Winzergenossenschaft Meißen lädt unliebsamen Journalisten aus

Da mangelt es wohl an Souveränität: Die Winzergenossenschaft Meißen hat einen unliebsamen MDR-Journalisten von der Pressekonferenz zur Vorstellung des Jungweins 2016 ausgeladen. Das berichtet der MDR Sachsen unter der Überschrift: "Hat die Winzergenossenschaft Meißen etwas zu verbergen?"

Wörtlich schreibt dort der Leiter des MDR-Studios Dresden/Elbland Ulrich Brümmer:

"Wir hätten gerne über diesen ersten sächsischen 2016er-Wein der Genossenschaft berichtet, allerdings hatte unser Reporter Lars Müller 'Hausverbot' bei der Winzergenossenschaft und durfte nicht zur Pressekonferenz kommen. Da MDR Sachsen selbst entscheidet, welcher seiner Reporter zu einer Pressekonferenz geht, hat die Redaktion beschlossen, nicht über den 'Grünschnabel' zu berichten. Die Geschäftsführung der Genossenschaft befürchtet offenbar unangenehme Fragen im Zusammenhang mit dem sogenannten Weinskandal."

Hintergrund für die Ausladung Müllers ist der sogenannte Weinskandal, der im Januar bekannt geworden war. Der Einsatz von verbotenen Pflanzenschutzmitteln im Weinanbau hatte dazu geführt, dass tausende Liter sächsischen Weins nicht verkauft werden durften.

Müller hatte als erster und intensiv darüber berichtet, sowohl für den MDR als auch für die Dresdner Neueste Nachrichten. Laut MDR hat die Winzergenossenschaft mehrere Anfragen Müllers in den vergangenen Monaten unbeantwortet gelassen, und das, obwohl man zuvor "noch vollständige Aufklärung angekündigt" hatte.

In dem MDR-Bericht ist aus der Absage vom Geschäftsführer der Genossenschaft, Lutz Krüger, an Müller zitiert:

"Wir möchten 'Sie von unserem Pressegespräch ausschließen, da in Ihrer bisherigen Berichterstattung Tatsachen über unser Haus berichtet wurden, die nach unserer Rechtsauffassung unzutreffend waren und zu befürchten ist, dass es wieder zu einer ähnlichen Berichterstattung durch Sie kommt'.

Müller scheint der einzige Journalist zu sein, der von der Winzergenossenschaft ausgeladen wurde. Dass man in Fällen von sachlich falscher Berichterstattung Anwälte bemühen kann, scheint sich wohl noch nicht bis nach Meißen rumgesprochen zu haben. Wer sich für Details zum Weinskandal interessiert, findet eine Übersicht auf den Seiten des MDR: "Chronik des sächsischen Weinskandals" - darin ist zu lesen, dass angeblich mindestens drei Kellereien, die in den Weinskandal verwickelt sein sollen, noch nicht bekannt sind.

Der MDR hat angekündigt, auch weiterhin über die Aufarbeitung des Weinskandals zu berichten.

Hinweis 14.11.2016: Lutz Krüger, der Geschäftsführer der Genossenschaft, hat bei uns in den Kommentaren reagiert. Wörtlich schreibt er u.a.: "Der Ausschluß hat keineswegs nur mit der Berichterstattung in den letzten Monaten zu tun, wie es nun durch den MDR vermittelt wird." Seinen vollständigen Kommentar finden Sie unter diesem Beitrag oder direkt hier.

Hinweis: In unserem ursprünglichen Beitrag war an einer Stelle von "Winzerverband" die Rede - das ist nicht die richtige Bezeichnung, wir haben den Beitrag entsprechend korrigiert. Danke an den Hinweisgeber! 

14 Kommentare
  • Karl
    November 11, 2016

    Und was ist daran so schlimm das die Winzergenossenschaft den MDR auslädt. Jeder kann doch selbst entscheiden wen er dazu einlädt. Und ich würde auch keine Presse zulassen die mich durch den Dreck gezogen hat. Das hat nichts mit Pressefreiheit zu tun.

