Rick Noack: „Jugendliche wollen von Nachrichten gefunden werden“

Rick Noack, Foto: PR

Zusammen mit der Münchner Abiturientin Christina Kufer (19) produziert der Dresdner Schüler Rick Noack (17, Foto) seit heute offiziell den Newsletter "Zeit für Euch". Der Hamburger Zeitverlag baut damit und dem Angebot "Zeit für die Schule" sein Angebot für die junge Zielgruppen deutlich aus.

Flurfunk Dresden wollte von dem jungen Dresdner Journalisten (der auch schon für flurfunk-dresden.de bzw. presseclub-dresden.de geschrieben hat) wissen, wie er zu dem Job bei der "Zeit" gekommen ist und was er sich davon erhofft. Ein Interview.

Flurfunk Dresden: Wie bist Du dazu gekommen, einen Schüler-Newsletter für die "ZEIT" zu gestalten?
Rick Noack:
Seit ich 13 Jahre alt bin, habe ich als freier Journalist gearbeitet, zunächst bei der “Sächsischen Zeitung”. Später habe ich begonnen für bundesweite Medien wie “Spiegel Online” zu schreiben, verschiedene Nachwuchspreise gewonnen. Auch verschiedene Praktika bei nationalen und internationalen Zeitungen und Fernsehsendern habe ich inzwischen gemacht. Das alles hat wohl dazu beigetragen, dass die “Zeit” auf mich aufmerksam wurde. Denn der Zeitverlag hatte Anfang diesen Jahres die Grundidee, ein Nachrichtenangebot für Jugendliche zu gestalten. Dafür hat der Verlag in ganz Deutschland junge Journalisten ermutigt, das Konzept eines Newsletters zu entwickeln und sich damit zu bewerben. Mein Testexemplar kam gut an, weshalb ich in die Endauswahl gekommen bin und nach Hamburg zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurde. Kurz darauf kam dann der Anruf, dass meine Bemühungen erfolgreich waren und ich meine Ideen in die Entwicklung des Newsletter-Konzepts mit einbringen kann.
Das hat mich unglaublich gefreut, denn ich war von Anfang begeistert von dem Projekt. Ich finde es wichtig, dass Verlage sich um junge Zielgruppen bemühen und mit neuen Verbreitungswegen experimentieren. Denn bei meinen Freunden in der Schule merke ich immer wieder: Jugendliche interessieren sich für Nachrichten – aber sie wollen sie nicht suchen, sondern von ihnen gefunden werden.
Projekte wie das Jugendmagazin “Spiesser” setzen auf extra jugendgerecht produzierte Artikel und Beiträge. “Die Zeit für Euch” geht einen anderen Weg: Wir glauben, dass die “Zeit” jede Woche unglaublich viele Artikel veröffentlicht, die Jugendliche gern lesen würden – auf die man sie aber aufmerksam machen muss, um sie an die Marke “Zeit” heranzuführen.

Flurfunk Dresden: Wie soll das konkret aussehen?
Rick Noack: Dadurch das Christina und ich – die Absender des Newsletters – selbst noch unter 20 sind, schaffen wir eine Identifikationsmöglichkeit für die Jugendlichen. Dadurch hoffen wir, nach und nach eine Beziehung zu unseren Lesern aufbauen zu können, so dass sie unseren Empfehlungen vertrauen und sich freuen, jeden Montag eine E-Mail von uns zu bekommen.
Der Newsletter ist natürlich die Basis, allerdings nicht die einzige Verbreitungsmöglichkeit. Über “Zeit für Euch”-Accounts bei Facebook, Twitter und YouTube werden wir weitere Abonnenten gewinnen und mit unseren Lesern in einen Dialog treten. Jugendliche wollen zu allem ihre Meinung sagen, mitdiskutieren und mitentscheiden können. Kommentare von Lesern platzieren wir deshalb prominent und fördern auch die Diskussion auf unserer Facebook-Seite. Die YouTube-Videos werden von uns zwei jungen Journalisten moderiert und sollen normale Jugendliche und ihre Meinung zu aktuellen Themen in den Vordergrund rücken. Dabei ist es hilfreich, dass ich von 2009 bis 2010 knapp ein Jahr lang für Dresden Fernsehen einen “Jugendreport” moderiert habe und meine Erfahrungen nun bei der “Zeit für Euch” einbringen kann.

