Bericht von der 3. öffentlichen MDR-Rundfunkratssitzung, 9.12.2019

Heute tagt erneut der MDR-Rundfunkrat öffentlich in Leipzig - zum dritten Mal. Anders als bei den vorherigen zwei Sitzungen werde ich heute aber wirklich nicht live tickern, sondern nur wichtige Ergebnisse zusammenfassen.

Die Tagesordnung für die Sitzung heute (9.12.) ist hier zu finden.

Ich habe es eben schon getwittert: Die neue Vorsitzende des MDR-Rundfunkrats Prof. Gabriele Schade hat mich eben als einzigen Vertreter der Medien öffentlich und namentlich begrüßt (man kennt sich inzwischen ja auch schon einige Jahre).

Dann hat sie den Hinweis auf das Verbot von Ton- und Bild-Aufnahmen mit meiner Berichterstattung verbunden - Herr Stawowy macht das ja routiniert und gut. Ich bin kurz rot geworden und fühle mich jetzt irgendwie befangen.

Außer mir sind noch zwei weitere Gäste hier – da hatte ich mehr erwartet (etwa den einen oder anderen Steimle-Fan...).

Wille begrüßt neuen Medienstaatsvertrag

In ihrem "Bericht der Intendantin" hat die MDR-Intendantin Karola Wille u.a. über den Medienstaatsvertrag gesprochen, der vergangene Woche von den Ministerpräsidenten der Länder verabschiedet worden ist.

Wille zitiert die Ministerpräsidenten, die von einem Meilenstein sprechen, weil der Medienstaatsvertrag (bisher: Rundfunkstaatsvertrag) erstmals auch die ganzen digitalen Angebote mit einbezieht und reguliert. Dazu zählen Suchmaschinen wie Google, Smart-TV, Sprach-Assistenten, Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram, Netflix, Youtube...

Wille begrüßt sehr, dass jetzt auch für diese sogenannten Intermediäre der Grundsatz der Transparenz und der Diskriminierungsfreiheit gilt. Sprich: Sofern die Länderparlamente den Medienstaatsvertrag zertifizieren, ist es künftig den Anbietern verboten, bestimmte Angebote zu unterdrücken oder zu bevorzugen.

Im Fachsprech heißt das: "die privilegierte Auffindbarkeit von Inhalten mit gesellschaftlichen Mehrwerten". Diese müssen künftig auch bei den Intermediären leicht erreichbar sein und dürfen nicht in der Angebotswelt irgendwo verschwinden.

Außerdem dürften dann, so Wille, die ÖRR-Inhalte von den Intermediären nicht für Werbung genutzt werden.

Als nächster Schritt muss der Medienstaatsvertrag der EU-Kommission vorgelegt werden. Wille geht davon aus, dass der Vertrag dann voraussichtlich im kommenden Jahr in Kraft treten kann.

Beschlüsse der ARD-Intendantinnen und Intendanten

Weitere Themen aus Willes Bericht:

    • Die ARD-Mediathek entspricht aus Sicht der Intendantinnen und Intendanten technisch noch nicht „state of the art“ - Merklisten und persönliche Empfehlungen sollen aber noch bis Ende des Jahres funktionieren.
    • Der Tatort jetzt in der ZDF-Mediathek verlinkt.
    • Im Frühjahr wird es eine große Kampagne für die ARD-Mediathek geben.
    • Der MDR ist gemessen an Zugriffszahlen die erfolgreichste Dritt-Anstalt in der ARD-Mediathek.
    • Es wird künftig keine reine TV-Programmkonferenz der ARD mehr geben, sondern eine Konferenz über alle Bewegtbild-Inhalte linear/non-linear, die crossmediale Planung beinhaltet (bitte um Hinweise: richtig wiedergegeben?).
    • Es wird einen eigenen ARD-Content-Manager für die Mediathek geben - diese Funktion übernimmt Florian Hager (bislang Chef des Jugendangebotes funk).
    • Die Intendanten haben insgesamt 9 Mio. zusätzlich jedes Jahr für digitale Entwicklung für die Big-Five der ARD beschlossen - das bedeutet auch mehr Geld für den Kika in Erfurt (die Big-Five sind: Tagesschau, Sportschau, Mediathek, Audiothek und Kika/funk)
    • Die ARD-Audiothek ist inzwischen auch in diverse Smartlautsprecher integriert.
    • Die ARD hat über einen neuen 3-Stufen-Test für die Big-Five diskutiert, sie begrüßt das. Das ZDF hat inzwischen über einen neuen Drei-Stufen-Test eine Verweildauer von zwölf Monaten vorgesehen, die ARD liegt noch bei sechs Monaten.
    • Schließlich berichtet Wille noch von der Public-Value-Konferenz (vgl. FLURFUNK vom 3.12.2019: "'Leipziger Impuls': Debatte über Gemeinwohlbeitrag des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks gewünscht") vergangene Woche hier in Leipzig - dazu mehr im nächsten FLURFUNK-Podcast!

