliert werden darf (aber Achtung, aktuell sind Schulferien!). Gehen Sie in eine Moschee und fragen die Leute dort, was die vom Islam in Saudi-Arabien halten.

    Vielleicht könnte das Sie ja etwas beruhigen in Ihrer Sorge, dass hier gerade 80 Mio. Deutsche, von denen ein guter Teil unreligiös ist, angeblich vereinnahmt werden.

    P.S.: Noch eine Empfehlung: Befassen Sie sich sich, wenn Sie lieber nur lesen, mal mit dem Thema Ängste der Gesellschaft. Es ist in allen Zeiten der Weltgeschichte so gewesen, dass Menschen den drohenden Untergang der eigenen Gesellschaft erwartet und Bedrohungen von außen (bzw. innen) - zum Beispiel durch eine Religion - befürchtet haben. Immer schon, auch vor 100 und vor 1000 Jahren.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen