DieSachsen.de: „70 Prozent der Einnahmen gehen an die Blogger“

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Das Angebot DieSachsen.de ist dem einen oder anderen vielleicht schon mal untergekommen: Die Seite ist einst als Nachichtenaggregator für Sachsen gestartet, bei dem verschiedene Inhalte zusammenfließen. Darunter zum Beispiel der RSS-Feed von Flurfunk.

Nachdem der Gründer der Seite Thomas Wolf 2013 zur DDV-Mediengruppe ging (vgl. Flurfunk vom 1.3.2013), schlief das Projekt etwas ein. Seit 2015 nun ist Wolf als selbstständiger Berater unterwegs und entwickelt neue Projekte, zum Beispiel die Nachbarschaftshilfe-App MYU (vgl. Oiger.de vom 4.4.2016).

Jetzt hat er mit seinem Team DieSachsen.de heftig überarbeitet und will ganz groß angreifen. Im Interview mit Flurfunk sagt er: „Wir schaffen eine sachsenweite kostenfreie Alternative zu SZ-online, LVZ-online und freiepresse.de.“

Das ganze Interview lesen Sie hier:

Thomas Wolf, Foto: privat

Thomas Wolf, Foto: privat

Flurfunk: Die Sachsen startet neu am 1.9. neu. Was ist anders?
Thomas Wolf: Wir haben einen kompletten Relaunch gemacht, optisch wie technisch. Das alte Angebot gab es in der Form seit sieben Jahren, jetzt haben wir ein neues Design und eine komplett neue Plattform. Das Projekt DieSachsen.de war mit meinem Eintritt bei der DDV-Mediengruppe etwas eingeschlafen und bestand im Wesentlichen nur noch aus der Blogzentrale über die eingebundenen RSS-Feeds - darunter ja auch der Flurfunk.
Der Gedanke war aber schon bei der Gründung: Wie kann man Blogger zusammenbringen in einem zentralen Angebot? Wir haben jetzt ein Modell entwickelt, bei dem 70 Prozent der Einnahmen an die Blogger ausgeschüttet werden. Ein iTunes für Bloginhalte. Das betrifft nicht den RSS-Feed, sondern nur originär bei uns veröffentlichte Beiträge.

Flurfunk: Wie sieht das genau aus? Wie funktioniert das?
Wolf: Wir werten künftig jeden Tag unsere Zugriffe aus. In der Anfangszeit bekommen die ersten drei Blogger-Beiträge 7 Euro gutgeschrieben, die Plätze 4 bis 10 bekommen 5 Euro und für die Plätze 11 bis 14 gibt es noch 3 Euro. Wobei wir für jeden eingestellten und freigeschalteten Beitrag Reichweite bei Facebook einkaufen, also in jeden Beitrag auch investieren. Das heißt die Blogger bekommen bei uns ein kleines Honorar und Reichweite.

Flurfunk: Ist das nicht ein bisschen wenig Geld für einen Beitrag? Denkst du, da machen viele Blogger mit? 
Wolf: Am Anfang erscheinen die 7 Euro erstmal wenig, ja. Wer aber von Anfang an dabei ist, kann mit einem Beitrag mehrfach ins Ranking kommen. Beispiel: Der Flurfunk veröffentlich einen Beitrag bei uns und ist an drei Tage in den Top 3 und bekommt dafür dann 21 Euro. Wenn er in den nächsten Tagen noch ein wenig in den Top 15 weilt, erhöht sich Summe entsprechend.
Wir wissen, dass nicht jeder Blogger „juhu, endlich“ schreien wird. Wir machen hier ein Angebot und wer möchte darf mitmachen. Wer früh dabei ist, hat mehr davon. Geld ist auch nicht der einzige Anreiz, denn jeder Blogger profitiert ja gleichzeitig von der erzielten Reichweite der anderen und plötzlich entsteht ein bunter und attraktiver Mix an Inhalten, den wir orts- und in Kürze auch kontextbezogen ausspielen werden.

Flurfunk: Woher kommt das Geld?
Wolf: Wir glauben an das Projekt und investieren hier privates Geld. Natürlich werden wir mit der Zeit das Geld auch über Einnahmen decken.

Flurfunk: Welchen inhaltlichen Anspruch verfolgt das Projekt?
Wolf: Unser Anspruch ist es ein Nachrichtenportal für ganz Sachsen zu schaffen. Das heißt, dass hier eine Alternative zu sz-online.de, lvz-online.de und freiepresse.de entsteht. Wir haben von Anfang an dpa-Regio-Meldungen drin, d.h. es erscheinen jeden Tag mindestens 25 Artikel mit regionalem Bezug. So wissen auch unsere Kunden, dass es von Grund auf eine gewisse Reichweite und Kontinuität gibt. Die dpa-Geschichten werden für die mediale Grundabdeckung sorgen und durch die Bloggerinhalte und eigene redaktionelle Inhalte angereichert. So kommen die lokalen Nachrichten mit den spezifischen und lokalen Inhalten zusammen.

