KI.KA-Skandal: „taz“ veröffentlicht internen Revisionsbericht

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Die "taz" hat den internen Revisionsbericht zum KI.KA-Skandal veröffentlicht. Der 86-seitige Bericht ist als PDF zum Download auf den Seiten von taz.de zu finden - an einzelnen Stellen sind Namen geschwärzt.

In dem einordnenden Text von Steffen Grimberg (Titel: "Wie ein Krimi") heißt es:

"Der Bericht erlaubt einen minutiösen Einblick in die Kontrollproblematik beim Kinderkanal, aber auch beim MDR und enthält Lehren für den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Daher gehört er an die Öffentlichkeit."

Wohl wahr - und auch der Titel der "taz"-Geschichte ist sehr zutreffend - der Bericht liest sich tatsächlich "Wie ein Krimi". Die "taz" stellt auch unterschwellig die Frage, ob die bisherigen personellen Konsequenzen, die beim MDR gezogen wurden, eigentlich ausreichend sind.

Denn MDR-Intendant Udo Reiter hatte in Zusammenhang mit dem Skandal häufiger von "erheblicher krimineller Energie" gesprochen - der Eindruck war entstanden, als könne man sich als Rundfunkanstalt dagegen nicht wehren. Die "taz" schreibt:

"Der Revisionsbericht räumt vor allem mit der Legende auf, K. sei ein bedauerlicher Einzelfall nach dem Motto 'gegen geballte kriminelle Energie ist kein Kraut gewachsen'."

Immerhin werde "gegen insgesamt 11 Personen, 6 Geschäftsführer verschiedener Firmen und 5 Personen aus dem Bereich" des Kika ermittelt, so die "taz". Im Revisionsbericht heißt es:

"Eine wesentliche Ursache dafür, dass die betrügerischen Handlungen mit den erheblichen Schäden gelingen konnten und über die Jahre unentdeckt blieben, war ein Kontrollumfeld in KI.KA und MDR, das die Schwachstellen im Internen Kontrollsystem hat entstehen lassen und in dem es an Bewusstsein für die Risiken aus möglichen wirtschaftskriminellen Handlungen gemangelt hat. Dies äußerte sich insbesondere darin, dass selbst gezielte Hinweise aus Revisionsprüfungen auf die relevanten Schwachstellen nicht ernst genommen und auch sonstige Signale bzw. Verdachtsmomente ausgeblendet wurden."

Und:

"Nach den bisherigen Feststellungen ist davon auszugehen, dass im KI.KA und im MDR ein mangelndes Bewusstsein für Kontrollen und Risiken wirtschaftskrimineller Handlungen die Machenschaften des Herstellungsleiters begünstigt haben. Die Ursachen hierfür sind zunächst in der Entstehungsgeschichte des KI.KA und in der Stellung des Herstellungsleiters begründet."

Insbesondere der ehemalige KI.KA-Geschäftsführer Frank Beckmann, heute beim NDR, dürfte durch den Bericht weiter unter Druck geraten. Ist so jemand für eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt eigentlich noch tragbar? Und müssten nicht noch weitere Personen, die so fahrlässig mit dem Geld der Gebührenzahler umgegangen sind, ihren Hut nehmen?

Zitat aus dem "taz"-Artikel:

"Wegen der Vorgänge beim Kika hat bislang allerdings nur der Verwaltungsdirektor des MDR seinen Hut genommen, aber ausdrücklich erklärt, dass dies kein "Schuldeingeständnis" sei. Mehrere andere Mitarbeiter, wie der heutige Kika-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp, wurden arbeitsrechtlich er- bzw. abgemahnt."

Hier geht es zum "taz"-Stück: "Wie ein Krimi".

Nachtrag 9.5.2011: Die "taz" hat gestern nochmal nachgelegt - offenbar gab es einige Reaktionen auf die Veröffentlichung des Revisionsbericht. Steffen Grimberg schreibt gestern (Sonntag):

"Richtig ist: Der Verwaltungsdirektor des MDR, Holger Tanhäuser, hatte schon im März die Verantwortung übernommen und - natürlich ohne Anerkennung eines eigenen Verschuldens - sein Amt zur Verfügung gestellt. Das ist praktisch, denn so ist zumindest schon mal jemand verantwortlich, und die Schuldfrage muss nicht allzu detailliert geklärt werden. Der MDR-Fernsehdirektor erhielt lediglich eine Ermahnung, Kika-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp wurde abgemahnt. Viel mehr war da nicht, aber immerhin beim Kika selbst tut sich was: Der sei nicht nur enger in das Controlling der MDR-Fernsehdirektion eingebunden, sagt MDR-Sprecher Thärichen: 'Die Ausschreibung einer neuen, zusätzlichen Controllingstelle im Kika wird derzeit vorbereitet.' Wenn das nichts ist."

Das neue Stück, in dem auch ausführlich der ehemalige Programmdirektor des KI.KA Frank Beckmann zitiert ist, findet sich unter dem Titel: "Das Gezocke von Erfurt".

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