Honorare in der Lokalzeitung: „Der Job ist nur noch was für Liebhaber“

Von Nicole Kirchner

"Exklusiv und bitte in sehr guter Qualität" – der Anspruch, den die sächsischen Tageszeitungen an ihre freien Autoren und Fotografen haben, ist hoch. Das gilt nicht nur für die großen Aufmacherthemen im Mantelteil, sondern auch für jede kleine Geschichte auf den Lokalseiten.

Ein ehrwürdiges Credo – aber welchen Preis zahlen Sachsen Tageszeitungen für ihre freien Mitarbeiter, die über die Kitaeröffnung in XY oder den Bau einer neuen Staatsstraße in Z berichten?

Anscheinend nicht so viel, dass man dafür automatisch eine sehr gute Qualität erwarten kann.

Flurfunk Dresden hat sich mit einer ganzen Reihe freier Lokaljournalisten und freier Fotografen über das Thema "Honorare im Lokalteil der Heimatzeitung" unterhalten. Öffentlich äußern mag sich niemand, deswegen sprechen stellvertretend für unsere Kontaktpersonen der von uns frei erfundene Fotograf Hansi Knipser und die frei erfundene Journalistin Sabine Schreiberling über ihre Erfahrungen.

Auch wenn die beiden Charaktere von uns frei erfunden wurden und auf den ersten Blick einen sehr subjektiven Eindruck auf die Honorarproblematik der freien Lokaljournalisten geben, sind sämtliche  Zitate in diesem Text Originalzitate von Fotografen und Journalisten, mit denen wir gesprochen haben. Und leider sind Hansi Knipser und Sabine Schreiberling keine kuriosen Einzelbeispiele – im Gegenteil. Es geht vielen freien Autoren und Fotografen von lokalen Tageszeitungen so.

Lesen Sie weiter unten, was die Chefredakteure der großen Lokalzeitungen in Sachsen zum Thema Honorare im Lokalteil sagen. Außerdem haben wir den DJV Sachsen um eine Stellungnahme gebeten.

Zeitungsfotografen: "reine Imagesache"

"Die Branche ruiniert sich in den nächsten zehn Jahren selbst", ist sich Hansi Knipser sicher. Einige seine Fotokollegen haben längst das Handtuch geworfen, denn finanziell lohnt es sich schon lange nicht mehr, jeden Tag im Umkreis von 80 Kilometern vom Heimatort aus mit dem Auto unterwegs zu sein.

"Der Job ist nur noch was für Liebhaber", fasst Hansi Knipser die Situation zusammen. Im Schnitt 20 Euro verdient er pro Bild, dass in der Zeitung abgedruckt wird. Oft ist er für dieses eine Bild mehrere Stunden unterwegs.

Die Fahrtkosten auf dem Weg zum Termin zahlt er selbst. Die Wege über die Dörfer sind oft lang, im Schnitt fährt er 40 Kilometer pro Termin. Macht laut Kilometerpauschale von 0,30 Cent noch mal 12 Euro – die Herr Knipser allerdings aus eigner Tasche bezahlt. Mit etwas Glück, kommen auch mal zwei Bilder pro Artikel in die Zeitung. "Das ist allerdings im Lokalteil eher die Ausnahme."

Es bleibt also bei der mickrigen Bezahlung von 20 Euro pro Geschichte – egal, wie viel Zeit er dafür investiert hat. Obwohl er keinen festen Fotografenvertrag mit seinen Auftraggebern abgeschlossen hat, bekommt er die 20 Euro nur ausgezahlt, wenn das Foto automatisch ohne weitere Vergütungsansprüche online veröffentlicht werden darf.

"Für mich ist es mittlerweile eine reine Imagesache, für die Tageszeitungen zu arbeiten. Da ich auf den Terminen öfter mit Politikern und Unternehmern in Kontakt komme, subventioniere ich mir die Geschichte dann quer", erzählt Hansi Knisper.

Die Kontaktpersonen buchen ihn dann für eigene Zwecke. Hansi Knipser arbeitet mit einer professionellen Digitalkamera mit verschiedenen Objektiven, Stativen und Blitz, Anschaffungswert 15.000 Euro. "Gerade die neuen Kollegen verzichten auf so teure Technik, die machen das dann mit der Pocketkamera. Oder noch schlimmer, der Autor macht das Bild gleich selbst", sagt Knipser.

Was dann dabei rauskommt, ist meistens vom den Anspruch "sehr hohe Qualität" sehr weit entfernt. Dabei sieht Hansi Knipser gerade im Lokalteil der Zeitungen die Zukunft: "Was nützt es mir in der Tageszeitung von morgen die großen Geschichten der Weltpolitik von gestern zu lesen. Das kann ich mir alles online anschauen. Aber was bei uns vor der Haustür in den vielen kleinen Ortschaften passiert, das finde ich nicht so leicht im Netz."

Hansi Knipser findet es deshalb sehr schade, dass von Seiten der Verlage seine Arbeit nur so gering geschätzt wird. Was das Preisdumping schon angerichtet hat, sieht der Fotograf bei seiner täglichen Arbeit: "Die Tageszeitungen bekommen doch jetzt kaum noch mit, was im Umland passiert, weil sie einfach keine Leute mehr vor Ort haben, die für sie arbeiten. Wenn das so weiter geht, gehe auch ich bald nicht mehr ans Telefon, wenn die Redaktion bei mir anklingelt."

Zeitungsautoren: "Vollzeit-Nebenjob"

Auch die freie Journalistin Sabine Schreiberling kann ein Lied von schlechter Bezahlung für Lokalgeschichten singen. "Dabei ist die Verantwortung der lokalen Journalisten groß. Wir sind die einzigen vor Ort, die wissen was hier passiert, was die Menschen interessiert. Keine Nachrichtenagentur hat einen Sitz auf dem Dorf. Die kriegen das also nicht mit", weiß Sabine Schreiberling.

Für einen Artikel im Lokalteil mit rund 2.000 Zeichen (inkl. Leerzeilen) bekommt sie 20 Euro. Wenn sie das Foto gleich selbst macht, darf sie 8 Euro dafür abrechnen. Genau wie Hansi Knipser bekommt sie für die Wege zum Termin und wieder zurück keine Fahrtkosten erstattet.

"Ich alleine kann damit keinen Lebensunterhalt verdienen. Das was ich mache, ist quasi ein Nebenjob mit Vollzeitbeschäftigung", sagt Sabine Schreiberling. Mit etwas Glück, ergattert sie mal das Aufmacherthema, dann sind auch mal 100 Euro für den Artikel drin.

"Aber die Redaktionen achten sehr darauf, dass nicht vier Tage hintereinander der selbe Autor hinter der Aufmachergeschichte steht", weiß Schreiberling aus Erfahrung. Auch sie hat keinen unterschriebenen Vertrag mit einem ihrer Auftraggeber.

Wenn beispielsweise in der einen Tageszeitung ein Artikel von ihr erschienen ist, kann es durchaus sein, dass in einer anderen Tageszeitung ihr Artikel nochmal erscheint. "Die tauschen die Inhalte einfach untereinander aus, ohne das vorher mit uns abzustimmen. Dabei gehören sie nicht mal zu selben Verlagsgruppe", ist Sabine Schreiberling empört.

10 Euro Entschädigungshonorar bekommt sie dafür. Dabei ist das nicht einmal vertraglich geregelt.

Einmal ist es sogar vorgekommen, dass sie für ein Artikelhonorar von 20 Euro insgesamt drei Mal an unterschiedlichen Tagen vor Ort sein musste. "Im Endeffekt habe ich dafür sogar noch was draufgelegt", muss Sabine Schreiberling lachen. Obwohl so eine Nummer nun wirklich nicht zum Lachen ist.

Schreiberling ist Mitglied im Deutschen Journalistenverband, fühlt sich aber als freie Journalistin vom Verband im Stich gelassen. "Die unternehmen nichts, die machen nichts", sagt Sabine Schreiberling.

Das sagen sächsische Chefredakteure

Interviews: Peter Stawowy

In Honorar-Fragen sind die (sächsischen) Zeitungen kaum direkt vergleichbar, zumal es häufig auch Einzelvereinbarungen mit bestimmten Autoren oder Fotografen geben mag. Insofern kann gut sein, dass einzelne der oben geschilderten Aspekte nicht auf jede Zeitung zutreffen oder im Einzelfall widerlegt werden könnten.

Unabhängig davon, dass oben geschilderte Erlebnisse nicht zwangsläufig überall gleich passieren könnten, haben wir die Chefredakteure von "Freie Presse", "Sächsische Zeitung", "Leipziger Volkszeitung" und "Dresdner Neueste Nachrichten" per E-Mail um die Beantwortung von drei Fragen gebeten, um die Situation der Autoren- und Fotografen nicht völlig unwidersprochen abzubilden. Schließlich haben wir auch den DJV um eine Stellungnahme gebeten.

Uwe Vetterick: "Zugang zu Weiterbildung"

Halten Sie die Honorare ihrer Tageszeitung für angemessen?
Uwe Vetterick, Chefredakteur der "Sächsischen Zeitung": Ja. Wobei wir ganz überwiegend keine Zeilen- oder Artikelhonorare zahlen, sondern Pauschalen vereinbaren. Die Höhe dieser Pauschalen differiert in Abhängigkeit der erbrachten Leistung. Mir ist kein Fall bekannt, in dem eine Honorarpauschale in den vergangenen Jahren gesenkt wurde, im Gegenteil.
Darüber hinaus bietet die Sächsische Zeitung ihren freien Mitarbeitern den kostenfreien Zugang zu Weiterbildung, wie dem Inhouse-Programm "Wortwerkstatt", das allein im vergangenen Jahr 30 freie Mitarbeiter nutzten. In besonderen Fällen hat die Redaktion freien Mitarbeitern zudem den kostenfreien Besuch von Kursen an der "Henri Nannen-Schule", Hamburg, ermöglicht. Kontinuierlich wechseln überdies qualifizierte, freie Mitarbeiter gerade in den Lokalredaktionen in Festanstellungen, bzw. in Volontariate. Erst vor zwei Jahren hat die Sächsische Zeitung für die Lokalredaktionen zusätzliche Volontariatsstellen geschaffen, die talentierten freien Mitarbeitern aus der Region vorbehalten sind.

Welchen Stellenwert nehmen aus Ihrer Perspektive die Lokalteile ein?
Vetterick: Die Lokalredaktionen sind das Fundament einer Regionalzeitung.

Würden Sie jungen Menschen raten, den Beruf des Lokaljournalisten zu ergreifen?
Vetterick: Wenn er Talent und Leidenschaft mitbringt, unbedingt. Die Arbeit als Lokaljournalist ist einfach ein guter Start in diesen Beruf – ganz gleich wohin auch immer der weitere Weg im Journalismus führt.

Torsten Kleditzsch: "Keinerlei Personalabbau"

Halten Sie die Honorare ihrer Tageszeitung in den Lokalteilen für angemessen?
Torsten Kleditzsch, Chefredakteur der "Freien Presse": Die Höhe entspricht den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Region. Gute und regelmäßige freie Mitarbeiter sind durchaus in der Lage, ein ordentliches Einkommen zu erzielen.

Welchen Stellenwert nehmen aus Ihrer Perspektive die Lokalteile ein?
Kleditzsch: Wir haben in den vergangenen Jahren alles getan, um die Lokalteile zu stärken, insbesondere die Kapazitäten zur Recherche. Im journalistischen Bereich gab es keinerlei Personalabbau. Das zeigt, dass wir natürlich um die zentrale Bedeutung der Lokalteile für die Entwicklung der Zeitung wissen.

Würden Sie einem jungen Menschen raten, den Beruf des Lokaljournalisten zu ergreifen?
Kleditzsch: Der Job eines Lokaljournalisten ist anstrengend. Aber wer Journalist aus Überzeugung ist, wer dafür brennt, vor Ort die Informationen auszugraben, die für die Region wichtig sind, mit der er sich verbunden fühlt – für den spricht überhaupt nichts dagegen.

Jan Emendörfer: "Angemessen ist relativ"

Halten Sie die Honorare ihrer Tageszeitung in den Lokalteilen für angemessen?
Jan Emendörfer, Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung": Die LVZ zahlt in der Regel 50 Cent pro Zeile bei Veröffentlichung eines Textes im Leipziger Lokalteil. "Angemessen" ist ein relativer Begriff; wir würden gern mehr zahlen, aber die wirtschaftliche Situation lässt das nicht zu.

Welchen Stellenwert nehmen aus Ihrer Perspektive die Lokalteile ein?
Emendörfer: Die Lokalteile sind sehr wichtig, nehmen demzufolge einen hohen Stellenwert in der LVZ ein. Wir erhalten täglich viele Leserzuschriften zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, wie beispielsweise Rente, Arbeitsmarkt, Hartz IV etc. Aber die Masse der Lesermeinungen dreht sich um Probleme aus der unmittelbaren Nachbarschaft: zu wenig Parkplätze im Stadtteil X, braucht Leipzig ein Einheitsdenkmal und wenn ja, wie soll es aussehen?, in der "Karli" (Karl-Liebknecht-Straße) wird zwei Jahre lang gebaut, Anwohner und Händler sind maximal genervt...

Würden Sie einem jungen Menschen raten, den Beruf des Lokaljournalisten zu ergreifen?
Emendörfer: Ich habe drei Kinder. Die beiden Mädchen (23 und 20) studieren Zahnmedizin, der Junge (17) geht noch aufs Gymnasium und weiß noch nicht, was er machen will. Ich habe bisher keinem Kind zugeraten, Journalist zu werden, aber ich habe auch keinem abgeraten. Wenn ein junger Mensch den Drang verspürt, diesen Beruf zu ergreifen, dann soll und muss er das machen, auch wenn die Zeiten in der Branche heute schwieriger sind als vielleicht vor 10 oder 20 Jahren. Ich finde, der Antrieb muss von selbst kommen, nicht von den Eltern. Meine Frau ist Ärztin, möglicherweise haben sich die Mädchen deshalb eher zur Medizin hingezogen gefühlt.

Dirk Birgel: "Wirtschaftliche Situation abbilden"

Halten die Honorare ihrer Tageszeitung in den Lokalteilen für angemessen?
Dirk Birgel, Chefredakteur der "Dresdner Neueste Nachrichten": Halten Sie die Honorare, die der Flurfunk zahlt, für angemessen, Herr Stawowy? Die Honorare der DNN bewegen sich im Rahmen dessen, was die Frankfurter Tabelle vorschlägt. Natürlich würde ich gegenüber den Freien Mitarbeitern gern großzügiger sein, aber die Honorare müssen auch die wirtschaftliche Situation der jeweiligen Zeitung angemessen abbilden.

Welchen Stellenwert nehmen aus Ihrer Perspektive die Lokalteile ein?
Birgel: Alle wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass der Lokalteil den höchsten Leseranteil bei Regionalzeitungen hat. Das deckt sich übrigens auch mit den Aussagen des DNN-Leserbeirats.

Würden Sie einem jungen Menschen raten, den Beruf des Lokaljournalisten zu ergreifen?
Birgel: Also meine Tochter soll was Anständiges lernen ;) Der Beruf ist ungebrochen faszinierend, auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich schwieriger geworden sind. Wer für den Beruf brennt, dem würde ich dazu raten.

Und das sagt der Deutsche Journalistenverband Sachsen (DJV):

Michael Hiller: "Der Wert liegt höher"

Halten Sie die Honorare der Tageszeitungen in den Lokalteilen für angemessen?
Michael Hiller, Geschäftsführer des DJV-Landesverbandes Sachsen: Nein, wir halten die Honorare für Freie generell nicht für angemessen. Denn was angemessen ist, steht beispielsweise in den Gemeinsamen Vergütungsregeln oder in Tarifverträgen, die es auch für Freie Journalisten gibt und die durchaus auch in Sachsen Gültigkeit haben. Es geht auch nicht nur um die Honorare, sondern auch um die Rahmenbedingungen, wie Verwertungs- und Nutzungsrechte, die angemessene Bezahlung von Auslagen, den Umgang mit Urheberrechten. Freie werden oft einseitig in Vertragsverhältnisse gedrängt. Auch dem Journalismus sehr angetane Unternehmungen diktieren Freien Mitarbeitern die Konditionen.

Was tut der DJV Sachsen, um die Situation der Freien Journalisten im Freistaat zu verbessern?
Hiller: Im DJV Sachsen sind mehr als 50 Prozent der Mitglieder freiberuflich tätig. Die meisten sind mehr oder weniger Einzelkämpfer. Um zu erfahren, wie es diesen Journalisten geht, finden regelmäßig Informationsrunden und Umfragen (letzte 2013) statt. Der Freiberufler ist permanent Thema im DJV Sachsen. Ich habe aber manchmal den Eindruck, viele Journalisten können oder wollen ihre wahre Situation nicht einschätzen, sie sind zu sehr auf den Augenblick fixiert. Der DJV insgesamt bietet daher von der Erstberatung bei Einstieg in die Freiberuflichkeit, über Weiterbildung, Rechtsberatung bis hin zu Rechtsschutz ein breites Serviceangebot, dass sich vor allem an den Bedürfnissen der Freien orientiert. Die Erarbeitung vom Musterverträgen und Geschäftsbedingungen gehört ebenso dazu wie die Verhandlung von Regeln für den Umgang mit Freiberuflern (Vergütungsregeln/Tarife). Der Freiberufler ist aber selbstständig im Sinne eines Unternehmers. Er muss auf der Grundlage beispielsweise von Regeln eines Berufsverbandes eigene Konditionen entwickeln, verhandeln und auch vereinbaren. Dabei muss er sich gegen oft übermächtig erscheinende Medienunternehmen zur Wehr setzen. Der DJV steht dabei an der Seite des Journalisten. das heißt natürlich nicht, dass der Verband alles sofort und immer im vollsten Interesse des Einzelnen regeln kann.