(Hinweis: Ich freue mich über Ergänzungen und Hinweise aus dem Gremium, falls ein Punkt missverständlich wiedergegeben wurde).

Nach einer Reihe von Störgeräuschen ist soeben die Mikrofon-Anlage ausgefallen. Schöner Scherz von Frau Schade: Wir werden gleich evakuiert - Lachen im Saal. Jetzt wird ohne Mikrofone weitergesprochen.

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Berichte aus den Ausschüssen

Der MDR-Rundfunkrat hat ingesamt fünf Ausschüsse (mehr auf den Seiten des Rundfunkrats) und drei Landesgruppen - die Vorsitzenden berichten jetzt aus den vergangenen Sitzungen. Einige Schlagworte:

  • Der Name Steimle ist eben das erste Mal gefallen - beim Bericht aus der Landesgruppe Sachsen-Anhalt. Der Vorsitzende berichtete aber nur mit einem Satz, man sei über das Aus für „Steimles Welt“ informiert worden.  
  • Der Techniker streift herum und sucht den Fehler…
  • Bei MDR-Jump gibt es eine Umbenennung der Web-Channels - dieses sei aber nur ein formaler Vorgang. Es ist also kein neuer 3-Stufen-Test nötig.
  • Es gibt eine Änderung bei den Nachrichten von MDR-Sputnik. Diese werden künftig in der Redaktion MDR-Jump produziert und eingesprochen - das entspräche mehr der zielgruppengerechten Ansprache. Bislang waren die Nachrichten von MDR Aktuell geliefert worden (vgl. FLURFUNK vom 5.11.2018).
  • Aus dem Telemedienausschuss ist zu hören: Es soll 2020 eine neue Sport-App starten.

Diskussion über Wirtschaftsplan 2020

Der Rundfunkrat diskutiert über den Wirtschaftsplan 2020. Karola Wille betont, dass der Wirtschaftsplan die strategischen Schwerpunkte wie Regionalität in den Landesfunkhäusern, dem Schwerpunkt Jugend und Kultur (?) und die weitere Digitalisierung berücksichtigt. Der Plan weist ein Defizit von über 44 Mio. Euro aus, das über eine Entnahme aus Gewinnrücklagen gedeckt werden soll.

Es entspinnt sich eine kurze Diskussion - am Ende stimmt der Rundfunkrat bei fünf Enthaltungen und einer Gegenstimme zu.

Kommt das Qualitätsmonitoring

Top 9 trägt den Titel "Qualitätsmonitoring". Prof. Schade berichtet über die bisherigen Verlauf des Themas und die Diskussion des Themas in den Ausschüssen. Es geht um die Initiative von Dr. Uwe Krüger, selbst Rundfunkratsmitglied, der vorschlägt, Qualität vergleichbar zum Schweizer Modell Jahrbuch der Medien zu messen.

Es liegt den Mitgliedern hier im Raum offenbar eine Beschlussvorlage vor.

Achtung, Werbung: Zu dem Thema empfehle ich dringend die Lektüre von FUNKTURM Nr. 12, der hoffentlich morgen aus dem Druck kommt, Thema: Qualität. 

Nun berichten die Landesgruppen-Vertreter über die Diskussion zu dem Thema - offenbar stößt der Vorschlag auf Befürwortung. So ein Vorgehen könnte beispielhaft für die ganze ARD sein, heißt es etwa. Gegenargument: Das könnte ganz schön teuer werden.

Die nicht funktionierende Mikrofon-Anlage macht das Verfolgen der Wortbeiträge gerade sehr schwer. Aus Sachsen kommt der Hinweis, dass das Thema Medienqualität auch im Koalitionsvertrag zu finden ist.

