Nach Bericht über Bautzen: Georg Restle antwortet Bürgermeister Ahrens

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Ein Bericht des ARD-Magazins Monitor über Bautzen sorgt derzeit für Aufregung.

Das TV-Magazin hatte am 3.12.2020 unter dem Titel "Corona-Hotspot Bautzen – Hochburg der Verschwörungsmythen" aus der Stadt berichtet (der Beitrag ist hier in der ARD-Mediathek zu sehen, auf tagesschau.de gibt es außerdem eine Textzusammenfassung).

In dem Text auf tagesschau.de heißt es u.a.:

"Rechtsextreme, Reichsbürger, Verschwörungsideologen und Esoteriker haben sich in Bautzen schon lange vernetzt. Jetzt bei Corona wird deutlich, welches Selbstbewusstsein diese Szene entwickelt hat - und wie weit sie bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen ist."

Reaktion des Oberbürgermeisters

Alexander Ahrens, Oberbürgermeister von Bautzen, veröffentlichte am darauffolgenden Tag auf Facebook eine Antwort – wie er schreibt "aufgrund mehrerer Zuschriften bezüglich des gestrigen Monitor-Beitrages auf ARD".

Ahrens schreibt u.a.:

"Bedauerlicherweise kamen die Herrschaften von Monitor hier schon mit einer fertigen Idee an, wie der Bericht wohl aussehen soll: die hohen Fallzahlen sollen mit der Menge an Verschwörungsmystikern zusammenhängen."

Und weiter:

"Vor Ausstrahlung der Sendung habe ich im Ältestenrat der Stadt bereits darauf hingewiesen, dass wohl ein Bericht mit dieser Tonlage zu erwarten sei. Zu dieser Überzeugung kam ich wie folgt: Das Team hat mich mehr als 20 Minuten lang interviewt, die Fragen waren durchweg nicht offen, sondern alle mit derselben, oben genannten Grundtendenz versehen."

"Vielleicht sogar noch Journalismus"

Als Beleg führt Ahrens an, dass er in dem Beitrag nicht vorkomme:

"Offenkundig haben meine Antworten dann auch nicht ins Bild gepasst, denn ich kam in dem Beitrag nicht vor. Wenn eine Stimme, die einer differenzierten Betrachtung das Wort redet, bewusst weggelassen wird, ist das vielleicht sogar noch Journalismus, allerdings kein besonders guter…"

Im weiteren Verlauf des Schreibens bezeichnet Ahrens sich selbst als Mensch mit "hoher Medienaffinität" (Zitat: "mein Vater zB war lange Chefredakteur") und als "unermüdlicher und engagierter Verfechter der Pressefreiheit".

Pressefreiheit bedeute aber auch Verantwortung, so Ahrens.

Den Beitrag sehe er als "einen weiteren Tiefpunkt journalistischer 'Arbeit'".

Wörtlich:

"Ich halte es nach wie vor für unverantwortlich, in reißerischer Manier die Menschen einer ganzen Region zu diffamieren. Gerne sind Sie eingeladen, sich ein eigenes Bild von unserer Region zu machen. Sie wären wahrscheinlich in mehrfacher Hinsicht überrascht."

Monitor-Chef Georg Restle antwortet

Nun hat Georg Restle, Leiter und Moderator von Monitor, ebenfalls mit einem öffentlichen Brief reagiert.

Bei Twitter verlinkt er den Brief von Ahrens und schreibt dazu u.a.:

"Ich gebe zu, dass mich die Schärfe Ihres Tons überrascht, inhaltlich möchte ich Ihnen in allen Punkten widersprechen."

Restle führt an, dass eine ganze Reihe Personen aus Bautzen im Beitrag vorkommen, die "sich alle mehr oder weniger einig sind: Dass ein Riss durch die Stadt geht, über den hinweg kaum noch Gespräche möglich sind."

Es sei aber nicht reißerisch, darüber zu berichten,

"dass auf der einen Seite dieses Grabens erstaunlich viele Menschen stehen, die offensichtlich wenig Berührungsängste zu äußert rechten bis rechtsextremen Ideologien und Gruppierungen haben."

Restle bedauert, dass Ahrens selbst nicht im Beitrag vorgekommen sei, weist aber den Vorwurf zurück, die Fragen seien mit einer gewissen Grundtendenz versehen gewesen. Als Beleg führt er ausgewählte Fragen und eine Antwort Ahrens auf - und widerspricht. Der Beitrag stelle keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen den hohen Fallzahlen und der hohen Zahl an Corona-Leugnern her - aber die Antworten des Oberbürgermeisters täten dies.

"Sie können sicher verstehen, dass uns ihrer Kritik vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Äußerungen sehr überrascht."

Restle: Limtierte Sendezeit

Weiter schreibt er:

"Die Wahrheit ist: Am Ende eines Produktionsprozesses setzt uns die limitierte Sendezeit leider immer wieder Grenzen. Dies traf leider nicht nur Sie, da wir insgesamt deutlich mehr Gespräche geführt haben, als in einem zehnminütigen Beitrag Raum haben. Ich kann Ihnen aber versichern, dass Ihr Interview dazu beigetragen hat, dass wir Bautzen besser verstehen konnten."

Und:

"In der Online-Fassung unseres Films werden Teile dieses Interviews auch zu sehen sein, insoweit war Ihre für uns erübrigte Zeit also keineswegs 'umsonst'. Machen Sie sich gern Ihr eigenes Bild davon. Ab heute Abend ist der ausführlichere Film auf unserem YouTube-Kanal online."

