Sachsen-Anhalt: Bauer Media Group übernimmt Mitteldeutsche Zeitung

Die meiste Zeit, berichten Teilnehmende, habe auf der Mitarbeiter-Versammlung an diesem Mittwoch in der Kantine der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) in Halle gespannte Stille im Publikum geherrscht. Nur einmal sei Christoph Bauer, dem Vorstandschef der DuMont-Mediengruppe, ungläubiges Lachen entgegengeschlagen: Als der Manager nämlich die MZ als "Perle" bezeichnete.

Dabei war Bauer aus Köln an die Saale gekommen, um den Vollzug dessen zu verkünden, was Spatzen und Branchendienste schon seit Mitte Dezember von den Dächern pfiffen:

Die DuMont-Mediengruppe verkauft ihre sachsen-anhaltische "Perle" an den direkten Mitbewerber, die Hamburger Bauer Media-Group, deren bislang einzige Tageszeitung die Magdeburger Volkstimme ist.

Deutlich mehr als 50 Mio. Euro

Nach Informationen des Manager-Magazins zahlt Verlegerin Yvonne Bauer einen Betrag von deutlich mehr als 50 Millionen Euro an DuMont.

Damit entsteht in Sachsen-Anhalt quasi ein Zeitungs-Monopol – einzig verbleibende Konkurrenz ist die Salzwedeler Altmark-Zeitung, die zur Ippen-Gruppe gehört. Sie spielt aber in einer deutlich kleineren Liga.

Die Volksstimme verkauft rund 150 000 Exemplare im mittleren und nördlichen Sachsen-Anhalt, die Auflage der vor allem im südlichen Landesteil gelesenen Mitteldeutschen Zeitung mit ihren 17 Lokalausgaben liegt bei 151 000 Exemplaren. Die Verbreitungsgebiete der beiden Titel überschneiden sich nur geringfügig.

Kartellamt muss noch zustimmen

Deswegen sind Bauer und DuMont auch optimistisch, dass das Kartellamt dem Deal zustimmen wird – auch wenn ein wesentlich größeres Paket als nur die Zeitung allein den Besitzer wechselt.

Bauer übernimmt der gemeinsamen Pressemitteilung zufolge die rund 1.100 Mitarbeiter der "Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung". Der Verkauf umfasse neben der Zeitung auch das News-Portal mz.de, die Anzeigenblätter WochenSpiegel und Super Sonntag mit einer wöchentlichen Gesamtauflage von rund 1,3 Millionen und 27 Lokalausgaben, die Aktivitäten in Logistik und Druck, den regionalen TV-Sender TV Halle sowie Aktivitäten in Ticketing und Satz-Dienstleistungen.

"Sämtliche vertraglichen Vereinbarungen", heißt es in der Mitteilung, "bleiben bestehen".

Erhebliches Einsparpotential

Auf den Fluren in Halle wurde nach der Versammlung vor allem diskutiert, inwieweit das für die Verträge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gilt. Dass nach der Übernahme vor allem "Synergien gehoben" werden sollen, steht auch in der Pressemitteilung.

Die beiden Verlage sollen enger miteinander verknüpft werden – von der Verwaltung bis hin zu den Druckereien. Das, sagt eine Redakteurin, biete erhebliches Einsparpotenzial. Auch auf redaktioneller Seite.

Doch dazu, heißt es von mehreren Teilnehmenden, sei Volksstimme-Geschäftsführer Marco Fehrecke, der künftig auch in Halle das Zepter führen wird, bemerkenswert unkonkret geblieben.

DJV befürchtet Stellenabbau

Um die Pressevielfalt im Land nicht zu gefährden, wäre es die beste Lösung, beide Redaktionen blieben unabhängig, sagt Uwe Gajowski, Landesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) in Sachsen-Anhalt.

Gleichwohl erwartet er anderes: "Wir befürchten bei der Mitteldeutschen Zeitung einen Stellenabbau im Mantel. Warum sollte sich Bauer etwa zwei Politikredaktionen und zwei Wirtschaftsredaktionen in einem Bundesland leisten, wenn es doch auch mit einer geht?", fragt er rhetorisch.

Auch der Zusicherung, dass sämtliche vertragliche Vereinbarungen erhalten blieben, traut der DJV-Chef nicht. Als Bauer die Volksstimme übernommen habe, sei dort kräftig gespart worden – zu Lasten der Mitarbeiter.

Zudem sei die betriebliche Mitbestimmung durch die Ausgründung mehrerer Dutzend Unternehmen ausgehebelt worden, die "Volksstimme" der Gegenwart werde von mehr als 40 Einzelunternehmen produziert. Einen Betriebsrat gebe es deshalb nicht mehr.

Gajowskis Fazit: "Es lässt sich an diesem Eigentümerwechsel nichts erkennen, was für die Belegschaft und für die Leserinnen und Leser von Vorteil sein könnte."

Redakteurinnen und Redakteure der Mitteldeutschen Zeitung weisen zudem noch auf eine "klimatische Komponente" hin:

Zwischen beiden Zeitungen und Verlagen gab es bislang eine große Rivalität. Die rührt auch daher, dass sich der Bauer-Verlag unter Alt-Verleger Heinz Bauer, dem Vater von Yvonne Bauer, nach der Wende unter anderem auch gern die MZ einverleibt hätte. Wohl auch dank der guten Beziehung zwischen dem aus Halle stammenden Politiker Hans-Dietrich Genscher und dem mit der FDP sympathisierenden Verleger Alfred Neven DuMont wanderte die Mitteldeutsche Zeitung indes nach Köln.

"Seitdem war Bauer immer Wettbewerbs- und Negativmaßstab", sagt ein langgedienter Redakteur. "Ich hätte nie gedacht, dass unsere 'Perle' ausgerechnet dorthin wandern könnte."

Lars Radau

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