  • Peter Bläsing
    November 11, 2016

    "Dass man in Fällen von sachlich falscher Berichterstattung Anwälte bemühen kann, scheint sich wohl noch nicht bis nach Meißen rumgesprochen zu haben."
    Diese boshafte Unterstellung des angeblichen "Nichtwissens", man könne Anwälte bemühen kann man die effektivere und preiswertere jetzt gewählte Ausladung eines offensichtlich nicht neutral berichtenden Journalisten nur befürworten.

  • Lutz Krüger
    November 11, 2016

    Wieder ein Beitrag ohne Fundament!
    Wir haben einen einzigen Journalisten (freier Mitarbeiter u.a. des MDR) von unserem Pressegespräch zum Thema "Erster Jungwein" ausgeladen. Dem MDR haben wir schriftlich ein Gespräch zum Sachverhalt angeboten. Weiterhin haben wir mitgeteilt, dass uns jeder andere Mitarbeiter herzlich willkommen ist.
    Der Ausschluß hat keineswegs nur mit der Berichterstattung in den letzten Monaten zu tun, wie es nun durch den MDR vermittelt wird. Leider wurde durch den MDR dieses Gespräch nicht gewünscht. Dr. Brümmer (Leiter Studio Dresden/ Elbland): " da Sie unserem Berichterstatter Herrn Müller Hausverbot erteilt haben, gibt es aus meiner Sicht nichts mehr zu besprechen."

  • stip
    November 11, 2016

    Man muss Lars Müller und seine – sagen wir mal: pointierte – Art zu berichten nicht mögen. Aber ihn auszuladen, ist schon ein Armutszeugnis. Und mit Karl und Peter würde ich dann gerne mal über ihren Begriff von Pressefreiheit diskutieren…
    (oder, anders herum formuliert: so weit ist es schon gekommen, dass nur dann etwas unter Pressefreiheit subsummiert wird, wenn es gefällt).

  • Stephan Trutschler
    November 13, 2016

    Lieber "stip", (wer auch immer sich hinter diesem Kürzel verbirgt), ich denke, dass es jemanden ermöglicht sein sollte, jemanden Anderen, der konsequent durch reißerisch aufgemachte Beiträge pseudowissenschaftliche Halbwahrheiten in die Welt rausposaunt und dabei vor (fast) nichts halt macht, auch mal konsequent "außen vor" zu lassen.
    Das hat weniger mit der Berichterstattung zum "Weinskandal" zu tun, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahre.
    Es geht einfach nicht, morgens um 8:30 oder früher einen Fragenkatalog mit x Fragen rauszujagen und das ganze mit Hinweis auf eine erwartete Beantwortung in vier bis sechs Stunden. Es war leider weder in der WG Meißen noch in der betreuenden Presseagentur möglich, allein für diesen Herrn eine komplette Arbeitskraft dafür abzustellen. Zumal viele Fragen auch aus rechtlichen Gründen vor einer Befassung durch Aufsichtsrat und Genossenschaftsversammlung gar nicht beantwortet werden durften!
    Es ist ja auch nicht so, als wäre die WG die einzige Institution, die keine Lust mehr auf Kontakte zu der betreffenden Person hat, denn im Laufe der letzten beiden Jahre und in direktem Zusammenhang mit der "pointierten" (extrovertiert wäre der treffendere Ausdruck) Berichterstattung gibt es eine ganze Reihe von Unternehmen, die hier von einer Einladung an just genau den Herrn ganz gezielt Abstand nehmen.
    Dass der MDR als zweitgrößte ARD Anstalt urplötzlich nur noch just diesen einen "anerkannten Experten" aufbieten kann, wobei es bei den letzten Termine komischerweise auch andere Kollegen nach Meißen schafften..,, mutet merkwürdig an, lassen wir aber mal so im Raum stehen. Dass Herr Brümmer, den ich als Kollegen (eigentlich) über die landen Jahre sehr schätzen gelernt habe, anders, als übrigens der Chefredakteur der DNN, Dirk Birgel, das Gespräch mit der WG schlichtweg verweigerte, ist schlichtweg ein journalistisches "No Go" und lässt meiner Meinung nach die grundsätzlichen Ansprüche an eine ausgewogene Berichterstattung mehr als deutlich vermissen. Hier hätte ich doch ein gewisses Maß an Souveränität erwartet, zumal beim öffentlich - rechtlichen Sender, wie es der MDR ja ist.

