LPK vergibt „Tonstörung“ an AfD Sachsen

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Die Landespressekonferenz Sachsen (LPK) vergibt ihren Negativ-Preis „Tonstörung“ 2018 an den Vorstand des sächsischen Landesverbandes der AfD. "Die von den Mitgliedern der LPK gewählte Jury hat die Entscheidung einstimmig getroffen", heißt es in einer Mitteilung.

In der Begründung kritisieren die in der LPK organisierten Journalisten die

"wiederholten Versuche der Partei, Berichterstattung über Mitglieder, Funktionäre oder innerparteiliche Vorgänge zu erschweren oder gar zu verhindern. Dazu bedient sich die Partei immer wieder des Mittels des Ausschlusses einzelner Pressevertreter oder Medienhäuser, etwa von grundsätzlich öffentlichen Parteiveranstaltungen. Die regelmäßige Verächtlichmachung von Medien gipfelte im vergangenen Jahr in der Ankündigung des AfD-Landesverbandes, die Redaktion von Tag24.de/Morgenpost gänzlich von der Berichterstattung auszuschließen."

Siehe dazu auch unseren Bericht vom 28.9.2018: "AfD-Medienboykott: LPK protestiert 'aufs Schärfste'".

Der Medienboykott war keine Premiere: Für den Ausschluss eines Journalisten der Sächsischen Zeitung (vgl. FLURFUNK vom 29.1.2018: "Sachsens AfD und die Pressefreiheit") hatte sich die AfD allerdings später entschuldigt (vgl. FLURFUNK vom 31.1.2018: "AfD Sachsen entschuldigt sich bei SZ-Journalist").

Weiter heißt es in der LPK-Mitteilung:

"An anderer Stelle wurde nur ausgesuchten Medien der Zugang gewährt. Zudem werden Medienhäuser in Pressemitteilungen und eigenen Veröffentlichungen der AfD des Öfteren an den Pranger gestellt, wenn deren Berichterstattung in Form und Darstellung eines Sachverhaltes nicht der Interpretation oder dem Weltbild der Führung der AfD Sachsen entspricht. In Summe offenbart sich aus Sicht der LPK eine grundsätzliche Abwehrhaltung von Teilen der AfD Sachsen gegenüber einer Reihe von Medienhäusern, denen die Parteispitze unterstellt, nicht neutral und objektiv zu berichten."

In der Mitteilung betonen die Politikjournalisten, "für sachliche und begründete Kritik jederzeit offen" zu sein.

Der Preis sei verbunden mit der Aufforderung an die AfD, "die vom Grundgesetz gewährte Pressefreiheit künftig uneingeschränkt zu gewährleisten." Dazu habe der LPK-Vorstand ein Gespräch mit dem AfD-Landesvorstand angefragt.

Ebenfalls im Rahmen der Tonstörung bedacht wurde die Arbeit der Pressestelle in der Polizeidirektion Chemnitz. Dabei geht es konkret um die Auskunftsfähigkeit in den Wochen nach dem Tötungsverbrechen an einem Chemnitzer Ende August.

In der Mitteilung heißt es:

"Insbesondere die Verifizierung von Geschehnissen bei oder am Rande von Demonstrationen in der Chemnitzer Innenstadt ließ aus Sicht der Berichterstatter vor Ort zu wünschen übrig. Der LPK ist in dem Zusammenhang die außerordentliche Lage, in der sich die Polizei in dieser Situation befand, durchaus bewusst. Für eine objektive (Live)-Berichterstattung sind Journalisten aber auf auskunftsfähige Pressesprecher der Polizei als neutrale Institution im Gesamtgeschehen angewiesen. Dort sieht die LPK noch Potential. Der LPK-Vorstand anerkennt, dass die Polizeiführung in Sachsen inzwischen auf die LPK und den DJV zugegangen ist, um die notwendige Zusammenarbeit zu verbessern."

Die LPK ist eine Zusammenschluss von Journalisten, die sich mit landespolitischer Berichterstattung befassen. Die aktiven Mitglieder arbeiten alle als Journalisten, die sich mit landespolitischen Themen beschäftigen. Darüberhinaus gibt es fördernde Mitglieder (z.B. FLURFUNK-Betreiber Peter Stawowy). Der Negativpreis "Tonstörung" wird jährlich rückwirkend vergeben für "unkommunikative Leistungen" und "Missstände in der landespolitischen Pressearbeit". Die Auszeichnung gibt es seit 2006.

Mehr über die Landespressekonferenz findet sich auf der Webseite.

1 Kommentar
  • Roland Schatz
    Februar 8, 2019

    (Nicht die einzige) Parallele zu Oesterreich: die FPOe droht "Falter", "Standard", dem ORF.

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