Würden Sie einem jungen Menschen raten, den Beruf des Lokaljournalisten zu ergreifen?
Hiller: Ich halte den Beruf des Journalisten nach wie vor für attraktiv. Wer ihn ergreifen will, braucht gutes Allgemeinwissen und (s)ein Spezialgebiet und er muss heute mehr denn je unternehmerisch denken. Auch wenn es uns nicht gefällt, die journalistische Arbeit ist ein anspruchsvolles, kreatives Handwerk, das seinen Wert hat und der muss sich auf dem Markt auch realisieren. Dieser Wert ist - wie bei anderen Tätigkeiten auch - aber nicht die Menge Geld, die gerade mal so nötig ist für eine warme Mahlzeit und ein ebensolches Zimmerchen für zwei, drei Stunden Schlaf. Der Wert liegt höher, denn auch der Journalist muss sich reproduzieren, braucht Geld und Zeit für Urlaub, Weiterbildung und vielleicht für eine langwierige Krankheit.
Wer vom (Lokal)journalismus auf Dauer leben will, darf nicht nur nach dem schnellen Euro schielen oder der schicken kostenlosen Veröffentlichung. Journalisten haben nichts zu verschenken, weder an Honorar, noch an Urheber- und Nutzungsrechten. Gerade die Printmedien glauben aber ihre Probleme und ihre Hilflosigkeit hinsichtlich Internet usw. auf den Rücken der Journalisten lösen zu können und beschneiden sie zunehmend.

12 Kommentare
  • Frank Dehlis
    Februar 17, 2014

    Eine Frage mit einer Gegenfrage zu kontern und die Frage nach der eigenen Perspektive mit "wissenschaftlichen Untersuchungen" und dem "Leserbeirat" zu beantworten ist schon eine chefredakteurswürdige Leistung...

  • Mary
    Februar 18, 2014

    Die gleichen Honorare habe ich als Freie in Münster vor etwa 5 bis 10 Jahren auch bekommen. Auch in der Lokalredaktion. Es hat sich also seit dem nichts geändert. Und es wird sich auch nichts ändern, solange die paar Männeckes für so wenig Geld ihre Zeit opfern. Ich habe irgendwann damit aufgehört, weil es mir einfach zu blöd war, meine wertvolle Zeit für ein olles Käseblatt zu vergeuden. Von Karrierechancen habe ich da auch nichts gemerkt. Ich denke so, wie der zitierte Fotograf. In spätestens zehn Jahren werden sie keinen mehr finden, der für so wenig Geld und Wertschätzung durch die Dörfer tuckert.

  • Hansi Schmitz
    Februar 18, 2014

    Wenn die alle so eine Rechtschreibung drauf haben wie der Autor dieses Artikels, dann können sie leider nicht besser bezahlt werden. Ein zusätzlicher Redakteur muss dann alles korrigieren.

  • Jeeves
    Februar 18, 2014

    Ich muss von Musik leben und erinnere noch gut, wie vor ein paar Jahren alle(?) Gazetten die Piraten lobten, die Rechte der Komponisten als überflüssig sahen und überhaupt über die doofe und pöse pöse Musikindustrie lästerten, die massive Einbußen (wg. illegaler downloads, mp3, etc.) hatte; die wären ja selbst Schuld, weil sie die neue Technik verschlafen haben.
    Nun geht's den Schreibern seit einiger Zeit ebenfalls an den Kragen. Aus nicht ganz unähnlichen Gründen.
    .
    Zum Glück ist "Schadenfreude" keine der 7 Todsünden.