Flurfunk:Warum sollte ich das Angebot DieSachsen.de lesen?
Wolf: Der Schlüssel liegt darin, dass wir auf Augenhöhe mit Usern, Facebook-Fans, Bloggern agieren. Wir werden keine Meinung vorgeben und lassen bewusst auch Beiträge zu, die eine andere Sichtweise vertreten. Das ist unsere Kultur und passt irgendwie zum aktuellen „bunten“ Zeitgeist.
Bei uns kann der Leser lesen und wird nicht ständig von irgendwelchen Zappelein abgelenkt und es wird bei uns niemals eine Paywall geben, was in der Marktwahrnehmung durchaus positiv aufgenommen wird.

Flurfunk: Heißt?
Wolf: Wir werden das Content Management System und das Backend kontinuierlich weiterentwickeln. Die komplette Firma läuft über ein System, auch die Rechnungsabwicklung usw. – alles automatisiert, alles in einem System. So gesehen sind wir kein Verlag mit Technologie, sondern ein Technologie-Unternehmen mit sehr individuellen Inhalten.

Flurfunk: Wie wird DieSachsen.de Geld verdienen?
Wolf: Wir haben unterschiedliche Einnahmequellen im Blick: Einmal wollen wir natürlich über Werbung Geld verdienen. Der Klassiker. Zusätzlich wird es kostenpflichtige Unternehmensaccounts geben. Auch hier gehen wir neue Wege. Wir bieten beispielsweise unseren Kunden ein Jobflat und eine automatisierte Rotation der Unternehmensprofile. Das läuft dann unter dem Namen AdRotation und wird zukünftig orts- und kontextbezogen ausgespielt.

Flurfunk: Wie viele Leute seid ihr denn?
Wolf: Zum Kickoff besteht das Team aus acht Leuten, darunter zwei Redakteure und zwei Techniker. Die Leben tatsächlich derzeit alle noch von anderen Jobs. Das wir alle davon leben können, kommt dann noch…

Flurfunk: Warum sollte ich dir als Blogger meine Inhalte geben?
Wolf: Du bist bei uns Teil einer großen Marke, die wir aufbauen – wir haben da Großes vor. Als Blogger profitierst du von der Gesamtreichweite, die wir schnell bekommen werden. Da profitiert man auch davon, dass man nicht alleine vor sich hin bloggt, sondern in einem Verbund agiert. Alle gemeinsam werden von den ganzen SEO-Maßnahmen und den Etats, die wir in FB reinstopfen, profitieren. Der größte Vorteil aber: Die Blogger müssen sich um nix kümmern, können einfach nur schreiben und sich selbst weiterentwickeln…

Flurfunk: Glaubst Du wirklich, den etablierten Portalen das Wasser reichen zu können? Wie?
Wolf: Ja. Weil wir ein inhaltliches Angebot haben werden, das viel mehr der Lebenswirklichkeit der Menschen entspricht. Mopo24 sehe ich da gar nicht als Wettbewerber, das ist Boulevard. Wir haben vergleichbar viele Inhalte wie die anderen, aber durch unsere extrem schlanke Kostenstruktur einen großen Vorteil, den wir natürlich ausspielen werden.

Flurfunk: Aber so richtig kritische journalistische Geschichten sind da nicht dabei?
Wolf: Am Anfang noch nicht, aber das wird kommen. Schon heute arbeiten zwei Redakteure für uns, die u.a. das Interview mit Frank Richter gemacht haben oder auch mal eine Anfrage an die Stadt stellen, wenn es darum geht, wie viele unterschiedliche Religionen eigentlich in Dresden leben. Mit steigender Reichweite werden wir auch hier aufstocken.

Flurfunk: Ihr startet zum 1.September 2016 offiziell? Wie willst du DieSachsen.de bekannt machen?
Wolf: Eine Überlegung ist Straßenbahnwerbung… ein kleiner Insider. Wir werden natürlich anfangs sehr viel im Social Media Umfeld machen – auch Reichweite kaufen. Außerdem werden wir uns über Partnerschaften ein paar Klicks holen und Werbung online wie offline schalten… Unser Angebot wird im September und Oktober sichtbar werden, keine Sorge.

Flurfunk: Hast Du nicht Angst zu scheitern?
Wolf: Nein, denn dann bräuchten wir gar nicht anfangen. Ich glaube an die Idee und unser super Team. Die Idee ist schon so lange da, naheliegend und gleichzeitig so viel besser geworden – das wird funktionieren… Wir werden lernen und immer besser werden.

Flurfunk: Vielen Dank für das Interview!

2 Kommentare
  • Frau Joris
    August 30, 2016

    Das heißt also, dass 30% bei den "Sachsen" bleiben? Ist das denn genug Provision ;-)?? Gibt es auch Qualitätskriterien?

  • Thomas Wolf
    August 31, 2016

    Hallo Frau Joris, mitmachen kann grundsätzlich jeder. Wir veröffentlichen aber nicht alles, insbesondere dann nicht, wenn es gegen geltendes Recht verstößt. Gibt es aber z.B. unterschiedliche Meinungen zu einem Thema, dann lassen wir diese bewusst zu, damit sich die Leser ein eigenes Bild machen können. Ansonsten haben wir unter https://www.diesachsen.de/allgemein/kodex ein paar Regeln für die Inhalte definiert.

    Bei den 70 Prozent handelt es sich um die Werbeinnahmen, die im Blogumfeld auf der Startseite generiert werden.

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