Ich schalte jetzt mal die FLURFUNK-Steady-Paywall ein - den weiteren Ticker können Sie erst dann ohne Steady-Abo weiterlesen, wenn ich die nächsten drei Abos generiert habe (die übrigens nicht teuer und monatlich kündbar sind)!

Nachtrag 10.12., 8 Uhr: Danke! (owy)

Jetzt meldet sich der AfD-Vertreter im Rundfunkrat. Er hält die Messung von Qualität innerhalb des MDR für "nicht zielführend" und "eine Nabelschau" - und argumentiert an einem konkreten Beispiel. "Das bringt uns nicht wirklich weiter, ob da statistisch gemessen wird, ob die Kommas richtig gesetzt sind."

Offenkundig hat er nicht verstanden, dass es u.a. um die Bewertung der Inhalt geht. Entsprechend wird er von einem Gegenredner direkt darauf hingewiesen, dass er sich selbst gerade inhaltlich widersprochen hat - ja, das gebrachte Beispiel sei doch gerade ein Argument dafür, die Qualität in Zukunft anders als bisher zu bewerten.

Aus den Wortbeiträgen ist herauszuhören: Eine reine Messung der Qualität der MDR-Inhalte würde nichts bringen. Vielmehr müsse es eine unabhängige Stelle geben, die auch Medien miteinander vergleicht.

Es gibt nun zwei Beschlussvorlagen: Die Landesgruppe Sachsen-Anhalt hat einen Änderungsvorschlag gemacht. Wobei: Der Rundfunkrat will erst einmal nur eine Prüfauftrag erteilen, ob und wie so ein Verfahren eingeleitet werden könnte.

Der Antrag wird mit einer Gegenstimme angenommen.

Wie steht's denn mit funk?

Florian Hager, noch (s.o.) Programmgeschäftsführer Jugendangebote ARD/ZDF und Verantwortlicher für das Angebot funk, tritt auf. Er hat eine Präsentation mit vielen Zahlen mitgebracht - daraus einige Informationen.

  • funk hat rund 80 verschiedene Formate - am Anfang vor allem Video, inzwischen auch Podcasts.
  • 73 Prozent der Zielgruppe kennen funk oder mindestens ein funk-Format.
  • Unter den funk-Kennern kann fast jeder Zweite korrekt den Träger ARD/ZDF benennen.
  • 2018: im ganzen Jahr eine Mrd. Views - die Marke ist 2019 schon im August geknackt worden.
  • Inzwischen sind rund 23.000 Videos veröffentlicht worden.
  • Die Formate aus dem Bereich Information und Orientierung wachsen am stärksten.
  • Mit den Inhalten kann kein Geld (etwa über Werbung) verdient werden - dafür gibt es einen Vertrag mit YouTube.

Laut Hager setzt funk häufig Themen, die von anderen Medien aufgegriffen werden und die innerhalb der Zielgruppe für Gesprächsstoff sorgen.

Er berichtet auch, dass der Verweis von YouTube unter den Videos, dass funk "Teil des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks" sei, nicht zum Einbruch der Zugriffszahlen geführt habe.

Sondern: Der Wikipedia-Beitrag über funk, der an gleicher Stelle verlinkt ist, sei in die Top 10 der Wikipedia-Beiträge gekommen.

Juchu, gerade ist ein Steady-Abo reingekommen! 

Jetzt geht es in die Diskussion und Fragerunde. Hilft funk auch dem öffentlich-rechtlichen Programm? Was sind Kriterien für "erfolgreiche Formate"?

Braucht funk mehr Geld?

Hager antwortet: Wenn man bei YouTube außerhalb von funk Geld verdienen will, muss man über 1 Mio. Abos haben, sagt er. Keines der funk-Formate könnte sich derzeit über Werbung refinanzieren. Man habe die Zusammenarbeit mit YouTubern beendet, die die Marke geknackt hätten. Der Erfolg von Formaten habe bei funk mehrere Dimensionen, nicht nur die reinen Zugriffs- oder Abozahlen.  Das gelte auch für Videos mit geringen Reichweiten.

Es geht jetzt auch um das Thema Finanzierung. Hager (sinngemäß): "Ich will nicht mehr Geld fordern. Das Geld reicht für die erfolgreiche Umsetzung von 80 Formaten. Will funk also nächstes Jahr neue Formate entwickeln, was auch der Anspruch ist, müssten eventuell erfolgreiche Formate eingestellt werden."