"Äußert freundliche und beeindruckende Menschen"

Die längere Version des Beitrages ist inzwischen bei YouTube zu sehen und ebenfalls von Restle bei Twitter gepostet. Neu darin: Ein Statement von Oberbürgermeister Ahrens - in dem er die Corona-Leugner als "Minderheit" und "nicht relevant" bezeichnet - und in der Folge aber tatsächlich auch darüber spricht, dass es einen Zusammenhang gebe zwischen Corona weniger ernst nehmen und steigenden Fallzahlen.

Zum Abschluss schreibt Restle:

"Erlauben Sie mir noch eine Satz zum Abschluss: Unser Team hat während seiner Dreharbeiten vor Ort viele äußert freundliche und beeindruckende Menschen getroffen, die sich in Bautzen für Demokratie und Verständigung einsetzen. Allein aufgrund dieser Begegnungen würde es uns nie in den Sinn kommen, Bautzen pauschal in ein schlechtes Licht rücken zu wollen."

Der verlängerte Beitrag mit dem Ahrens-Ton ist hier bei YouTube zu sehen (und unten eingebunden) - Bürgermeister Ahrens kommt etwa bei Min. 7:30 zu Wort.

4 Kommentare
  • Seifert
    Dezember 8, 2020

    Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe diesen Beitrag über Bautzen leider angeschaut und bin überzeugt davon, dass hier journalistisch alles dafür getan wurde, Bautzen und seine Bürger in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. Für mich ist in dieser Form der Berichterstattung klar zu erkennen, dass hier ein Exempel über den " rechten Osten" statuiert werden sollte. Ich schäme mich für ihre Art der Berichterstattung, und werde zukünftig mir schwer überlegen ihre Beiträge mir anzuschauen.
    Sie haben hier meines Erachtens nach dem Journalismus insgesamt keinen guten Dienst erwiesen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Seifert

  • Angelique Hennig
    Dezember 9, 2020

    Auch ich habe mir den Beitrag angesehen und war entsetzt.
    Aufreisserisch und bösartig, anders kann ich das leider nicht bezeichnen.
    Der böse Osten, alle rechts, Coronaleugner und Anhänger von Verschwörungstheorien.
    Kein Wunder also das die Zahl der pos. Getesteten hie so hoch sei. Ich habe selten so viel Schwachsinn gehört und gesehen wie in diesem Beitrag. Wer in Bautzen unterwegs ist und dort auch einkauft wird keine Mitbürger, zumindestens für mich kann ich das sagen, ohne Munschutz sehen. Warum macht man das? Es muss ein Schuldiger gesucht werden!
    Im Mittelalter waren es Hexen oder Ketzer und heute? In Bautzen scheint man ja nun fündig geworden sein!
    Fazit: Muss ich mir diese Art von Journalismus noch weiter antun? Nein!

  • Andreas
    Dezember 11, 2020

    Danke Seifert, Danke Angelique - man kann es nicht besser beschreiben. Schlimm nur, daß man sich bei der Finanzierung eines solchen Formates auch noch des Kapitals der Bürger bedient und es im ÖR Fernsehen produziert. Herr Restle sollte wenigstens seine eigene Produktionsfirma mit privaten Mitteln gründen, um seinen Unsinn zu verbreiten... das können andere ja auch auf diesem Weg finanzieren... aber vielleicht sind ja auch die Stunden von 'Monitor' gezählt. Die Kritik ist zum Glück riesig...

  • Rainer Giebelmann
    Dezember 11, 2020

    Ich bin vor 10 Jahren berufsbedingt nach Bautzen gezogen. Die Darstellungen von Monitor sind sachlich verfehlt. Das fängt schon damit an, dass der Bericht aussagt, dass man bei der Fahrt in die Innenstadt an dem Hotel Husarenhof vorbeikommt. Ich weiss nicht, wie man von der B 96 bei der Faht in die Innenstadt am Husarenhotel vorbeikommt, aber vielleicht wohne ich noch nicht lang genug hier. Dann das Plakat vom Holzwurm in Schaufenster. Nur die Headline wird gezeigt. Die weiteren Zeilen, die einiges relativieren, werden geflissentlich ausgelassen. Monitor als ARD Sender macht dem Namen des ARD als Allgemeiner Regierungsdienst alle Ehre. Monitor erwähnt, dies sei nur eines von vielen Beispielen. Ich bin durch die Innenstadt gelaufen, und ausser Holzwurm habe ich kein Plakat in dieser Form gesehen. Aber da lasse ich mich gern belehren. Die Aussagen des OB's kann ich nur begrüßen und bestätigen. Monitorhingegen sollte sich mal die Frage gefallen lassen, was Monitor berichten würde, wenn die Fernsehgebühren abgeschafft und Monitor ausschließlich nach Inanspruchnahme seiner Fernsehminuten bezahlt würde. Sowohl der OB als auch der GF der Fa. Hentschke Bau sollten mal überlegen, ob durch den Bericht von Monitor geschäftsschädigendes Verhalten angenommen werden kann und Monitor schadensersatzpflichtig / haftbar gemacht werden kann, weil Touristen zukünftig fernbleiben oder Fa. Hentschke Bau weniger Aufträge bekommt. Sowohl Monitor als auch Bundesregierung und Landesregierung sollte sich mal fragen und überlegen , wer in diesem Land das Produktivkapital erwirtschaftet mit denen die Vorgenannten bezahlt werden.

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