  • Karl
    November 14, 2016

    @stip
    Die Winzergenossenschaft hat Hausrecht da spielt die Pressefreiheit gar keine Rolle. Oder Laden Sie jemanden zum Geburtstag ein den sie nicht leiden können. Pressefreiheit hat auch Grenzen

  • Martin
    November 14, 2016

    Vielleicht mal begrifflich etwas abrüsten. Die Ausladung eines Journalisten gefährdet nicht die Pressefreiheit. Derjenige kann ja trotzdem weiterhin schreiben, was er selbst verantworten möchte. "Unprofessionalität" scheint mir hier die passende Einordnung für beide Seiten zu sein. Journalisten, die falsche Tatsachen veröffentlichen beherrschen nicht ihr Handwerk. Und: Ausladung eines Medienvertreters bei Pressekonferenz ist mit Blick auf das gewünschte Ergebnis (Verminderung der fehlerhaften Berichterstattung) schlichtweg kein geeignetes Mittel. Der Ausgeladene erhält weniger Information und wird "noch fälscher" berichten.

  • Frank
    November 15, 2016

    @ Lutz Krüger: Sinnvoll wäre einmal ein Beispiel für die schlechte Berichterstattung von Lars Müller, so dass man sich als Außenstehender (ich schaue MDR grundsätzlich nicht an) ein Bild machen kann. Welche unzutreffenden Tatsachen hat Müller denn berichtet?

    Abgesehen davon halte ich es für Ihr gutes Recht, ein- und auszuladen, wen Sie wollen. Ich sehe im hier erwähnten Fall keinen Skandal und noch nicht einmal ein Problem.

  • Christian Wobst
    November 15, 2016

    @ Stephan Trutschler: Eine professionelle Presseagentur ist und sollte in der Lage sein, innerhalb von sechs Stunden einen Fragenkatalog zu beantworten. Der Verweis, dass sich mit der einen oder anderen Frage zunächst Aufsichtsrat und Genossenschaftsversammlung befassen müssen, kann ja als Antwort formuliert werden. Der Hinweis: "Es war leider weder in der WG Meißen noch in der betreuenden Presseagentur möglich, allein für diesen Herrn eine komplette Arbeitskraft dafür abzustellen" ist für eine Presseagentur – sowohl gegenüber Ihren Auftraggebern als auch gegenüber den Journalisten – schlichtweg unprofessionell.

  • René
    November 16, 2016

    Die sächsische Winzergenossenschaft darf einladen wen sie will. Gerade im Zusammenhang mit dem "Skandälchen" wäre es jedoch souveräner, sich den Fragen zu stellen und klar Schiff zu machen. Der MDR spielt es jedoch auch unnötig hoch und das hat gleichfalls "Geschmäckle". Es sollten beide Seiten aufeinander zu gehen.

  • Stephan Trutschler
    November 16, 2016

    Lieber Christian Wobst, um einen, wie auch immer gearteten Fragenkatalog abzuarbeiten braucht jeder, ob Mitarbeiter beim Kunden oder PR Agentur, die dementsprechende Zuarbeit aus dem Hause. Wenn die, aus welchem Grund auch immer, nicht erfolgen kann (Verhältnisse noch unklar, verantwortliche MA nicht greifbar aufgrund von Urlaub, Krankheit, Überlastung, etc.) dann sind auch denjenigen, die so etwas nach außen kommunizieren könnten oder sollten, schlichtweg die Hände gebunden. Zumal ja in diesem speziellen Fall viele weitere Faktoren ebenfalls noch "so ganz am Rande" eine Rolle spielten, wie die Problematik Haftung, Versicherung, Abstimmung mit vier verschiedenen Behörden, Abstimmung mit den Gremien innerhalb des "Genossenschaftsapparates" Verschwiegenheitspflichten, etc....! Wir reden ja hier nicht über "Peanuts", die halt mal vorkommen können, sondern über eine Geschichte, die schon an den Grundfesten rüttelte und deswegen auch pressetechnisch gesehrn halt nicht mal eben "auf der linken Pobacke abgeritten" werden konnnte.