  • Oliver
    Februar 18, 2014

    Mal zum Vergleich ein Beispiel aus einer anderen Region: Ich habe fast zehn Jahre als "fester" Freier für eine Zeitung in Ddorf gearbeitet. Während es anfänglich 25 Cent pro Zeile gab, bekam ich später mit steigenden Aufgaben und Kompetenzen eine Monatspauschale von 2000 Euro zzgl. Fahrtkosten, wenn diese außerhalb der Stadt lagen. Dabei gab es aber auch eine Deckelung. Das war noch eine halbwegs "faire" Regelung, ich musste mir aber auch noch einiges dazu verdienen. Was dann zeitlich schwierig war, weil ich in der Sportredaktion wie ein Redakteur (Blattplanung, bis zu 6 Seiten selbst layouten, Termine wahrnehmen, die "normalen" Freien einteilen und deren Texte redigieren) gearbeitet habe und das ein ziemlicher Umfang war. Allerdings zugegeben auch toll, denn wer hat als Freier schon so weitreichende Aufgabenbereiche...?

    Nach einigen kurzen Zwischenstationen in der "richtigen" Welt bin ich wieder als Freiberufler bei der Zeitung gelandet, diesmal im Lokalteil für Ddorf. Da bekam ich direkt vom Lokalchef den Spruch "Die Freien bekommen bei mir keine Monatspauschale, dann werden sie nämlich faul." So viel zum Thema "Motivation" oder auch Wertschätzung von Arbeit. Denn der Umfang war ähnlich wie zuvor im Sportteil: ein eigener, fester Bereich zur Berichterstattung, selbst das Layout erstellen, andere Freie in "meinem" Beritt selbst einteilen, Termine wahrnehmen, etc.. Das komplette Paket halt. Auch das hat wieder riesigen Spaß gemacht, war aber noch schlechter bezahlt. Ich habe dann für eine Tagespauschale von 95 Euro gearbeitet - meine Einsätze blieben aus "Kostengründen" dabei auf 3 bis maximal 5 Tage pro Woche beschränkt.

    Über Abendtermine, z.B. bei Konzerten oder Sonntagsdienste in der Redaktion (jeweils + 30 Euro), kam ein bisschen was hinzu. Bis dann so "nette" Aktionen anfingen, wie die Honorare für Abendtermine rückwirkend und stillschweigend für die Tage, an denen ich "ja ohnehin schon eine Tagespauschale bekomme" (O-Ton), zu streichen. Was allerdings erst mitgeteilt wurde, als mir einige Euro mehr bei der nächsten Überweisung fehlten und ich dies monierte. Das Zusatzhonorar für die Sonntagsdienste wurde auch kurz danach mit dem Hinweis auf Sparmaßnahmen ganz einkassiert.

    Letzten Endes war es dann so, dass ich es mir diese Arbeit einfach nicht mehr leisten konnte... Trotz weiterer zusätzlicher Auftraggeber und Jobs - mit einem Sohnemann im Leben war das einfach nicht mehr darstellbar - und mein Leben nicht mehr finanzierbar durch diese Arbeit.

    Und dabei habe ich sie richtig gerne gemacht...

    Wenn ich heute höre, was in der Redaktion los ist, dann muss ich feststellen: Es gibt (leider) immer wieder jemanden, der für noch weniger Geld den Job macht.

  • Nania
    Februar 18, 2014

    Ich muss sagen, dass ich es als Nebenverdienst als Schüler und als Student gar nicht schlecht finde. 30 Cent pro Zeile sind sicherlich nicht die Welt, rechtfertigen nicht einmal die Anfahrt vom Studienort zum "Arbeitsplatz" - aber: Ich erhoffe mir davon für mein späteres Leben etwas. Wenn es nicht für ein Volontariat reicht, dann vielleicht für etwas anderes. Selten sind Sachen, die man im Leben gemacht hat, im Endeffekt wirklich sinnlos.

  • Somaro Etalon
    Februar 18, 2014

    @Nania
    Sorry, Sie desillusionieren zu müssen, aber sich diese Ausbeutung schön zu reden bringt nichts. Und im Endeffekt werden Sie merken, dass mehr als die Hälfte der Dinge, die man im Leben macht sinnlos waren.

    Möglich allerdings, dass Ihnen das Spaß machen wird. Wenn Sie es jedoch nur machen würden, weil Sie meinen dass es nachher nochmal einen Sinn haben wird, dann sollten Sie es lassen.

