Zeitungsgruppe Madsack baut um: Mutterhaus von „LVZ“ und „DNN“ plant Zentralredaktion

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Die Zeitungsgruppe Madsack, Mutterhaus von insgesamt 18 Regionalzeitungen (darunter "LVZ" und deren Ableger "DNN"), will den Konzern umbauen und das Zeitungsgeschäft konsolidieren. Dazu gehört auch die Schaffung einer Zentralredaktion für überregionale Inhalte, also den sogenannten Mantelteil der Zeitungen.

Demnach erfolge "an allen Standorten die "Fokussierung auf lokale und regionale Kompetenz in Vermarktung und Redaktion". Wörtlich heißt es: "Überregionale Aufgaben werden zentralisiert und gebündelt". Laut der Mitteilung erfolge der "Aufbau einer Zentralredaktion für die Erstellung von überregionalen Inhalten“ noch 2013 - am Konzernstandort Hannover.

Das hat die Madsack-Geschäftsführung unter der Leitung von Thomas Düffert 100 Tage nach ihrem Amtsantritt auf einem Führungskräfte-Treffen mitgeteilt. Laut einer Pressemitteilung vom 2.10.2013 trägt das Umbau-Programm den Namen "Madsack 2018".

Düffert ist in der Mitteilung wörtlich zitiert:

"Der besondere Wert regionaler Medien liegt im unverwechselbaren regionalen Inhalt, der tief in der Lebenswelt der Menschen verankert ist und Heimat widerspiegelt. Die regionale Berichterstattung ist die Basis von allem - aber wir müssen auch dem Anspruch unserer Leser nach gut recherchierten, überregionalen Inhalten gerecht werden. Würde sich jede unserer Regionalredaktionen auch mit allen überregionalen Themen beschäftigen, könnte sie sich nicht auf ihre jeweilige regionale und lokale Kernkompetenz konzentrieren. Die überregionale Berichterstattung wird besser, wenn wir sie mit den vereinten Kräften der ganzen Gruppe gestalten."

Auf dem Führungskräfte-Treffen hatten fünf Madsack-Chefredakteure, darunter Jan Emendörfer von der "Leipziger Volkszeitung", das "künftige Leitbild einer klug vernetzten Redaktion" präsentiert. Oder vielmehr "mussten präsentieren", so Beobachter. Immerhin bedeuten die Veränderungen für sie doch einen herben Macht- und Einflussverlust (eine Linkliste mit Berichten und Kommentaren zum Thema finden Sie unten).

Einheitlicher Mantel unwahrscheinlich - Zeitungen haben unterschiedliche Formate
Schon heute am Nachmittag (7.10.2013) soll den Mitarbeitern der "LVZ" die Veränderung vorgestellt werden. Wie der Aufbau dieser Zentralredaktion genau ablaufen soll, wird dort aber vermutlich nicht verkündet, herrscht zu dieser Frage auch unter den Teilnehmern des Führungskräftetreffens weitestgehend Unklarheit.

Nicht offen kommuniziert ist bislang auch, ob die Aktion Stellenstreichungen bedeutet - wobei wohl zu erwarten ist, dass mit der Maßnahme auch die Personalstruktur verschlankt werden soll. Insider vermuten, dass die betroffenen Redakteure aus den Mantelredaktionen in den einzelnen Zeitungshäusern das Angebot bekommen, sich für die neue Redaktion in Hannover zu bewerben. Wobei hier auch noch nicht feststeht, wer diese Redaktion leitet.

Dass alle Zeitungen einen einheitlichen Mantel bekommen, erscheint dagegen unwahrscheinlich - immerhin haben die Blätter teilweise unterschiedliche Formate, was sich wohl kaum zeitnah ändern wird.