  • Dr. Rolf Bucher
    Dezember 7, 2016

    7.12.16
    Man kann Herrn Trutschler und übrigens auch den Lesernder DNN, die sich zum "Journalismus" von Herrn Müller geäußert haben nur zustimmen. Und die Entscheidung der WG Meißen ist mehr als nachvollziehbar. Herr Müller betreibt seit einem Jahr eine Haßkampagne gegen den sächsischen Wein und die Winzer, die ihresgleichen sucht. Letztlich haben 6 Traubenerzeuger/Winzer gegen die Pflanzenschutzregeln im Weinbau verstoßen und solche Verstöße sind je nach Schwere strafbewehrt. Darum kümmern sich die zuständigen Stellen. Übrigens sind sowohl die verwendeten Pflanzenschutzmittel als auch die festgestellten Werte in anderen Kulturen überhaupt kein Problem. Herr Müller veröffentlicht jede Woche mindestens einen seiner Artikel und als die Leser zunehmend genervt reagierten, hat er begonnen die Winzer in Sippenhaft zu nehmen und in Mißkredit zu bringen. Lediglich einige offenbar unerfahrene, jüngere Winzer, die noch mit ihm geredet haben, werden über den grünen Klee gelobt. Es ist schon erschütternd, wie sich ein sogenannter Journalist über ein Jahr an einer Sache festhält, die spätestens nach einem Monat erledigt war. Wie schnell sind doch bei unseren Journalisten, die so gern die Pressefreiheit bemühen, Fälle von Kindesmißbrauch oder schwerem Raub oder gar Mord wieder vergessen. Oder es wird erst gar nicht darüber berichtet, wie wir nach den Silvesterereignissen in Köln oder dem Mord an einer jungen Frau in Freiburg erleben mussten. Es ist kein Wunder, wenn die Menschen eine solche selektierte Berichterstattung zunehmend ablehnen.

  • Klaus Stein
    Februar 2, 2018

    Es ist nicht nur ein Armutszeugnis des MDR in dieser Form zu reagieren, sondern auch bezeichnet für diese Gilde. Sind diese Herrschaft ernsthaft der Meinung, dass dadurch die Pressefreiheit gefährdet ist? Dann stünde Ihre Gilde auf sehr schwachen Füßen.
    Wilhelm Calberla hat sich bereits 1834 über die "bösartigen Lohnschreiber" bei der Landesdirektion Sachsen beschwert. Übrigens auch wegen unwahrer Berichterstattung.
    Vieleicht sollten sie mal in sich gehen, viel Zeit dafür nehmen und vor allem selbstkritisch und ehrlich nachdenken.
    Journalisten sind nicht der Nabel der Welt, und werden es nie sein.

  • owy
    Februar 2, 2018

    @Klaus Stein

    Sehr geehrter Herr Stein,
    halten Sie ernsthaft die Mediensituation von 1834 für vergleichbar mit der von heute? Das zeugt von einem sehr seltsamen Verständnis, wie sich Gesellschaft und insbesondere die Medien entwickelt haben könnten.

    Wie heißt es so schön: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

    Zu der Frage, ob die Pressefreiheit nur wegen dieses einen Vorgangs gefährdet ist: Ist sie natürlich nicht. Vielleicht aber doch, ist es doch ein Anfang, der nicht Schule machen sollte. Denn wer sich so der Öffentlichkeit verweigert wie die Winzergenossenschaft, hat offenkundig die Rolle der Medien für die Gesellschaft und die Demokratie nicht verstanden.

    Abgesehen davon, dass es von der Genossenschaft rein kommunikationsstrategisch einfach nur saublöde ist, einen Journalisten auszusperren.

    Zum Thema Aussperrung/Pressefreiheit erlaube ich mir auf diesen Kommentar hier von mir hinzuweisen:

    http://www.flurfunk-dresden.de/2017/01/29/sachsens-afd-und-die-pressefreiheit/

    Beste Grüße
    Peter Stawowy (FLURFUNK)

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