  • Andreas
    Februar 18, 2014

    Ich habe als freier Mitarbeiter angefangen, dann Volontariat, Redakteur und dann wieder als freier Redakteur gearbeitet. Die Zahlen, die hier so genannt wurden, decken sich oftmals mit meinen Erfahrungen - aber wenn, dann immer am untersten Rand. Denn in den neuen Bundesländern wurde und wird man mit bspw. 8 Euro pro Bild noch richtig gut bezahlt - habe manchmal komplett layoutierte Sonderseiten abgegeben - da konnte ich mit Glück mal 40 oder 50 Euro erhalten.

    Das "Verrückte" - es hat Spaß gemacht. Zum Leben war es nicht geeignet, viel zu wenig Geld für viel zu viel Aufwand. Aber der Job war schön... nur ist er es wert? Hmm, bin hin- und hergerissen, nicht mehr im Journalismus und würde mir dringend wünschen, dass es irgendwie eine Möglichkeit gäbe, den Enthusiasmus und den Einsatz der meisten (gibt immer Ausnahmen) finanziell einfach besser abzubilden.

    Die goldenen Zeiten (weiss genau, wieviel ein Redakteuer Anfang der 90er verdient hatte) wird es nie wieder geben, das ist auch klar.

  • Tino V. Göbel
    Februar 19, 2014

    Als Fachmagazin für regionales Marketing ist die lokale und regionale Berichterstattung unser USP. Wir zahlen unseren Redakteuren 6ct pro Zeichen und liegen als Startup damit sogar über den Werten der regionalen Tagespresse?! Wir sind an freien Redakteuren, die uns mit Interviews und Beiträgen zum Marketing regionaler Unternehmen (dresden, leipzig) beliefern immer interessiert. wer will kann sich melden. LG. http://www.sputnika.de

  • Nono
    Februar 20, 2014

    Zur DNN: Die Frankfurter Liste dient dem Reiserecht(ohne Rechtgültig zu sein). Die Liste des DJV sagt etwas völlig anderes aus, da liegt die DNN weit darunter. Ein Zweitvergütungshonorar gibt es bei der DNN nicht. Nach Aussage Herrn Birgel hat der Lokalteil den höchsten Leseranteil. Im Umkehrschluss, die freien Redakteure, die im Lokalteil für den höchsten Leseranteil sorgen, verdienen am wenigsten, die daran keinen Anteil haben, am Meisten. Naja, eigentlich ist das überall so, also macht die DNN nichts ja verkehrt.

  • André Dreilich
    Februar 21, 2014

    Solange es "anschaffende Hausfrauen" (oder StudentInnen wie Nania) gibt, die quasi für lau arbeiten, damit sie ihren Namen im Blatt lesen, kommen professionell agierende Freie auf keinen grünen Zweig. Und solange es aufstockende Freie gibt, die sagen "Mir reicht das", ändert sich an der Misere auch nichts. Die einzige Alternative ist es, (zumindest einige Zeit) nicht für die Verlage zu arbeiten, die Seiten weiß zu lassen, dann bewegt sich was. Im Klartext: Das Gejaule der befragten ChRs ist doch nur Augenwischerei ... spätestens wenn sie die Mutterhäuser mal wieder über ihre wirtschaftliche Lage auslassen und zB. SZ und LVZ Geld an die SPD überweisen, wird doch deutlich, dass es so traurig nicht aussieht.
    PS.: Um nicht in den falschen Topf geworden zu werden ... ich arbeite seit fast zehn Jahren nicht mehr für lokale "Spaßauftraggeber" ... mein Schlüsselerlebnis war eine Honorarüberweisung der Freien Presse für einen Text in irgendeiner Kreisredaktion ... natürlich netto. Als ich die USt anmahnte (bin ja keine anschaffende Hausfrau, wurde die auch nachgeliefert ... die USt machte für einen durchaus nicht kurzen Artikel weniger aus als die Bankgebühren ...

  • Martin Müller
    Februar 22, 2014

    Ein Fotografenkollege hatte mir mal bei einem Workshop erzählt, dass bei der **** Zeitung (***Hinweis: Name der Zeitung entfernt, weil unbelegte Tatsachenbehauptung, owy***) eine Kollegin gibt, die Fotos auf der 400 EURO-Basis macht. Der eigentliche Fotograf für die Lokalredaktion wurde daraufhin nur noch für drei Tage in der Woche gebucht. Zuvor hatte er die ganze Woche zu tun!

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