Flurfunk Dresden: Nach welchen Kriterien werden die Themen bzw. die Artikel, die im Newsletter erscheinen, ausgewählt?
Rick Noack: Die Idee des Newsletters ist simpel und dennoch wirksam: Zwei junge Journalisten empfehlen die für Jugendliche besten Beiträge der “Zeit” jede Woche kostenlos. Die Frage, die ich mir immer als erstes stelle, lautet: Würdest Du diesen Text wirklich in der Pause deinen Freunden empfehlen? Wie würden sie reagieren? Wie könntest Du den Link zum Artikel in eine persönliche Erzählung einbetten?
Grundsätzlich sollten die Beiträge in die Ressorts “Die Woche” (wichtige Nachrichten), “Das Leben” (Reportagen, Interviews) und “Die Zukunft” (Karriere-Themen) passen. Das Ziel des Newsletters ist natürlich, einen Überblick zu geben, aber vor allem auch, die Jugendlichen auf die ZEIT-ONLINE-Seite zu lenken.

Flurfunk Dresden: Wählt Ihr die Themen wirklich selbst aus oder gibt es bestimmte Anweisungen?
Rick Noack: Grundsätzlich wählen die zwei Jungjournalisten die Themen aus und gestalten den Newsletter nach ihren Vorstellungen. Wir haben da sehr viele Freiheiten. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir auf uns gestellt sind und die “Zeit” uns gesagt hat: Jetzt macht mal irgendetwas und wir schauen mal, ob’s klappt. Im Gegenteil: Ich habe noch nie einen Verlag erlebt, der so offen war für neue Ideen, wie man mit Nachrichten Jugendliche erreichen könnte.
Vor allem auch in den nächsten Wochen werden wir in Zusammenarbeit mit dem Zeitverlag viel experimentieren, viel lernen und das Angebot wird sich sicher weiterentwickeln. Gleichzeitig spielt die Qualität natürlich eine sehr große Rolle bei der “Zeit”. Vor der wöchentlichen Veröffentlichung von “Die Zeit für Euch” werden die kurzen Texte noch redigiert und überprüft und mit der Projektleiterin Nicole Mai in Hamburg abgestimmt.

Flurfunk Dresden: Für die Auswahl der Themen müsst Ihr bestimmt jeden Tag die Zeitung und das Onlineangebot lesen, um nichts zu verpassen. Wie lässt sich das zeitlich mit Deinen anderen Verpflichtung wie der Schule verbinden? Lohnt sich die Arbeit im Vergleich zum Zeitaufwand?
Rick Noack: Die Arbeit lohnt sich definitiv. Die “Zeit” würde ich sowieso lesen, von jetzt an nur noch etwas intensiver. Und eine Arbeit, die zu großen Teilen aus “Zeitung lesen” besteht, bekommt man nicht jeden Tag angeboten.

Flurfunk Dresden: Ihr arbeitet zu zweit an dem Projekt: Gibt es eine bestimmte Aufgabenteilung, z.B. Du nimmst dir bestimmte Sparten bzw. Themen vor und Deine Kollegin Christina andere? Wie läuft das?
Rick Noack: Nein, wir haben genau die gleichen Aufgaben und wechseln uns wöchentlich mit der Produktion ab. Mal werden die “Zeit” Inhalte aus Christinas Perspektive empfohlen, mal aus meiner.

Flurfunk Dresden: Was erwartest Du Dir davon für die Zukunft, dass Du an einem Projekt wie diesem arbeitest?
Rick Noack: Zunächst einmal hoffe ich, dass das “Zeit für Euch”-Konzept erfolgreich ist und wir möglichst viele Jugendliche für die größte Wochenzeitung Deutschlands begeistern können. Es ist schön, Teil von solch einem spannenden Projekt zu sein und dessen Entwicklung mitgestalten zu können. Ich denke, ich werde durch das Feedback und detaillierte Statistiken viele wertvolle Erfahrungen sammeln können. Denn in Zukunft werden sich Verlage noch viel stärker fragen, wie sie ihre – an sich qualitativ hochwertigen – Beiträge verkaufen und verbreiten können. Journalisten, die sowohl journalistisch als auch visionär in dieser Hinsicht denken, werden gefragt sein.
Das “Zeit für Euch”-Konzept ist in seiner Ausprägung meiner Meinung nach neu und das macht den Reiz aus. Wir haben uns das Konzept nicht bei anderen Jugendmagazinen abgeschaut und das x-te neue Onlineportal ausgedacht, sondern einen eigenen Ansatz umgesetzt.
Flurfunk Dresden: Vielen Dank für das Interview.

Hier kann man den “Zeit”-Newsletter bestellen: community.zeit.de/newsletter

Hier gibt es mehr Informationen zu Rick Noack: www.ricknoack.wordpress.com

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