Vorbild für die neue Struktur könnte die derzeitige Filmseite in den Zeitungen sein, die jetzt schon zentral in Hannover entsteht. Oder die Struktur zwischen Leipzig und Dresden: Die "DNN" hat zwar einen eigenen Chefredakteur, bezieht aber eine ganze Reihe Seiten aus Leipzig, die nur im Bedarfsfall geändert werden. Der Angebotscharakter wird hier aber oft genug mangels Ressourcen wahrgenommen.

Die Fokussierung sollte vor allem dort stattfinden, wo es der Leser nicht merkt, habe Düffert auf dem Führungskräfte-Treffen gesagt. Dass die Straffung der Strukturen durchaus Sinn macht, so die Einschätzung von Insidern, habe die Konzentration der Korrespondenten in Berlin gezeigt (vgl. Flurfunk Dresden vom 1.11.2011: "Madsack bündelt überregionale Berichterstattung der Lokalzeitungen").

Zeitungsbranche fürchtet Mindestlohn
Die Maßnahme ist eine Reaktion auf den steigenden Kostendruck in der Zeitungsbranche ganz allgemein: Seit Jahren sinken die Auflagen und damit die Abo-Einnahmen, parallel dazu haben sich die Werbeeinnahmen drastisch reduziert. Auch in anderen Häusern zeichnet sich ab, dass sich die Kosten- und die Einnahmekurven schon in wenigen Jahren treffen könnten. Es ist also sparen angesagt.

Hinzu kommt, dass sich die Verlagshäuser vom möglicherweise kommenden Mindestlohn bedroht fühlen: Sollte der Mindestlohn kommen, würden insbesondere die Vertriebsabteilungen, aber auch die Postdienstleister und Callcenter die eigenen Strukturen umbauen oder deutlich mehr Geld für Personal in die Hand nehmen müssen.

Madsack plant deswegen auch die Flucht nach vorn: Man will außerdem weiter wachsen. Neben dem Ausbau des Postgeschäftes sollen auch die "Services für kleine und mittlere Unternehmen" künftig mehr zum Konzernumsatz beitragen. Das Wachstum soll "organisch und akquisitorisch" erfolgen, so Düffert in der Mitteilung - heißt: Auch der Zukauf weiterer Zeitungen könnte zukünftig zur Umsatzsteigerung beitragen.

Schon sind die ersten Mahner da: Die Umbaumaßnahme sei ein "Schlag gegen die Medienvielfalt", zitiert der Branchendienst Meedia den Deutschen Journalisten Verband (DJV). Nach dem Verkauf der Springer-Zeitungen an die Funke-Gruppe ist "Madsack 2018" tatsächlich der nächste große Einschnitt in die Zeitungslandschaft in jüngerer Zeit.

Ob aber im Zeitalter von Social Media wirklich die Vielfalt bedroht ist? Fakt ist: Das dürfte nicht der letzte große Umbau in der Branche gewesen sein.

Linkliste zum Thema:

 

2 Kommentare
  • stefanolix
    Oktober 7, 2013

    Wenn die Zentralredaktion mit genügend Personal arbeitet und wenn die Ressourcen ausreichen, kann das sogar eine Qualitätsverbesserung des überregionalen Teils bedeuten.

    Eine Einbuße an Vielfalt sehe ich nicht: Die meisten überregionalen Meldungen in LVZ und DNN kommen doch ohnehin schon von der Nachrichtenagentur dpa oder von der zentralen Redaktion aus Berlin (Dieter Wonka und Kollegen).

    Natürlich muss der Berufsverband reflexartig sagen: Die Vielfalt wird geringer. Aber die Leser bekommen doch von dieser »Vielfalt« gar nichts mit: Wer kauft denn in Dresden die LVZ oder die HAZ ergänzend zur DNN? Wer liest denn überhaupt zu Vergleichszwecken oder aus Eigeninteresse alle Zeitungen der Madsack-Gruppe?

  • Steffen Peschel
    Oktober 7, 2013

    Die Frage für mich: Wo werden denn dann die Nachrichten mit Bundesland-weiter Relevanz bearbeitet?

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