Funk hat übrigens null Distributionskosten. Alle Inhalte sind natürlich auf der eigenen Plattform funk.net zu finden.

Ich weise zwischendurch nur mal vorsorglich daraufhin: In so einem Vortrag würde vermutlich nie gesagt werden, wenn ein Produkt nicht erfolgreich wäre... Die Quellenlage zur Bewertung, die der Rundfunkrat hier vorgestellt bekommt, ist sehr einseitig. Das soll nicht heißen, dass ich funk anders bewerte oder den Erfolg in Abrede stellen will - die Zahlen sind schon sehr beeindruckend.

Jetzt kommt eine kritische Nachfrage: Ist funk etwa eine öffentlich-rechtliche Unternehmens-Anschub-Finanzierung für YouTube oder so? Der Fragende meint, dass die YouTuber, die mit funk anfangen und dann nach Erreichen einer gewissen Bekanntheit ohne funk weitermachen können...

Hager antwortet, dass die funk-Verträge am Ende nichts anderes sind, wie sie früher ein Thomas Gottschalk hatte, der damals über Radio oder Fernsehen große Bekanntheit erlangt hat.

Es geht noch mal um die Frage, die auch im Vormonat hier diskutiert wurde: Gehört der ÖRR (und damit also auch funk) auf YouTube? Müsste funk nicht viel mehr Kraft darauf verwenden, die Nutzerinnen und Nutzer auf die eigene Plattform zu ziehen?

Hager argumentiert, der ÖRR müsse seiner Meinung nach dort sein, wo die Meinungsbildung stattfinden. Die Zuschauerinnen und Zuschauer auf die eigene Plattform zu ziehen, könne erst erfolgen, wenn die Bekanntheit für das Angebot gegeben sei.

Top 11: Themenschwerpunkt 2020

Das Jahresthema des MDR 2020 ist "Miteinander leben". Dazu stellt Programmdirektorin Katja Wildermuth gerade einzelne Formate vor, z.B. ein Dialogformat "miteinander reden", in der sich zwei Menschen über Themen austauschen, die dann in kurzen Episoden im Programm stattfinden werden.

Ein weiteres Format ist "miteinander gestalten", bei dem ein Bürgerrat unter dem Titel "Demokratie im Versuchslabor" arbeitet - der MDR begleitet das als Medienpartner.

Weitere Formate: ein Chorprojekt mit dem Titel "Miteinander singen", eine Bürgerarena über die Bedeutung und Zukunft von Ehrenamt, eine Langzeitdoku über ein Wohnprojekt in Weimar, eine 15-teilige Beitragsreihe plus eine Doku und ein Online-Angebot über "Wendekinder", eine Townhall-Meeting-Geschichte, eine grenzüberschreitende Geschichte, Dialog-Foren und Bürgermeister-Gespräche, die Fortsetzung des MDR-Frühlingserwachsen (Leipzig) sowie eine 90-minütige Doku plus Online-Projekt zu der Frage: "Was will der Osten" (geplant für Herbst 2020).

Das sei erstmal nur ein kleiner Ausblick, so Wildermuth, es werden sicherlich noch jede Menge Themen dazukommen.

Zum Ende von Uwe Steimle beim MDR

Jetzt kommt das Thema doch noch: Der AfD-Vertreter im Rundfunkrat hat sich zu Wort gemeldet.

Was er nicht ganz nachvollziehen könne: Die Kritik von Steimle zur Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – er teile dessen Einschätzung. Die Berichterstattung sei ihm zu häufig regierungsnah (das war aber doch gar nicht die Kritik von Steimle, der die Unabhängigkeit grundsätzlich in Frage gestellt hat!).

Dann zählt er eine Reihe von Beispielen auf - sagt aber gar nichts über Steimle selbst oder seine Äußerungen oder sein Verhalten gegenüber dessen Arbeitgeber.

Sorry, das ist nicht substantielle Kritik, sondern eine Meinungsäußerung, die vermutlich nur provozieren soll. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Offenbar sehen das die übrigen Mitglieder des Rundfunkrats auch, der Plan geht nicht auf. Es gibt folglich auch keine Gegenrede.

So, das war's für heute - mehr im nächsten oder übernächsten FLURFUNK-Podcast. Ich danke für die Aufmerksamkeit und die Unterstützung bei Steady!

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