Lückenfüller – Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?

Die Funke Mediengruppe Thüringen bezeichnete es damals als Modellversuch: Im Frühjahr 2023 wurde in elf Gemeinden rund um Greiz die Zustellung der gedruckten Ostthüringer Zeitung eingestellt (vgl. FLURFUNK vom 9.3.2023: "Funke stellt OTZ-Verteilung im Landkreis Greiz teilweise ein").

Rund 300 Abonnentinnen und Abonnenten waren betroffen. Ziel war die Umstellung auf digitale Angebote. Das Ergebnis: 47 Prozent der Abos gingen verloren. Die Meldung vom Ende der Zustellung hatte 2023 für heftige Reaktionen in der Branche gesorgt.

Nun ist der Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Leben ohne Lokalzeitung?“ erschienen, das Thomas Schnedler und Malte Werner für das Netzwerk Recherche durchgeführt haben.

Der Bericht trägt den Titel: "Lückenfüller – Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?"

Ältere fühlen sich abgehängt

Die beiden haben in Gruppendiskussionen mit insgesamt 50 Bürgerinnen und Bürgern aus der Region gesprochen. Dabei haben sie abgefragt, wie sich die Menschen heute lokal informieren und welche Erwartungen sie an Journalismus haben.

Ihre Beobachtung: Vor allem ältere Menschen verlieren durch den Wegfall der Lokalzeitung zunehmend den Anschluss. Viele empfänden die Digitalisierung als weiteren Schritt des Abgehängtseins im ländlichen Raum. Jüngere Menschen wiederum würden lokale Informationen häufig über Social Media beziehen – oft von nicht-journalistischen Akteuren und mit wenig kritischer Quellenprüfung.

Über die Zielgruppe der Jüngeren heißt es weiter:

"Das Interesse unserer jungen Gesprächspartner:innen an klassischen Lokalnachrichten war gering ausgeprägt. Und weil in den Elternhäusern kaum noch Zeitung gelesen wird, entsteht keine Bindung zu dieser verlässlichen Informationsquelle. Weil es die Lokalzeitung aktuell nicht in ausreichendem Maße schafft, ihre Inhalte entsprechend des Mediennutzungsverhaltens junger Menschen zu konfektionieren (kurze Videos), bezieht diese Altersgruppe ihre Informationen zum Teil von nicht-​journalistischen Akteur:innen auf Social Media und zeigt dabei einen eher unkritischen Umgang mit Quellen."

Pseudojournalistische Angebote

Der Bericht beschreibt außerdem, wie kommunale Amtsblätter, Anzeigenblätter und pseudojournalistische Angebote in diese Lücken stoßen. Konkret genannt wird zum Beispiel der "Heimatbote Vogtland", ein von AfD-Politikern betriebenes Lokalmedium im Internet. Laut der Studie sehen Expertinnen dort "viele Merkmale von Pink-Slime-Journalismus" gegeben – damit ist gemeint, dass die Angebote journalistisch aufgemacht sind, aber journalistische Standards nicht einhalten.

Ebenfalls auffällig: Viele Befragte wünschen sich mehr lokale Recherchen, mehr Hintergrundberichterstattung und mehr Perspektivenvielfalt. Gleichzeitig nehmen sie wahr, dass Lokalredaktionen schließen, Zeitungen dünner werden und lokale Inhalte zurückgehen.

Der vollständige Bericht „Lückenfüller – Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?“ ist online als Greenhouse Report Nr. 4 abrufbar. Hier geht es zur Übersichtsseite mit Link zum PDF.

1 Kommentar
  • holger
    Mai 13, 2026

    Stimmt. Was kommt. Beziehungsweise: Was ist eigentlich schon lange weg? Mein kleiner Blick auf Lokalzeitungen sagt mir, dass es sie kaum mehr gibt, schon länger nicht. Und wenn ist ihr Inhalt veraltet, teils schlicht falsch, teils lächerlich. Aufregerartikel, ja, das ging auch in den letzten Jahren noch. Viel Werbung dazu, viel Sport, noch mehr Sport, und fertig ist ein Blatt, was mich überhaupt nicht mehr interessiert. Wenn dann wie zwischen Halle und Leipzig noch die MZ bzw. die LVZ sich gegenseitig beharken und ihr Interessensgebiet auf die jeweils andere Stadt ausweiten, wird es völlig lächerlich. Mag sein, dass man in der kleinen Saalestadt (mancher schreibt sie mit ö) nach Leipzig schaut, aber was interessiert mich lokal als Leipziger an Halle? Es ist wie bei den Bahnansagen von ortsunkundigen Mitarbeitern, man fühlt (ja, nur, aber auch), dass hier keiner weiß, worum es geht. Das permanente Schießen gegen den ÖRR von seiten der Zeitungen kommt dann dazu.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.